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Petra Gössi: Das ist die neue FDP-Präsidentin

Petra Gössi: Die neue FDP-Präsidentin befürwortet die Bilateralen klar.  Keystone

Die Nationalrätin Petra Gössi ist neue FDP-Präsidentin. Zwar politisiert die Schwyzerin im rechten Parteiflügel und vertritt traditionelle Werte – bei der EU-Frage aber hört die Nähe zur SVP auf.

Veröffentlicht 18.04.2016

Mit Petra Gössi übernimmt eine gradlinige, aber wenig bekannte Nationalrätin das FDP-Präsidium. Vom politischen Profil her unterscheidet sie sich kaum von Vorgänger Philipp Müller. Auch an der Spitze der drittstärksten Partei will sie nicht zur Berufspolitikerin mutieren.

Ihren Job als Juristin beim Zürcher Vermögensverwaltungs- und Beratungsunternehmen Baryon will die Schwyzerin auf jeden Fall behalten, wie die Vierzigjährige in mehreren Interviews betonte. Berufspolitikerin zu werden, schliesst die Nationalrätin aus. Sie will die Bodenhaftung nicht verlieren und weiter am Wirtschaftsleben teilhaben und den Puls der Bevölkerung spüren.

Finanzpolitikerin mit Hang zum Gewerbe

Gössi, die seit 2011 im Nationalrat sitzt, politisiert im rechten Flügel der FDP. Einen Namen machte sie sich bisher vor allem als Finanzpolitikerin und Interessenvertreterin der Geberkantone beim Nationalen Finanzausgleich (NFA). Im Sommer 2014 provozierte sie mit der Forderung, Schwyz solle die NFA-Beiträge auf ein Sperrkonto einzahlen.

Als Vorstandsmitglied des Schweizerischen Gewerbe- und des Hauseigentümerverbands steht die Wirtschaftsliberale dem Gewerbe nah. Die Schwyzerin stammt aus einem KMU-Kanton mit ausgesprochener antietatistischer Haltung.

Stimme für die Zentralschweiz

Gössi war von 2004 bis 2011 Mitglied des Schwyzer Kantonsparlaments, die letzten drei Jahre präsidierte sie die FDP-Fraktion. Seit 2012 ist sie Präsidentin der FDP-Kantonalpartei in Schwyz. Dieses Amt gibt sie kommende Woche ab.

Mit Gössi hat auch die Zentralschweiz wieder eine Fürsprecherin. Die Region stellt derzeit auf nationaler Ebenen weder einen Bundesrat noch einen Fraktions- oder Parteichef. Neben Gössi darf sich die Zentralschweiz aber mit dem Zuger Gerhard Pfister als baldiger CVP-Präsident auf einen zweiten Vertreter in einem nationalen Spitzenamt freuen.

Traditionell in gesellschaftlichen Fragen

Ihre Herkunft in der katholischen Innerschweiz prägten Gössi auch bei der Haltung in gesellschaftlichen Fragen. Traditionen und Brauchtum findet sie entsprechend wichtig. So lehnt sie beispielsweise die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare ab. Auch eine Cannabis-Legalisierung lehnt sie ab.

Mit der SVP hatte Gössi nie Berührungsängste, weder bei kantonalen Wahlen mit gemeinsamen Listen noch in der nationalen Politik. So fiel die Juristin etwa mit klarer Kritik am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte auf.

EU – für die Bilateralen, gegen den Beitritt

Gleichzeitig fällt es ihr auch nicht schwer, sich abzugrenzen. So ist sie eine klare Befürworterin der bilateralen Verträge mit der EU. Diese sieht sie als Voraussetzung für das Erfolgsmodell Schweiz. Einen Beitritt zur Union lehnt aber auch sie ab.

Als Präsidentin der FDP Schweiz würde sie die Partei ähnlich positionieren, wie der abtretende Parteichef Philipp Müller dies tat. Die FDP werde mit ihr nicht weiter nach rechts rutschen, sagte Gössi in einem Interview.

Verlässliche Schafferin

Da Gössi als Nationalrätin keine landesweite Bekanntheit erlangt hatte, kam ihre Ankündigung für eine Kandidatur um das FDP-Präsidium eher als überraschend. Doch passt Gössi ins Bild für das Parteipräsidium. Sie gilt als konziliante und verlässliche Schafferin mit klaren Voten.

Wortkarg gibt sich die Nationalrätin nur, wenn es um ihr Privatleben geht. «Privat ist privat», sagt sie. Auf Aussenstehende wirkt sie bisweilen unnahbar.

Bekannt ist, dass Gössi als Einzelkind in Küssnacht am Rigi SZ aufgewachsen ist. Dort wohnt sie noch immer. Sie ist ledig und lebt in einer Partnerschaft. In ihrer Freizeit zieht es sie in die Natur und in die Berge.

(sda/jfr)

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