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Nachfolge 
Zögerliche Chefsuche bei Julius Bär

Notkandidat: Der von Daniel Sauter (r.) nach dem abrupten Abgang Boris Collardis eingesetzte CEO Bernhard Hodler (l.) gilt als Übergangslösung.Quelle: ZVG

Mit der Suche nach einem neuen Chef lässt sich der Verwaltungsrat Zeit – Topkandidaten wurden bisher nicht kontaktiert.

Erik Nolmans
Von Erik Nolmans
22.12.2017, Aktualisiert am 26.12.2017
Daniel Sauter erfuhr es erst ganz zuletzt. Vier Wochen nachdem die Pictet-Teilhaber dem Bär-CEO Boris Collardi das Angebot unterbreitet hatten, neuer Partner zu werden, liess jener die Katze aus dem Sack und liess seinen Präsidenten wissen: Er wechsle zur Genfer Bank.
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An jenem Freitag, 24. November, abends wurde Sauter auf dem falschen Fuss erwischt: Er musste Hals über Kopf einen neuen CEO aus dem Hut zaubern. Bernhard Hodler (57), bisher Collardis Vize, wurde am Montag darauf präsentiert. Eine Notlösung, wie ein mit den Umständen des Wechsels Vertrauter urteilt.
 
Wer nun gedacht hat, Sauter werde den schlechten Start mit einer umso rasanteren Suche nach einem neuen CEO wettmachen, sieht sich eines Besseren belehrt – Dynamik bei der Chefsuche ist wenig auszumachen.

Top-Kandidaten wurden nicht kontaktiert

Dies, obwohl schon bald Namen von geeigneten Anwärtern in der Branche kursierten. Etwa jener von Walter Berchtold, dem langjährigen Private-Banking-Chef der Credit Suisse, der nach einem kurzen Zwischenspiel als CEO der Privatbank Falcon heute wieder frei ist.
Walter Berchtold: Der Ex-CS-Topbanker hat beste Kontakte zu Bär – doch auch er wurde nicht angefragt.
Quelle: ZVG
Sauter kennt Berchtold gut, nicht zuletzt über die Gesellschaft Alpine Select, wo Bär-Ehrenpräsident Raymond Bär als Chairman waltet und wo Berchtold vor seinem Wechsel zu Falcon im Verwaltungsrat sass. Sauter wiederum hatte sich einst über eine zusammen mit Bär-Kadermann Michel Vukotic gehaltene Gesellschaft an Alpine Select beteiligt – die Wege wären also kurz. Angefragt wurde Berchtold bisher aber nicht, wie ein Insider bestätigt. Dabei wäre der Ex-Credit-Suisse-Banker bereit, sich die Sache zumindest einmal anzuhören, wie es aus seinem Umfeld heisst.
 
Auch ein anderer als heisser Kandidat gehandelter Topbanker, Jürg Zeltner, der die UBS am 14. Dezember überraschend verlassen hat, scheint den Bär-Präsidenten kaltzulassen.
Jürg Zeltner: Der UBS-Mann wurde plötzlich frei – ein Anruf von Bär direkt nach seinem Abgang blieb aus.
Quelle: UBS
Der Chef des UBS-Wealth-Managements, seit 2009 in der Konzernleitung, wurde während seiner Amtszeit nie von Bär kontaktiert, und solches fand auch unmittelbar nach seinem Abgang nicht statt, wie BILANZ-Recherchen ergaben. Dabei kennt Zeltner nicht nur das Private Banking aus dem Effeff, sondern ist auch ausgezeichnet vernetzt in Asien, dem zweiten Heimmarkt der Bank Bär.
 
Intern schlummert ebenfalls einiges an Potenzial. So gilt etwa Europachef Yves Robert-Charrue als CEO-Anwärter. Mit 44 Jahren wäre er auch jung genug, um bei Bär als langfristige Lösung zu dienen.
Yves Robert-Charrue: Interne Kandidaten müssen sich auf ein langes Assessmentverfahren einstellen.
Quelle: ZVG

Keinerlei Dringlichkeit

2009, als Collardi CEO wurde, hatte der VR ein mehrstufiges Assessmentverfahren eingeleitet, bei dem externe wie interne Kandidaten angeschaut wurden. Zur Frage, ob derlei auch jetzt stattfinde, wollte die Bank keine Stellung nehmen und verwies lediglich auf die Pressemitteilung, wonach der Verwaltungsrat «einen Evaluationsprozess für die langfristige Führung der Gruppe» einleiten werde.
 
Julius-Bär-nahe Stimmen lassen wissen, dass keine Dringlichkeit bestehe. Hodler geniesse intern viel Support. Es sei gut vorstellbar, dass er seine Rolle über lange Zeit ausfülle. Wie heisst es so schön im Sprichwort? Il n’y a que le provisoire qui dure.
 
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Quelle: Bilanz