1. Home
  2. People
  3. SNB: Für Andréa Maechler ist nichts wie es war

Herausforderung 
SNB: Für Andréa Maechler ist nichts wie es war

Bei der SNB zuständig für die Finanzmärkte und den Devisenhandel: Andréa Maechler. Keystone

Im Dezember wurde Andréa Maechler als erste Frau ins SNB-Direktorium gewählt. Seither haben sich die Umstände geändert. Eine knifflige Herausforderung für die künftige Chefin des dritten Departements.

Veröffentlicht 29.06.2015

Als erste Frau nimmt Andréa Maechler am Mittwoch Einsitz im Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Sie leitet das dritte Departement. Doch dessen Herausforderungen sind nicht mehr dieselben wie im Dezember, als Maechler ins SNB-Direktorium gewählt wurde.

Mit der Leitung des dritten Departements ist die Genfer Ökonomin zuständig für die Finanzmärkte und den Devisenhandel, das operative Bankgeschäft sowie die Informatik. In den Aufgabenbereich der Abteilung fiel auch die Umsetzung des Euro-Mindestkurses. Während drei Jahren und drei Monaten verteidigte die Abteilung den Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken.

Die Umstände haben sich geändert

Seit Mitte Dezember haben sich die Umstände geändert. Die Währungshüter führten Negativzinsen auf Sichtguthaben bei der Nationalbank ein und haben diese seither verschärft. In der Folge tauchte das Zielband für den Drei-Monats-Libor zum ersten Mal in den negativen Bereich. Im Januar gab die SNB schliesslich den Euro-Mindestkurs auf - mit Folgen für die Wirtschaft.

Die Stärke des Franken und seine Funktion als sicherer Hafen stellten eine «permanente Herausforderung» für die schweizerische Geldpolitik dar, bilanzierte der scheidende SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine wenige Tage vor seinem Ruhestand in der Westschweizer Wirtschaftszeitung L'Agefi.

Linie von Maechler noch nicht bekannt

Maechler hingegen hat sich zur Situation noch nicht geäussert. Bereits mit der Bekanntgabe ihrer Wahl hatte die Nationalbank erklärt, Maechler werde sich vor Amtsantritt nicht öffentlich äussern. Das entspricht den Gepflogenheiten: Es ist üblich, dass ein neues Mitglied des SNB-Direktoriums sich zu Beginn in Diskretion übt.

Die frühere stellvertretende Leiterin des Bereichs «Globale Märkte-Analyse» des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington zieht für ihre neue Aufgabe nach Zürich, wo ihr Departement hauptsächlich arbeitet. Auch damit folgt sie der Tradition. Bisher leitete Fritz Zurbrügg die Abteilung. Er wechselt nun nach Bern und übernimmt dort das Departement des zurücktretenden Danthine und gleichzeitig dessen Vizepräsidium im Direktorium.

Maechlers Mandat dauert bis Ende Juni 2021. Welche Linie die Ökonomin als künftige Chefin des dritten Departements verfolgen wird, wird sich zeigen. Experten geben sich mit Blick auf ihren guten Ruf zuversichtlich. Die Frankenstärke stelle eine heikle Herausforderung für die SNB dar, aber das Team habe bereits mehreren Stürmen getrotzt, lautet der Tenor.

Steiniger Rückweg zur Normalität

Kurzfristig müsse die grosse Menge an Devisenreserven weiter verwaltet und möglicherweise sogar erhöht werden, analysiert Philippe Bacchetta, Professor an der Universität Lausanne und Ex-Kandidat für den Posten Maechlers. Mittelfristig bestehe die Herausforderung darin, die Liquidität der Nationalbank sicherzustellen. Dafür müsse die SNB einen Teil ihrer Reserven verkaufen und möglicherweise Anleihen ausgeben.

Laut Bacchetta stellt auch die Rückkehr von sogenannten Repos eine Option dar. Bei Repos (Repurchase Agreements, Rückkaufvereinbarungen) verkaufen Geschäftsbanken Wertpapiere für eine bestimmte Dauer an die SNB und zahlen für die erhaltene Summe einen Zins. In den letzten Jahren sind diese Geschäfte in der Schweiz verschwunden. Es brauche eine Rückkehr zur Normalität, hält Bacchetta fest. Doch erwartet er, dass der Weg dahin holprig werden dürfte.

Der SNB bleiben nur heikle Massnahmen

Angelo Ranaldo, Professor an der Universität in St. Gallen, sieht eine grosse Herausforderung darin, dass der SNB «die Munition ausgeht». Die Negativzinsen seien bereits sehr tief. Für die Wiedereinführung eines Mindestkurses wiederum fehle der SNB die Glaubwürdigkeit. Deshalb dürften auch Interventionen auf dem Devisenmarkt nicht mehr so effizient und langfristig wirken.

Was bleibt, sind laut Ranaldo heikle und unbeliebte Massnahmen, die aus politischer Sicht problematisch sind - auch international. Dazu zählt etwa die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen, die sogenannte Tobin-Steuer auf Devisengeschäfte sowie die Abkehr vom Bargeld, um Negativzinsen auf dem elektronischen Geld einzuführen.

(sda/ccr)

Anzeige