Mike Pence wurde vom Republikanerkonvent in Cleveland offiziell zum «Running Mate» Donald Trumps nominiert. Der Präsidentschaftskandidat und sein Vize: Wie nahe liegen sie inhaltlich beieinander, wo gibt es Unterschiede?

Das Naturell

Michael «Mike» Pence ist der komplette Gegenentwurf zu Trump. Er ist zurückhaltend bis zur Unscheinbarkeit. In einem Interview mit «60 Minutes» am Sonntag kam Pence kaum zu Wort, weil Trump ihm ein ums andere Mal das Wort abschnitt, für ihn antwortete oder seine Antworten verbessern wollte. Pence steht für einen völlig anderen politischen Stil.

Wie man Wahlkampf führt

Pence verfasste nach schlechten eigenen Erfahrungen einen Artikel: «Bekenntnisse eines Negative Campaigners» (etwa: aggressiven Wahlkämpfers). Darin schwor er, nie mehr Wahlkampf unter der Gürtellinie zu führen, persönliche Attacken zu vermeiden und das Vertrauen in öffentliche Institutionen keinesfalls zu untergraben. Trump lag in seinem bisherigen Wahlkampf nicht auf dieser Linie.

Der Irakkrieg

Pence war und ist Befürworter der US-Invasion des Irak, Trump dagegen hat Ex-Präsident George W. Bush und seine jetzige Konkurrentin Hillary Clinton dafür wiederholt vehement angegriffen. Auf diesen Widerspruch angesprochen, sagte Trump zu Pence: «Jeder darf mal einen Fehler machen» - Clinton allerdings nicht. Generell liegt Pence viel mehr auf der republikanischen Linie einer fest in der Welt verankerten USA, er ist kein Isolationist.

Das Thema Handel

Ein liberalisierter Welthandel und entsprechende Abkommen stehen seit Jahrzehnten im republikanischen Kanon auf den vorderen Seiten. So auch bei Pence, der sich immer wieder pro Handel ausgesprochen hat. Das wird nun schwierig, denn seine Nummer eins hält sie für einen Ursprung allen Übels.

Die Einwanderung

Während Trump Einwanderer wiederholt kriminalisiert und das Thema fast ausschliesslich negativ besetzt, hat Pence sich für eine Verbesserung der Gesetzgebung ausgesprochen und für einen besseren Status legaler Einwanderer.

Die Wandlungsfähigkeit

Trump ist extrem wandlungsfähig, Pence ist es nicht. Pence fand Rauchen noch unschädlich, als lange das Gegenteil erwiesen war. Gleiches gilt für den Klimawandel. Pence ist ein zutiefst im christlichen Glauben verwurzelter, prinzipientreuer Konservativer, Trump ist es nicht. Dafür kann Trump seine Positionen stets rasch anpassen. Das kann Pence nicht.

(sda/ccr)

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