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Schneider-Ammanns Reise: Seine Mission, seine Hoffnung

Johann Schneider-Ammann: Der Bundesrat besucht vier Länder in acht Tagen.Keystone

Russland, Indonesien, Saudi-Arabien und die USA in nur acht Tagen: Für seine Wirtschaftsmission macht Johann Schneider-Ammann eine kleine Weltreise. Mit jeder Station sind grosse Hoffnungen verknüpft.

Von Julia Fritsche
12.07.2017

Bereits 2014 sollte Johann Schneider-Ammann nach Russland reisen, dann kam der Ukraine-Konflikt dazwischen. Sechs Jahre nach dem letzten Treffen bot sich jetzt die Möglichkeit für ein Treffen – das aber überraschend spontan. Statt wie geplant im Herbst bot sich nun kurzfristig die Möglichkeit, den Termin vorzuziehen.

Also besuchte Schneider-Amman auf seiner achttägigen Wirtschaftsmission als erstes Moskau. Nach zwei Tagen in Russland folgen Indonesien, Saudi-Arabien und die USA. Mit jeder Station sind Hoffnungen verknüpft, vor allem aber mit der ersten.

Anknüpfen an bessere Zeiten

Mit seinem Besuch will Schneider-Ammann an bessere Zeiten anknüpfen. Nach Ausbruch der Ukrainekrise sind die Kontakte auf politischer Ebene selten geworden – die einstige Freundschaft zwischen Bern und Moskau kühlte merklich ab.

Nun setzt man im Wirtschaftsdepartement auf das internationale Tauwetter. «Andere Länder wie Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich, die im Gegensatz zur Schweiz Sanktionen gegen Russland führen, haben bereits solche Missionen durchgeführt», begründete Sprecher Erik Reumann die Wahl der Destination im Juni gegenüber der «Handelszeitung».

Konktakte knüpfen

Jetzt war es soweit: Am Montag hat Bundesrat Schneider-Ammann Igor Schuwalow getroffen, den ersten Stellvertreter von Ministerpräsident Dmitri Medwedew, und Maxim Oreschkin, den Minister für wirtschaftliche Entwicklung. Begleitet wurde Schneider-Ammann auf diesem Abschnitt der Reise von rund 20 Vertretern aus Schweizer Unternehmen.

Diesen dürfte der nächste Termin genützt haben: Schneider-Ammann machte einen Abstecher zur Industriemesse Innoprom in Jekaterinenburg.  Zwar zählte der Bundesrat dort anders als Minister aus Saudi-Arabien oder Japan nicht zu den Rednern an der Messe. Aber er traf den russischen Industrieminister und für die Konzernvertreter bot die Messe interessante Kontaktmöglichkeiten. Denn Exporteure sind gegenüber Russland wieder positiver eingestellt, das hat auch der diesjährige Exportrisiko-Monitor von Euler Hermes gezeigt.

Indonesiens Potenzial erschliessen

Zweite Station ist Indonesien. Ein aufstrebendes Land, wo es laut WBF-Sprecher Erik Reumann wichtig sei, dabei zu sein. Hier besteht Hoffnung auf gute Chancen für Schweizer Exporteure. Bislang importiert die Schweiz noch mehr aus Indonesien, als sie Waren dorthin liefert. Importe von 2,4 Milliarden Franken standen 2016 nur gerade Exporte im Wert von 457 Millionen gegenüber.

Das soll der Swiss Business Hub ändern, den Schneider-Ammann lanciert und der von Switzerland Global Enterprise (SGE) betreut wird. Auf steigende Exporte hoffen auch die mitgereisten ausgewählten Unternehmen. Die Zahl der Wirtschaftsvertreter ist begrenzt, doch sind mit Repräsentanten aus Pharma, Industrie und Banking wichtige Schweizer Branchen anwesend.

Den Handel ankurbeln könnte auch das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EFTA und Indonesien. Das Treffen auf Ministerebene soll den Verhandlungen neue Impulse geben, so die Hoffnung in Bern. Doch nicht nur die Wirtschaft ist an Indonesien interessiert, auch die Wissenschaftswelt erhofft sich engere Beziehungen zum weltgrössten Inselreich und seinen über 250 Millionen Einwohnern. Darum reisen mit Schneider-Ammann auch Vertreter der ETH, EPFL und der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Krisenstimmung in Saudi-Arabien

Durch die Katar-Krise unerwartet an Brisanz gewonnen hat der Besuch in Saudi-Arabien. Laut Pressesprecher Reumann werde die neutrale Schweiz anbieten, die Mediation zwischen Saudi-Arabien (und seinen Verbündeten) und Katar zu unterstützen. Auch der Schweiz wäre daran gelegen, dass sich der Konflikt bald lösen würde. Denn sowohl Saudi-Arabien als auch Katar sind Mitglied des Golfkooperationsrates GCC, mit dem die Schweiz seit 2014 ein Freihandelsabkommen verbindet.

Saudi-Arabien ist nach den Vereinigten Arabischen Emiraten der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz in der Region. Besonders viel gehandelt werden Edelsteine und -metalle und Bijouterie, in beide Richtungen. Wichtig sind für die Schweiz zudem Exporte im Pharmabereich. Weniger wertvoll, dafür umso kontroverser sind die Lieferungen von Kriegsmaterial durch Schweizer Rüstungsfirmen nach Saudi-Arabien. Mit der aufgeladenen Stimmung am Golf könnten diese nochmals verstärkt in den Fokus geraten.

Den Draht zur Trump-Administration finden

Die USA sind schliesslich das letzte Ziel der Wirtschaftsmission. Nachgeholt wird dort ein Treffen von Bundesrat Schneider-Ammann mit dem US-Handelsminister Wilbur Ross. Im Juni war ein Treffen der beiden kurzfristig geplatzt, als auch für Wilbur der Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen Priorität hatte. Beim Besuch in Washington gehe es darum, mit der neuen Administration gute Beziehungen aufzubauen, umreisst Erik Reumann die Hoffnungen in Bern. Den Weg pfaden soll die Schweizer Berufsbildung.

Noch unter Präsident Barack Obama haben die beiden Länder eine Absichtserklärung zum Thema unterzeichnet. Nun soll trotz dem Machtwechsel diese Politik weitergeführt werden, denn beide Seiten profitierten davon. Zu diesem Zweck trifft sich der Wirtschaftsminister mit Trumps Bildungsministerin Betsy DeVos und Arbeitsminister Alexander Acosta. Das Thema bringt Johann Schneider-Ammann gar in Trump-Reichweite – Ivanka Trump hat im Weissen Haus für Bildungsfragen ein Ohr.

Neuer Exportrekord als mögliches Problem

In der Vergangenheit zog die Schweiz auch wegen ihres Exportüberschusses die Kritik der USA auf sich. Und jüngste Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung giessen zusätzlich Öl ins Feuer: Bis Ende Mai wurden Schweizer Waren im Wert von 13,4 Milliarden Franken in die USA geliefert - ein neuer Rekord.

Im WBF rechnet man aber nicht damit, dass dieses Thema beim Besuch noch gross im Zentrum stehen wird. Eine ganzheitliche Betrachtung der Wirtschaftsbeziehungen zeigt, dass diese in beidseitigem Interesse sind. So haben Schweizer Firmen zum Beispiel über eine halbe Million Jobs in den USA geschaffen.

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