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Verlust 
Putins Politik lässt Russlands Geldadel bluten

Präsident Putin zeigt Muskeln und demonstriert Grossmacht-Politik. Das kommt vor allem dem russischen Geldadel teuer zu stehen - Milliarden wurden verbrannt. Welche Oligarchen am meisten einbüssten.

Von Marc Iseli
Aktualisiert vor 1 Minute

In einer Machtdemonstration hat Russland am Donnerstag vier Kriegsschiffe seiner Pazifikflotte vor die Küste Australiens verlegt. Tags zuvor warnte der dänische UNO-Vizegeneralsekretär Jens Anders Toyberg-Frandzen vor einem dauerhaften Bruch der Waffenruhe in der Ostukraine, nachdem die Meldung kursierte, dass russische Truppen in die Ukraine gezogen seien.

Es ist klar: Putin zeigt Muskeln und demonstriert Grossmacht-Politik. Eben dieses Gebaren schwächt aber die russische Wirtschaft. Die Ukraine-Krise hat eine massive Kapitalflucht ausgelöst. Weil Anleger und Unternehmer nicht mehr in den Rubel, sondern in den Dollar investiert haben, stürzte die russische Währung ab. Der massive Wertverlust des Rubels, der niedrige Ölpreis und die zunehmend drückenden Sanktionen des Westens zerfressen die Leistungskraft.

Viele Milliarden in wenigen Wochen verbrannt

Das führt auch zu einem dramatischen Vermögensschaden. Gemäss den tagesaktuellen Daten von Bloomberg gehören 17 Russen zu den 200 reichsten Menschen der Welt. Lediglich zwei dieser Oligarchen haben im Vergleich zum Vorjahr mehr Geld in der Tasche. Die übrigen 15 machten in den vergangenen zwölf Monaten allesamt Verluste – dieses Minus summiert sich auf fast 36 Milliarden Dollar.

Beeindruckend: Noch Anfang September notierte die Jahresbilanz von fünf russischen Oligarchen im Plus. Die Verluste all jener Milliardäre mit einer roten Bilanz summierte sich auf knapp 26 Milliarden Dollar – seitdem steht also ein zusätzliches Minus von rund 40 Prozent. Seit Anfang September sind zudem zwei russische Oligarchen aus dem Ranking der 200 reichsten Menschen der Welt wegen hoher Verluste herausgefallen.

Vekselberg verliert fast eine halbe Milliarde Dollar

Und: Viktor Vekselbergs Jahresbilanz lag Anfang September noch im Plus. Dies gilt heute nicht mehr: Der Investor verlor in den vergangenen zwölf Monaten fast eine halbe Milliarde Dollar. Damit ist der Renova-Chef, der mit seiner Beteiligungsgesellschaft grosse Aktienpakete an den Industriefirmen Sulzer und OC Oerlikon hält, aber noch gut bedient. Nur drei russische Oligarchen haben es besser erwischt; und Vekselberg bleibt der zweitreichste Russe hinter Usmanow.

Zu den grössten Verlierern gehört Gennadi Timtschenko, der auch auf der US-Sanktionsliste steht. 4,2 Milliarden Dollar hat der Russe, der auch einen finnischen Pass besitzt und im Kanton Genf wohnhaft ist, binnen Jahresfrist eingebüsst. Timtschenko ist einer der Gründer des in der Schweiz domizilierten Rohwarenhändlers Gunvor und war bis vor kurzem noch Miteigentümer.

Grösster Verlierer: Leonid Michelson

Am meisten verlor aber Leonid Michelson, nämlich fünf Milliarden Dollar. Damit hat der Chef und Grossaktionär des zweitgrössten russischen Gaskonzerns Novatek innerhalb eines Jahres knapp ein Drittel seines Vermögens eingebüsst.

Am zweitmeisten büsste Andrei Melnitschenko ein. Nach dem Zerfall der Sowjetunion gründete der heute 42-jährige Wechselstuben und machte später mit seiner daraus entstandenen MDM Bank in der Rubelkrise 1998 sein erstes Vermögen. Die jetzige Krise kostet aber auch ihn knapp ein Drittel seines Vermögens. Mit nunmehr 9,8 Milliarden Dollar bleibt er trotzdem auf Platz 123 der reichsten Menschen auf der Welt.

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