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Persönlichkeiten 
Schalthebel der Macht: Wer wirklich was zu sagen hat

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Donald Trump, Xi Jinping, Janet Yellen und Mario Draghi beherrschen die Schlagzeilen dieser Tage. Doch wie gross ist ihr Einfluss auf die Weltwirtschaft wirklich? Zwei Experten geben Antworten.

Von Marc Iseli
09.03.2016

Donald Trump bringt sich in Position für die Obama-Nachfolge, Xi Jinping justiert den Fünfjahresplan, Janet Yellen schraubt an der US-Zinspolitik und Mario Draghi kämpft für Wachstum in der Eurozone. Zwei Politiker und zwei Notenbanker beherrschen die Schlagzeilen dieser Tage. Aber wie wichtig sind diese vier Personen für die Realwirtschaft und das Geschehen an der Börse? Was ist heisse Luft, wo lauern echte Gefahren?

Bilanz.ch ist diesen Fragen nachgegangen. Die beiden Fondsmanager Wesley Sparks und Richard Rezek haben Stellung genommen. Sie arbeiten beide seit Jahren im New Yorker Büro des britischen Vermögensverwalters Schroders. Das ist ihre Einschätzung:

1. Trump ist das Worst-Case-Szenario für die US-Politik

Donald Trump ist der überraschende Favorit der republikanischen Partei im Rennen ums Weisse Haus, er triumphierte auch in den jüngsten Vorwahlen in Hawaii, Michigan und Mississippi. Trump propagiert Protektionismus und Abschottung, Obamas Freihandelspolitik erteilt der Immobilien-Mogul eine klare Absage: Er ist gegen das Transpazifische Handelsabkommen (TPP) sowie das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) und will das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) abschaffen.

Die Würfel fallen spätestens am republikanischen Parteitag im Juli. Dann wird sich zeigen, ob die Republikaner mit Trump Washington stürmen wollen. «Sollte er es tatsächlich ins Amt schaffen und an seiner isolationistischen Politik festhalten, wird Trump der US-Wirtschaft schaden», ist Sparks überzeugt. Eine Rezession wäre denkbar. «Das würde sich auf die ganze Welt auswirken», ergänzt Rezek, denn die USA sind die grösste Volkswirtschaft der Welt. Die Schweiz würde unter einer US-Rezession ebenfalls leiden.

2. Xi Jinping bestimmt im Währungskrieg

In China wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel: Die Konjunktur schwächelt, Exporte und Importe waren zuletzt stark rückläufig. Durch eine Abwertung des Renminbi könnte Peking seine Produkte auf dem Weltmarkt billiger machen und damit den Aussenhandel beleben, um so über Exporte die fehlende Nachfrage zu generieren.

Das Problem: «Wenn die chinesische Führung eine starke Abwertung ins Auge fasst, wird sie ein weltweites Abwertungsrennen lostreten», so Rezek. Wer sich dem entzieht, hat das Nachsehen. Exporte dürften leiden und billigere Importe einen Teil der inländischen Nachfrage verdrängen. Ökonomen sprechen von einer Beggar-thy-Neighbour-Politik: Auf Kosten das Nachbarn wollen sich Länder Vorteile verschaffen, ein Wettlauf beginnt, bei dem alle Teilnehmer den Kürzeren ziehen. «Eine derartige Politik geht – historisch gesehen – Hand in Hand mit protektionistischen Tendenzen, was wiederum das globale Wachstum schwächt», erklärt Rezek.

3. Janet Yellen scheut die Geschwindigkeit

Die US-Notenbank Federal Reserve hatte im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Zinsen erhöht und vier weitere Zinsschritte für das Jahr 2016 angekündigt. In Januar hielt Fed-Chefin Janet Yellen jedoch still, «was wahrscheinlich auch für März gilt», wie die Schroders-Experten überzeugt sind. Unterm Strich sieht es so aus, als würde die Fed-Chefin frühestens im Sommer den nächsten Zinsschritt wagen.

Das nimmt Druck vom Dollar. Denn höhere US-Zinsen lassen den Greenback steigen. «Das drückt in der Regel aber auf die Rohstoff- und Energiepreise», gibt Sparks zu Bedenken. Und damit wahrscheinlich auch auf die Aktienkurse. Denn zuletzt diktierte laut den Schroders-Experten vor allem die Entwicklung des Ölpreises die Richtung der grössten Indizes weltweit. Eine abrupte Anhebung der US-Zinsen berge deshalb grosse Risiken.

4. Mario Draghi ist auf der Suche nach dem Gegengift

Die Immigrationsdebatte und ein drohender Ausstieg Grossbritanniens aus der Union – ein «Brexit» – schüren die Integrationsmüdigkeit im europäischen Verbund und geben populistischen Parteien Aufwind. Gleichzeitig kämpft die Europäische Zentralbank (EZB) mit Hand und Fuss, um das Wachstum in der angeschlagenen Euro-Zone anzukurbeln. Ein riesiges Anleihekaufprogramm ist schon aufgegleist, die Leitzinsen sind negativ. Trotzdem verpufft die Geldpolitik. «Die Arbeitslosenquote bleibt hoch, das Wachstum bescheiden», fasst Rezek das Dilemma zusammen.

EZB-Chef Mario Draghi ist auf verlorenem Posten. Ob eine weitere Lockerung realpolitisch etwas bewirken kann – «fraglich», sagt Rezek. «Eine Ausweitung des Quantitative Easing könnte jedenfalls den Euro weiter schwächen», so der Experte. Gewissheit gibt es am Donnerstag. Dann stellt die EZB bei ihrem nächsten Treffen die Weichen für die Zukunft der europäischen Geldpolitik.

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