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Oligarch und Putin-Gegner Beresowski tot aufgefunden

Boris Beresowski: Er starb offenbar in seinem Haus in England. (Bild: Keystone)

Der russische Oligarch Boris Beresowski ist tot. Der erbitterte Gegner von Präsident Putin hatte auch in der Schweiz einmal für Aufsehen gesorgt. Ein Familienmitglied spekuliert nun über Selbstmord.

Veröffentlicht 23.03.2013

Der russische Oligarch Boris Beresowski ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Das teilten Familienangehörige russischen Staatsmedien zufolge mit. Der in London lebende Multimilliardär galt als erbitterter Gegner von Kremlchef Wladimir Putin.

Die Todesursache war nicht bekannt. Beresowski sei am Samstag in seinem Haus in Surrey im Süden Englands gestorben, sagte sein Sprecher Tim Bell. Er habe diese Information am Nachmittag von Beresowskis Anwalt erhalten.

Ein Familienmitglied sprach russischen Medienberichten zufolge von einem möglichen Selbstmord. Medien hatten zuletzt über schwere finanzielle Probleme Beresowskis geschrieben. Unter anderem soll er mehrere Werke aus seiner grossen Kunstsammlung zum Verkauf angeboten haben.

Beresowski befand sich seit Putins Machtantritt im Exil in Grossbritannien. Dorthin war er im Jahr 2000 ausgewandert. Drei Jahre später gewährten ihm die britischen Behörden politisches Asyl.

Unter Putin in Ungnade gefallen

Beresowski hatte von seinem Exil aus die russische Opposition massiv finanziell unterstützt, was den russischen Behörden missfiel. Sie warfen ihm im vergangenen Jahr Anstiftung zu «massiven Störungen» vor, nachdem Beresowski im April dazu aufgerufen hatte, die Rückkehr Putins in den Kreml zu verhindern.

Russland legte Beresowski auch zahlreiche Wirtschaftsverbrechen zur Last und forderte von Grossbritannien seit Jahren die Auslieferung. Die Regierung in London hatte das allerdings abgelehnt. Auch wegen Beresowski waren die britisch-russischen Beziehungen massiv gestört.

Beresowski war in den 1990er Jahren während der Privatisierungen unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin zu seinem Vermögen gekommen und galt unter Jelzin als graue Eminenz des Kreml, fiel aber nach dem Amtsantritt Putins in Ungnade.

Millionebetrug mit Verbindung in die Schweiz

Auch in der Schweiz hatte Beresowski einmal für Aufsehen gesorgt: Nach Feststellungen der russischen Justiz waren drei frühere Manager der Fluggesellschaft Aeroflot, Beresowski sowie ein Berner Anwalt in einen Millionenbetrug verwickelt.

Der Anwalt wurde 2008 vom Bundesstrafgericht wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten verurteilt. Laut Anklage hatet der Berner als Berater Beresowskis in den 1990er-Jahren in der Schweiz ein Firmenkonstrukt namens Andava aufgebaut, welches die Schädigung der Aeroflot zum Ziel hatte.

In Frankreich war gegen Beresowski wegen mutmasslicher Geldwäscherei ermittelt worden. Die Vorwürfe in Südfrankreich bezogen sich auf die Zeit zwischen 1997 und 2001, als Beresowski sich über Tarnfirmen am Cap d'Antibes bei Cannes zwei Anwesen für jeweils umgerechnet mehr als 10 Millionen Euro gekauft haben soll. Laut den Ermittlern soll das Geld für die Transaktionen zweifelhafter Herkunft gewesen sein.

(tno/sda)

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