Ist er nur ein guter Schauspieler? Oder ist er tatsächlich überzeugt, bald zum Unternehmer zu werden – einmal mehr? Seit bekannt ist, dass die Migros den Traditions­laden Globus abstossen will, verströmt Globus-Chef Thomas Herbert auf allen Kanälen Zuversicht. Gewiss, als CEO ist er ein Berufsoptimist. Doch jüngst sorgte er mit einem Coup für Verwunderung: Der langjährige Jelmoli-Chef Franco Savastano wechselt die Strassenseite und heuert bei Globus an. Eine Hierarchiestufe unter Herbert. Und das just in dem Moment, da die Zukunft der Warenhauskette unsicherer nicht sein könnte.

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Ist hinter den Kulissen bereits ein Deal gezimmert worden? Kaum hatte Migros Ende Juni den Verkauf kommuniziert, ­signalisierte Herbert als Erster sein Kauf­interesse. Die Idee eines Management Buy-out – sie stösst in der Migros-Konzernleitung auf Wohlwollen, wie von einer Quelle zu vernehmen ist. Es sei noch nichts ­entschieden, sagt Herbert am Telefon. «Wir haben sicher gute Chancen. Wofür sich die Migros entscheiden wird, ist allerdings schwierig vorauszusehen.» Das ­gesamte Globus-Management trage die Idee aber mit und wolle sich beteiligen.

Das Ende der Gemütlichkeit

Fertig Gemischtwarenhandel, fertig Laisser-faire. Die neuen Migros-Chefs räumen radikal auf – und brechen mit dem Erbe ihrer Vorgänger. Den Artikel von BILANZ-Redaktoren Bastian Heiniger und Florence Vuichard wie Fabrice Zumbrunnen aufräumt, lesen Sie hier.

Perfekte Match

Dass Globus bei der Migros zur Diskussion steht, weiss Herbert seit diesem Jahr. Den Entscheid erfuhr er aber auch erst Ende Juni. Bei Savastano, den er seit 20 Jahren kennt, hat Herbert schon vor vier Monaten angeklopft. An Bord geholt hat er mit dem Jelmoli-Mann einen pro­funden Kenner der Luxusbranche, einen mit guten Kontakten zu den Marken. Der perfekte Match also für den geplanten ­Aufputz von Premium zu mehr Upperclass.

Dem Vernehmen nach ist allerdings der Druck auf Savastano zuletzt gestiegen. Denn allzu rosig dürfte es ums Geschäft von Jelmoli ebenfalls nicht stehen. Und wie lange Besitzerin Swiss Prime Site noch am Warenhaus festhält, ist auch unsicher. Für Manor, die ihren Flagship Store an der Bahnhofstrasse früher oder später aufgeben muss, dürfte Jelmoli interessant sein.

Franco Savastano

 Franco Savastano: Als langjähriger Jelmoli-Chef hat er Zugang zu teuren Brands.

Quelle: Pressebild

«Bei Schild ging es auch»

Entscheidend ist für Herbert nun, ob die Mi­gros Globus mitsamt den fünf ­Immo­­bilien in Zürich, Basel, Bern, St. Gallen und im Glattzentrum verkaufen wird. Behält sie die Gebäude als Renditeobjekte, dürfte die momentan defizitäre Marke ­Globus nicht allzu teuer sein. Werden die Immobilien hingegen mitverkauft, ist die Schätzung schwieriger.

Als die Migros 1997 Globus der Familie Bitterli abnahm, legte der orange Riese inklusive Interio, Office World und ABM 700 Millionen Franken auf den Tisch. Ein möglicher Käufer muss ­gewillt sein, in IT, Logistik und das Onlinegeschäft zu investieren. Der Gesamtpreis dürfte daher kaum tiefer ausfallen.

ARCHIV – ZUR SDA-MELDUNG UEBER DIE ZUSAMMENFUEHRUNG DER MODEKETTEN GLOBUS, HERREN GLOBUS UND SCHILD UNTER DIE DACHMARKE GLOBUS DURCH DEN MIGROS GENOSSENSCHAFTSBUND STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Der Globus am Loewenplatz, aufgenommen am Dienstag, 10. April 2012 in Zuerich. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Globus: Herzstück der Warenhauskette ist die Filiale an Toplage in Zürich.

Quelle: Keystone

Herbert kann mit beiden Optionen leben, entsprechende Strategien sind schon geschmiedet. Um jedoch Globus auf Erfolgskurs zurückzubringen – und das ist keine einfache Mission –, braucht er zwingend die Gebäude; da sind sich die Branchenkenner einig. Nur so kann er die ­Läden nach Belieben umbauen und sie laufend dem sich verändernden Kundenverhalten anpassen. Die Betreiber von Luxuskaufhäusern wie Harrods, Printemps, Selfridges oder KaDeWe besitzen alle ihre Immobilien. Das ist auch Herbert bewusst.

Um neue Marken im höheren Preis­segment zu gewinnen, muss er ihnen einiges bieten können. Viele Brands haben höchste Ansprüche, in welchem Umfeld und Ambiente sie präsentiert werden. Herbert braucht also Investitionspower: «Ich bin optimistisch, dass wir Geldgeber finden», sagt er. «Bei Schild hat es damals auch geklappt.» 2003 beteiligte er sich mit einem Partner an dem Modeunter­nehmen, machte es wieder attraktiv und verkaufte es zehn Jahre später an Globus.

Schwierige Provinzfilialen

Nun hat Herbert die Karten in der Hand. Er ist Herr über die aktuellen Globus-Daten. Auf diese sind mögliche internationale Interessenten angewiesen. Um ein Angebot prüfen zu können, müssen sie erst wissen, wie rentabel die einzelnen 49 Standorte überhaupt sind. Während grosse Häuser in Zürich, Basel, Bern und Genf womöglich rentieren, ist die Beurteilung der Provinzfilialen schwieriger. Unterlagen dazu hat die Migros bisher dem Vernehmen nach noch keine bereitgestellt. Ohnehin fragt man sich in der Branche, weshalb ­Migros die Globus-Unterlagen nicht vor Bekanntgabe des Verkaufs vor­bereitete, eine Bank für die Transaktion definierte und mit möglichen Interessenten Kontakt aufnahm.

Offiziell sagte Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen, dass er das nicht wollte, weil sich ein solcher Vorgang nicht hätte geheim halten lassen. Das Verkaufsgerücht wäre an die Öffentlichkeit und Mitarbeiter durchgesickert. Und das wollte Zumbrunnen verhindern. Doch ist die jetzige ungewisse Situation besser für die Mitarbeiter?

«Der Verkaufsprozess für Globus ist wie geplant im Gang», heisst es. Er werde wie angekündigt längere Zeit in Anspruch nehmen. Ein Entscheid dürfte erst nächstes Jahr fallen. Wie viele mögliche Käufer sich bisher gemeldet haben, behält die Migros für sich. Auch ob der Konzern eine Schweizer Lösung bevorzugt, ist von offizieller Stelle nicht zu erfahren: «Die Präferenz liegt bei einem Investor, der in die Unternehmen investiert, diese weiterentwickelt und in einem anspruchsvollen Markt­umfeld weiterhin erfolgreich betreibt.»

Turnaround angepeilt

Es sind Kriterien, die Herbert erfüllen dürfte. Dass es bis zur Entscheidung noch so lange dauert, beunruhigt ihn nicht im Geringsten. Ohnehin stehe bald das wichtige Weihnachtsgeschäft ins Haus, und ­darauf wolle man sich erst voll und ganz konzentrieren.

Mehr Luxus im Globus

Die Lebensmittelabteilung als Vorbild, will CEO Thomas Herbert den Marktauftritt vereinheitlichen. Neue Luxusmarken ziehen ein. Mehr dazu lesen Sie hier.

Ob Globus dank mehr Luxus der Turn­around gelingt, ist alles andere als garantiert. Laut Detailhandelsexperte Nordal Cavadini ist das jedoch die einzige Chance: «Ginge es in die andere Richtung, könnte man vermutlich schliessen.» Für billige Standardware sei E-Commerce bequemer. Andererseits sieht er die Gefahr, dass Kunden den Schritt ins höhere Preissegment nicht mitgehen. «Wenn aussen noch ­immer Globus draufsteht und die Waren nun exklusiver und teurer sind, heisst es noch lange nicht, dass die Kundschaft das kaufen wird.»

Diese Frage dürften sich potenzielle Käufer ebenfalls stellen. Auch deshalb ist es wohl so ruhig um andere Bewerber.

Dieser Artikel erschien in der September-Ausgabe 09/2019 der BILANZ.