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Geldgespräch 
Rolf Hiltl: «Fleisch und Fisch sind viel zu billig»

Hiltl
Rolf Hiltl schätzt seine finanzielle Unabhängigkeit und Eigenständigkeit.Quelle: Kellenberger Kaminski

Status und Materielles bedeuten dem Vegi-Unternehmer Rolf Hiltl nichts. Geld nutzt er lieber für gastronomische Experimente.

Philipp Albrecht
Von Philipp Albrecht
22.04.2018

Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Als 10-Jähriger beim Bärlauchsuchen am Uetliberg für die «Hiltl»-Küche. Ich war hochmotiviert, mein eigenes Geld zu verdienen. Im Frühling wurde damals im «Hiltl» entsprechend viel mit Bärlauch gekocht.

Was bedeutet Ihnen Geld?
Finanzielle Unabhängigkeit und Eigenständigkeit. Dafür bin ich dankbar. Innovation braucht geniale Ideen und finanzielle Mittel.

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Mögen Sie Bargeld, oder zahlen Sie lieber mit Karte oder Handy?
Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft mit Bargeld bezahlen können. In den sechziger Jahren hat meine Grossmutter Margrith Hiltl den Jubilaren ein Goldvreneli geschenkt. Heute überweisen wir solche Treueprämien elektronisch, was nicht sehr emotional ist. Deshalb habe ich vor einigen Jahren eine ausserordentliche Prämie jedem persönlich und bar ausbezahlt. Da gingen sehr viele Hunderternoten durch meine Hände.

Rolf Hiltl

Rolf Hiltl (52) führt die Zürcher Gastronomiekette Hiltl mit sieben Filialen, einem Club und einer «Metzgerei» in vierter Generation. Hiltl ist Vater von drei Kindern.

Rolf Hiltl

Investieren Sie Ihr Geld, oder geben Sie es gleich wieder aus?
Privat bin ich nicht sehr gut im Geldausgeben. Ich gehe nicht gerne shoppen, und materieller Status und Dinge bedeuten mir wenig.

Wofür geben Sie am meisten aus?
Für Ferien und gutes Essen.

Spenden Sie?
Seit Jahrzehnten spenden wir einen Teil unseres Erfolgs an unterschiedlichste soziale Institutionen. Dabei fokussieren wir uns gemäss Hiltl-Leitbild auf Menschen, Tier und Natur.

Haben Sie eigentlich höhere Margen, weil Sie kein Fleisch und keinen Fisch anbieten?
Weil Fleisch und Fisch heute viel zu billig sind, nicht mehr. Unsere Speisen werden im «Hiltl» von Grund auf frisch zubereitet, das ist aufwendig und entsprechend teuer. Dafür stimmt aber die Qualität.

Was war Ihr grösster Flop?
Wir testen neue Ideen nach dem «Trial and Error»-Prinzip zuerst im Kleinen. Vor neun Jahren haben die Gebrüder Frei und ich unseren Partnerbetrieb «Tibits» nach London expandiert. Aus Übermut eröffneten wir gleich zwei Betriebe. Einen mussten wir kurzfristig wieder schliessen. Dank unserer Learnings konnten wir kürzlich wieder ein zweites Restaurant in South Bank, direkt beim Tate-Museum, eröffnen.