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Golf-Ranking 2011: Platz da!

Wer sind die besten golfenden Manager im Land? Welche Managerinnen haben das tiefste Handicap? Zum achten Mal präsentiert BILANZ das Golf-Ranking der Wirtschaft.

Von Stefan O. Waldvogel
2011-04-11

Keinen Sport kann man so gut mit der Partnerin betreiben wie Golf. Beim Tennis sind die Rollen meist klar verteilt, fast immer spielt die Kraft die entscheidende Rolle. Da haben die Frauen meist wenig Lust darauf, zum Sparringpartner für das Ego ihres Mannes zu werden. Ganz anders im Golf. Hier hilft das Handicap, die unterschiedlichen Spielniveaus auszugleichen, und die Frauen dürfen erst noch näher beim Ziel abschlagen. Auch sonst ist Golf durchaus frauenfreundlich. Oft kommen zwar die Frauen mit ihren Schlägen weniger weit, denn meist spielen sie mit weniger Kraft – dafür umso präziser. Einfach gesagt: Die Männer suchen ihre Bälle im Wald, die Frauen spielen unspektakulär und deshalb erfolgreich.

Trotzdem haben sie es schwer, sich in der Liste der golfspielenden Manager durchzuschlagen. Diese Liste ist allerdings mehr ein Spiegelbild der Wirtschaft und hat nichts mit einem männerdominierten Sport zu tun. Laut dem Schweizerischen Golfverband ist der Frauenanteil in der Schweiz mit gut 37 Prozent seit Jahren relativ konstant. «Frauen spielen aber in der Regel weniger Turniere und sehen Golf oft als Spiel statt als Sport», sagt Daniel Weber, grösster privater Golfplatzbetreiber der Schweiz.

Das gilt nicht unbedingt für die aktuell beste Frau auf der Liste mit einem Handicap von 6.7. «Es braucht eine rechte Portion Ehrgeiz und Disziplin, aber ich versuche, nicht verbissen zu spielen», sagt Nadine Kündig, Mitglied der Geschäftsleitung und VR-Mitglied bei der Zürcher Werbeagentur Marti.Seiler. Sie startete vor 18 Jahren mit Golf und hat weitgehend autodidaktisch und doch sehr schnell gelernt, eine Übungsfanatikerin sei sie aber nie gewesen. «Ich war immer sehr sportlich, und beim Golf ist es mir vergleichsweise leicht gefallen, Neues zu lernen.» Zum Golfen kam sie durch ihre Eltern. Bis vor zwei Jahren spielte sie regelmässig mit und gegen ihre 85-jährige Mutter. Dank dem Handicap hatten immer beide eine Chance.

Selber bezeichnet sich kaum ein Golfer oder eine Golferin als trainingsfleissig. Die Rektorin der Kaufmännischen Berufsfachschule Luzern, Esther Schönberger, ist hier eine Ausnahme. Ihr Vorteil: Sie arbeitet nur wenige Minuten vom Golfplatz Dietschiberg entfernt und nützt, wenn immer möglich, ihre Mittagspause zum Trainieren.

«Das ist pure Erholung für mich, gleichzeitig profitiere ich immer wieder von der Routine der Bewegungsabläufe», sagt die gross gewachsene frühere Schwimmerin, die mit Handicap 11.4 die zweitbeste Frau auf der Liste ist. Derzeit hat Esther Schönberger allerdings deutlich weniger Zeit fürs Training. Am 10. April möchte die CVP-Frau nämlich Luzerner Regierungsrätin werden. Im Mai dürfte es zu einem zweiten Wahlgang kommen, möglicherweise gegen SVP-Vertreter Urs Dickerhof (Golfhandicap 30.2).

Therapie für Manager. Beim Golfen sind die Frauen nicht nur punkto Abschlag im Vorteil. Bei den Turnieren gibt es meist getrennte Kategorien. Weil weniger Frauen regelmässig mitspielen, erhöht dies die Gewinnchancen der Einzelnen.

Die drittbeste Frau, Nicole Schlatter (Handicap 13.5), die letztes Jahr die Rangliste der Frauen anführte, konnte ihr Niveau vergangene Saison nicht mehr ganz halten. Aber sie liegt immer noch klar vor ihrem Mann Marco (Handicap 15.2). Viertbeste Frau ist Adriana Ospel-Bodmer: Sie spielt schon seit längerem keine Turniere mehr. Das Handicap bleibt unverändert bei 15.2, und dies allein ist schon eine Leistung bei zwei Kleinkindern sowie einem eigenen Geschäft. Da hat ihr Mann Marcel Ospel offensichtlich mehr Zeit. Der frühere UBS-Chef spielt nun mehr als zwei Schläge besser und überholte beispielsweise Hans Vögeli, Ex-CEO der Zürcher Kantonalbank.

Zurück zu den Golferinnen: Mit Monika Ribar, CEO von Panalpina, findet sich doch noch eine Chefin eines grossen börsenkotierten Unternehmens auf der Liste. Sie spielt seit Jahren ein konstantes Handicap von 35.6. Angesichts der turbulenten Zeiten, die sie mit der Logistikfirma zuletzt durchmachte, ist dies keine schlechte Leistung.

«Golf ist für Manager eine gute Therapie», gibt Headhunter Bjørn Johansson zu bedenken. Es bringe sie zurück auf den Boden der Realität und fordere auch eine gewisse Demut vor dem kleinen Ball. Schliesslich sei der Golfer ganz auf sich allein gestellt. «Du bist für den Ball verantwortlich und nicht der Ball für dich», sagt Johansson.

Üben, üben, üben. Im Jahr eins nach der Krise dürfte das Golfspielen wieder etwas leichter fallen, allerdings zeigt die Übersicht beim achten BILANZ-Golf-Ranking noch keine klare Verbesserung der Spielniveaus. Offenbar fehlt vielen die Zeit zum Üben. Gut 100 Spieler sind mit einem höheren Handicap in die junge Saison gestartet. Etwas über 80 Golfer verbesserten sich (2009 waren es rund 90).

Den grössten Sprung nach vorne machte der Finanzexperte Pius Zgraggen, CEO der OLZ in Bern. Er verbesserte sein Handicap gleich um 3.5 Punkte. «Allerdings ist mein Handicap von knapp unter 30 immer noch auf bescheidenem Niveau, da sind Fortschritte natürlich grösser», relativiert der gebürtige Urner. Immerhin habe er vergangene Saison versucht, jede zweite Woche zu den Schlägern zu greifen und mehr Turniere zu spielen. Die Sommerferien nutzte er für die Swiss Golf Week mit vier Turnieren in Serie, und das machte sich für ihn bezahlt. «Aber eigentlich müsste ich als ehemaliger Zehnkämpfer doch viel weiter unten stehen mit meinem Handicap», sagt Zgraggen lachend, der sich als Hobbygolfer bezeichnet und im Winter problemlos vier Monate lang aufs Spielen verzichten kann.

Einen sportlich noch grösseren Schritt machte Marco Illy. Der Investmentbank-Chef Schweiz der Credit Suisse verbesserte sein Handicap um mehr als drei Schläge auf 16.3. Illy spielt unter anderem alle grossen «Pro-Ams». An diesen Turnieren bilden Amateure zusammen mit Golfprofis ein Team. «Da lerne ich extrem viel», sagt Illy. Die Credit Suisse ist seit vielen Jahren Hauptsponsor des Golfverbands. Die Grossbank steckt ausserdem viel Geld in Turniere wie das ZurichOpen, das ebenfalls als Pro-Am ausgetragen wird und jedes Jahr die Schweizer Wirtschaftsprominenz anzieht. Aber das Schielen auf die Profis nützt nur, wenn man auch selber trainiert. Er übe fast jedes Wochenende auf der Driving Range, erläutert Illy seinen grossen Fortschritt der letzten Saison. Dank zwei sehr gut gelungenen Turnieren machte er auf der BILANZ-Rangliste einen weiten Sprung nach vorn.

Ganz an der Spitze der Liste steht schon seit längerem Illys Kollege Thomas Gottstein. Der CS-Direktor galt früher als einer der besten Golfjunioren Europas und spielt auch als 47-Jähriger noch fast auf Profi-Niveau. Gottstein ist der einzige golfende Manager mit einem Plus vor seiner Handicapzahl. Das heisst übersetzt, er spielt so gut, dass ihm Schläge dazugerechnet werden, die er gar nicht machte. Bei allen anderen wird das Handicap von den tatsächlich gemachten Schlägen abgezogen (siehe Kasten auf Seite 72). Dabei hat sich Gottstein auf hohem Niveau nochmals verbessert, er schaffte es von –0,1 auf +0,2. Davon können die allermeisten Amateure nur träumen. «Golf ist wie Schwimmen», sagt er, «wenn man es als Kind einmal gelernt hat, verlernt man es niemals mehr.»

Je älter, desto kürzer. Auch die anderen Golfer an der Spitze haben schon früh mit dem schwierigen Sport begonnen und halten bzw. steigern ihr Niveau permanent. Alois Egger spielt nun mit einem Handicap von unter 2. Einen vergleichsweise grösseren Schritt schaffte Benedikt Goldkamp. Der CEO von Phoenix Mecano bleibt der beste Golfer unter den Chefs börsenkotierter Firmen. Der ehemalige deutsche Juniorennationalspieler gewann unter anderem die prestigeträchtige Zürcher Amateurmeisterschaft, und dies gegen zumeist deutlich jüngere Konkurrenz. Er sei wohl etwas weniger ehrgeizig und spiele deshalb besser, sagt der 42-Jährige. So startet Goldkamp in diese Saison mit Handicap 2.2, mit einem ganzen Schlag weniger als noch ein Jahr zuvor. Für Nichtgolfer scheint das ein Klacks. Doch wer selber einmal versucht hat, sein Handicap zu verbessern, kann verstehen, wie schnell sich die schlechten Schläge summieren. Zudem gilt auch für den sportlichen Goldkamp: «Je älter man wird, desto kürzer werden die Schläge. Aber dafür finde ich mehr meiner Bälle», fügt er an.

So konnte Benedikt Goldkamp dieses Jahr seinen dritten Platz noch knapp verteidigen. Mit Benoît Dumont ist ihm ein weiterer Routinier dicht auf den Fersen. Der gebürtige Belgier ist neu auf der Liste, obwohl er schon länger in der Schweiz spielt und auch schon mit der belgischen Seniorennationalmannschaft antrat. Der VR-Präsident von J.P. Morgan Suisse spielt mit 59 Jahren immer noch mit Handicap 2.4.

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