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Portrait 
Mitgründer Steve Wozniak: Apples genialer Tüftler

Hatte nie den Erfolgsdrang und die Ruppigkeit von Steve Jobs: Steve Wozniak.  Keystone

Wenngleich Steve Jobs das Gesicht von Apple war, so hätte es den Konzern ohne Steve Wozniak nicht gegeben. Sein Werk erst legte den Grundstein für den heutigen Milliarden-Konzern. Nun wird er 65.

Veröffentlicht 05.08.2015

Steve Wozniak (Woz) hat mit Apple die PC-Revolution angeführt. Das Gesicht des Unternehmens wurde zwar sein langjähriger Freund Steve Jobs - doch ohne Wozniaks Erfindungen wäre Apples Welterfolg nicht möglich gewesen.

Die ersten Apple-Computer waren das Werk von Woz, sie schoben Mitte der 1970er Jahre die PC-Revolution mit an und legten den Grundstein für den heutigen Milliarden-Konzern Apple.

Von ihm stammte die Idee, die Bauteile auf einer Hauptplatine zu vereinen, die Anordnung der Schaltkreise bis hin zur Software, die das System zum Laufen brachte. Schon damit sicherte sich Wozniak, der am 11. August 65 Jahre alt wird, einen Platz in der Computergeschichte.

Dylan-Fan

Mit seinem Jugendfreund und Apple-Mitgründer Steve Jobs verbanden Wozniak das Interesse an Elektronik sowie die Liebe zu Scherzen und Musik. «Woz war der erste Mensch, den ich traf, der mehr über Elektronik wusste als ich», sagte Jobs einmal.

Der fünf Jahre ältere Wozniak brachte ihm auch die Songs von Bob Dylan nahe, gemeinsam jagten sie Live-Mitschnitten seiner Auftritte nach. Und sie verabschiedeten eine Abschlussklasse an ihrer Highschool mit einem riesigen Stinkefinger-Transparent, das sich plötzlich von einem Balkon entrollte. Dieser Streich habe ihre Freundschaft besiegelt, erzählte Jobs später seinem Biografen Walter Isaacson.

Überredet von Steve Jobs

Wozniak wuchs mit elektronischen Bauteilen als liebstes Spielzeug auf, sein Vater war Ingenieur bei der Luftfahrt- und Rüstungsfirma Lockheed. Auch als Teenager lötete Woz gerne an Schaltkreisen herum. «Ich wollte immer nur Ingenieur sein», sagte er.

Das Design seines Personal Computers, aus dem später der Apple I wurde, wollte er ursprünglich für andere Computer-Bastler offenlegen. Jobs musste ihn überreden, daraus eine Firma aufzubauen und fertige Geräte zu verkaufen.

Woz der Tüftler

Jobs der Geschäftsmann, Woz der Tüftler - diese Rollenteilung bei Apple probierte das Duo früh bei einem Experiment mit einer sogenannten «Blue Box» aus. Mit diesem Gerät tricksten sie die Systeme des damaligen Telefon-Monopolisten AT&T aus und ermöglichten kostenlose Ferngespräche.

Woz las in einem Magazin-Artikel, dass alle Steuerfrequenzen für das Netz von AT&T in einem öffentlich zugänglichen Handbuch aufgeführt waren. Während der Telekom-Riese sich daran machte, die Exemplare schleunigst aus den Bibliotheken zu entfernen, schlichen sich die Freunde an einem Sonntag in eine geschlossene Bücherei und sicherten sich die Informationen. Wozniak war der erste, dem es gelang, eine digitale «Blue Box» zu bauen.

Erst nutzten sie das Gerät nur zum Spass. Einmal riefen sie aus einer Telefonzelle den Vatikan an, Wozniak gab sich als US-Aussenminister Henry Kissinger aus und verlangte, dringend den Papst zu sprechen. Zum Kirchenoberhaupt wurden sie nicht durchgestellt - doch die Box funktionierte und Jobs hatte die Idee, damit Geld zu verdienen. Die Teile kosteten rund 40 Dollar, Jobs setzte den Preis bei 150 Dollar an. Sie machten rund 100 Stück und wurden das meiste davon los.

Naive Seele

Die Computer, die Wozniak entwarf, waren Apples erster grosser Erfolg. Während die Firma schnell grösser und erfolgreicher wurde, kam aber auch immer deutlicher zu Tage, wie unterschiedlich die beiden Freunde am Ende waren.

Woz war im Herzen immer ein Bastler, ein Nerd, eine recht naive Seele, ohne den Erfolgsdrang und die Ruppigkeit von Jobs. Als dieser mehrere frühe Apple-Mitarbeiter beim Börsengang aussen vor liess, schenkte Wozniak ihnen Aktien aus seinem eigenen Anteil. Zugleich war die Garagen-Zeit von Apple vorbei und ein Grossteil der Entwicklung lief ohne Wozniak.

Schwerer Unfall

Im Februar 1981 verunglückte Hobby-Pilot Wozniak beim Start eines Kleinflugzeugs. Auch seine Verlobte war an Bord. Er wurde am Kopf verletzt und litt wochenlang unter Gedächtnisstörungen.

Nach diesem Erlebnis nahm sich Woz eine Auszeit von Apple, organisierte zwei Festivals mit Musik und Technologie. 1983 kehrte er noch einmal zurück - nur um sich 1985 endgültig zu verabschieden.

Privatier

Seitdem jettet Wozniak als Legende aus den Anfangszeiten der PC-Branche durch wie Welt für Auftritte, wie zum Beispiel 2014 auf der Computermesse CeBIT in Hannover. Er spendete viel, tanzte eher ungelenk durch die TV-Show «Dancing with the Stars» im US-Fernsehen und tauchte als er selbst in der Serie «Big Bang Theory» auf.

Ins aktive Tech-Geschäft kehrte Wozniak noch einmal 2009 als Chef-Wissenschaftler der Speicherfirma Fusion-io zurück, die im vergangenen Jahr vom Konkurrenten SanDisk übernommen wurde. Sein Erstlingswerk schwingt sich währenddessen auch nach dem Tod des langjährigen Firmenchefs Jobs weiter von Erfolg zu Erfolg: Apple ist das wertvollste Unternehmen der Welt.

(sda/ccr)

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