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Geldgespräch 
Seraina Rohrer: «Ich bin ein eher sparsamer Mensch»

Seraina Rohrer
Seraina Rohrer: Den Solothurner Filmtagen fehlt seit dem Ausstieg der Post noch immer ein Sponsor. Quelle: Keystone

Seraina Rohrer, Direktorin der Solothurner Filmtage, hat heute noch oft ein schlechtes Gewissen beim Geldausgeben. Ein Geldgespräch.

Florence Vuichard
Von Florence Vuichard
31.01.2018
Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit 14 Jahren im Dorfladen in Oetwil am See, wo ich aufgewachsen bin. Ich brauchte Geld, denn ich wollte meinen Freund in den USA besuchen. Meine Mutter hat mir die Reise erlaubt, aber ich musste sie selber bezahlen. Und so war ich jeweils am Mittwochnachmittag und am Samstag im Dorfladen.
 
Hat das Geld für die Reise gereicht?
Ja. Zudem habe ich etwas Englisch gelernt im Vorfeld – auch das eine Bedingung meiner Mutter.
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Was bedeutet Ihnen Geld?
Ehrlich gesagt: Ich bin froh, wenn es da ist. Ich stamme aus einer Familie, in der Geld knapp bemessen war. Ich bin noch immer ein eher sparsamer Mensch und habe noch heute oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich Geld ausgebe.
 
Wofür geben Sie denn am liebsten Geld aus?
Fürs Reisen.

Die Direktorin Seraina Rohrer (40) leitet seit 2011 die Solothurner Filmtage. Die promovierte Filmwissenschaftlerin lebt mit ihrem Partner in Zürich und hat einen erwachsenen Sohn.

Seraina Rohrer
Seraina Rohrer: Die Direktorin der Solothurner Filmtage.
Quelle: Lunax
Spenden Sie?
Ja, für kulturelle Projekte. Ich spende auch Geld an die Grüne Partei. Ich finde es wichtig, dass die politische Arbeit der Parteien honoriert wird. Und in jüngster Zeit beteilige ich mich immer wieder an Crowdfunding-Projekten.
 
Als Direktorin der Solothurner Filmtage sind Sie selber auf Geldsuche. Ist es schwierig, Sponsoren zu finden?
Es ist sehr schwierig. Wir wollen langjährige Partnerschaften eingehen, bei denen beide Seiten von einem positiven Imagetransfer profitieren können. Das bedingt, dass man ähnliche Werte pflegt – etwa in Bezug auf Nachhaltigkeit oder den Zusammenhalt im Land. Solche Partnerschaften haben wir jetzt mit Swiss Life, Swisscom und Raiffeisen.
 
Ist die Sponsorensuche in der Kultur härter geworden?
Ich denke, es ist allgemein schwieriger geworden. Für uns kommt erschwerend hinzu, dass wir auf unserem bewährten Finanzierungsmix beharren, der aus privaten und öffentlichen Geldern sowie selbst erwirtschafteten Einnahmen wie den Eintritten besteht. Wir wollen nicht einfach die Solothurner Filmtage nach einer Firma umbenennen, wie es etwa im Fussball passiert.
 
Sie können also noch Geldgeber ablehnen? Laut «Bund» haben Sie jüngst gar ein Angebot des umstrittenen Investors Bastos ausgeschlagen.
Ja, uns fehlt zwar seit dem Ausstieg der Post noch immer ein Sponsor. Aber in diesem Fall war das Reputationsrisiko zu gross.