Man stelle sich vor, Cristiano Ronaldo macht sich zu Hause für den harten Trainingstag bereit. Blosse Fiktion, nur ein Szenario, aber mal angenommen. Er sollte lieber etwas Leichtes essen, denn es ist schon warm in Madrid, und der Koch ist heute krank, seine Mutter verhindert. Aber zum Glück hat der Star von Real Madrid ja jetzt diesen neuen Werbevertrag mit einem Low-Carb-Smoothie-Hersteller.

Er greift sich einen aus dem Kühlschrank. Sieht natürlich cool aus, wenn er so etwas Hippes trinkt. «CR7» kann nicht widerstehen. Er muss ein Bild davon in den sozialen Netzwerken posten. In der Selfie-Kultur gibt es dabei eine eiserne Regel: Wenn es kein Foto gibt, ist es nicht passiert. Also Handy draufhalten, hochladen und mit dem Hashtag #somethingdifferent versehen. Wenn Cristiano Ronaldo derartiges viermal macht, könnte er damit rund eine Million Franken verdienen.

Eine Viertel Million Franken pro Tweet

Auf diese Rechnung kam eine Studie der Agentur Opendorse, die digitale Werbekampagnen für Sportler monetarisiert: Wann immer der mehrfache Weltfussballer auf seinem Twitter-Account ein Produkt oder eine Marke erwähnt, sendet er damit eine Werbebotschaft, die 250’000 Franken wert ist. Damit ist Ronaldo weltweit der wertvollste Athlet in den sozialen Netzwerken.

In den vergangenen Tagen verkündete Ronaldo zum Beispiel per Twitter, dass er bald sein eigenes Parfüm verkauft mit dem ambitionierten Namen «Legacy». Dahinter steckt die Firma Eden Parfums. Auch Tweets über Ronaldos Ausrüster Nike zünden hervorragend. Der Portugiese benutzt dabei seine Instagram-, Facebook- und Twitter-Accounts gar nicht so häufig. Nur alle paar Tage macht er das. Ronaldo kommt allerdings auf gigantische Reichweiten. 29 Millionen Menschen folgen ihm auf Instagram, gar 38 Millionen auf Twitter.

Dieses versteckte Werben per Twitter-Botschaft passiert schon länger in den sozialen Netzwerken. Athleten sind dafür am attraktivsten. Die Marktforschungsagentur Global Web Index fand heraus, dass User in Spanien Sportevents zu 20 Prozent intensiver verfolgen als andere Themen – also Botschaften ihrer Stars öfters lesen, re-tweeten oder sogar darauf antworten.

Auf dem zweiten Rang steht weltweit übrigens NBA-Idol LeBron James, der pro Tweet offenbar rund 135’000 Franken verlangen dürfte. Er erreicht mit einem Tweet «mehr als 23 Millionen Fans direkt. Um eine solche Reichweite mit herkömmlicher TV-Werbung zu erreichen, müsste die Firma fünfmal so viel Geld aufbringen», erklärt Opendorse-Chef Blake Lawrence.

Federer ist der teuerste Schweizer

Unter den Schweizer Athleten kann Roger Federer den höchsten Preis für seine Twitter-Werbebotschaften berechnen. Ihm folgen rund drei Millionen Menschen. Laut Opendorse wäre eine seiner Nachrichten rund 16’000 Franken wert.

Trotz dieser horrend hohen Preisen glaubt Opendorse-Chef Lawrence, dass die meisten Firmen ihren Athleten «nur» zwischen 1000 und 2500 Franken pro Tweet überweisen. Der bisher teuerste Tweet, den Opendorse bisher vermittelt hat, stammt nach eigenen Angaben von einem American-Football-Profi vom NFL-Team der New England Patriots, der aber nicht genannt wird.

(nor/welt.de)

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