Seit 13 Jahren ist Angela Merkel Kanzlerin, seit mehr als 18 Jahren CDU-Vorsitzende. Beim CDU-Parteitag Anfang Dezember in Hamburg will die 64-Jährige nicht mehr erneut als Parteichefin antrete. Es mehrere mögliche Nachfolgekandidaten. Sie dürften unterschiedliche Chancen haben.

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Friedrich Merz

Merz hat sich am Montag unmittelbar nach Bekanntwerden des Verzichts Merkels auf den Parteivorsitz als Kandidat ins Spiel gebracht. Das hat einen gewissen Hintergrund. Merkel - damals Parteivorsitzende - hatte Merz 2002 von der Spitze der CDU/CSU-Fraktion verdrängt. Das hat bei Merz offensichtlich tiefe Spuren hinterlassen. Merz, Finanzexperte und "Wertekonservativer", hatte damals eine Debatte über eine deutsche Leitkultur angeschoben. Dem 62-Jährigen wie auch anderen Vertretern des konservativen Parteiflügels dürfte die unterstellte "Sozialdemokratisierung" der CDU unter Merkel aufgestossen sein. Merz zog sich nach der Niederlage gegen Merkel aus dem Bundestag zurück.

(GERMANY OUT) Friedrich Merz (Vorsitzender des deutsch-amerikanischen Netzwerks Atlantik-Brücke) in der ZDF-Talkshow "maybrit illner" am 08.05.2014 in Berlin  Thema der Sendung: Putin-Versteher oder Amerika-Freund - Muss Deutschland sich entscheiden?  (Photo by Müller-Stauffenberg/ullstein bild via Getty Images)

Finanzexperte und «Wertekonservativer»: Friedrich Merz.

Quelle: Müller-Stauffenberg/ullstein bild via Getty Images

Annegret Kramp-Karrenbauer

Der 56-jährigen CDU-Generalsekretärin geben viele in der Partei die besten Chancen, Merkel zumindest als Parteichefin zu beerben. Die frühere saarländische Ministerpräsidentin gilt auch als Favoritin Merkels. Am Montag wurde bekannt, dass «AKK» als CDU-Vorsitzende kandidieren will. Die Saarländerin hatte Merkel beeindruckt, als sie im Frühjahr 2017 aus fast aussichtsloser Position die Landtagswahl an der Saar mit einem deutlichen Plus doch noch gewinnen konnte.

Die verheiratete Mutter von drei erwachsenen Kindern hat sich in den vergangenen Monaten bei einer sogenannten Zuhör-Tour viel Sympathie an der Parteibasis erworben. Zugleich grenzte sie sich mit mehreren Äusserungen auch von Merkel ab - beispielsweise als sie Anfang Oktober davon sprach, dass die Partei wieder mehr Feuer brauche, wenn sie auch jüngere Menschen ansprechen wolle.

BERLIN, GERMANY - SEPTEMBER 27: CDU Secretary General Annegret Kramp-Karrenbauer during an interview on September 27, 2018 in Berlin, Germany. (Photo by Thomas Koehler/Photothek via Getty Images)

Annegret Kramp-Karrenbauer alias «AKK».

Quelle: 2018 Photothek

Jens Spahn

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hat am Montag seine Kandidatur als Nachfolger von CDU-Chefin Merkel angekündigt. Der ehrgeizige Gesundheitsminister aus dem westfälischen Ahaus hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder als konservativer Kritiker der Kanzlerin und CDU-Chefin profiliert. Doch in der Partei heisst es, sollte er Merkel beim Wahlparteitag Anfang Dezember in einer Kampfkandidatur herausfordern, werde er kaum Chancen haben. Ihm wird parteiintern angekreidet, dass er mit Äusserungen etwa in der Flüchtlingspolitik zu stark polarisiert habe. Wer als Kandidat die Mehrheit eines Parteitages auf sich vereinen wolle, müsse alle Flügel integrieren.

Nachdem Merkel an Spahn bei der Bildung ihres vierten Kabinetts nicht mehr herumgekommen war, konzentriere sich der 38-Jährige vor allem auf die Sachpolitik - auch von seinen Kritikern wird seine inhaltliche Kompetenz anerkannt.

BERLIN, GERMANY - SEPTEMBER 26:  Health Minister Jens Spahn (CDU) arrives for the weekly German federal Cabinet meeting on September 26, 2018 in Berlin, Germany. High on the meeting's agenda was discussion of improving patient health care services.  (Photo by Adam Berry/Getty Images)

Ehrgeiziger Gesundheitsminister: Jens Spahn.

Quelle: 2018 Getty Images

Armin Laschet

Als Vorsitzender des stärksten CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen könnte der Ministerpräsident schon qua Amt einen Anspruch auf den Vorsitz der Bundespartei anmelden - wenn er denn wollte. Der 57-Jährige Aachener gilt bisher als loyaler Stellvertreter Merkels in der Bundes-CDU.

BERLIN, GERMANY - JULY 02:  Armin Laschet, memberof the German Chistian Democrats (CDU) and Governor of North Rhine-Westphalia, arrives at CDU party headquarters prior to a meeting between German Chancellor and leader of the CDU Angela Merkel and German Interior Minister and leader of the Bavarian sister party of the CDU, the CSU, Horst Seehofer, on July 2, 2018 in Berlin, Germany.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Vorsitzender des stärksten CDU-Landesverbandes: Armin Laschet.

Quelle: 2018 Getty Images

Wolfgang Schäuble

Für den früheren Bundesinnen- und Bundesfinanzminister wäre es die Krönung seiner langen politischen Laufbahn, könnte er Merkel zum Ende seiner Karriere als Bundeskanzler ablösen - wenn auch wohl nur als Übergangslösung. Das wäre dann wohl auch eine späte Genugtuung, nachdem der damalige Kanzler und CDU-Chef Helmut Kohl Schäuble zwar zunächst Hoffnung auf die Nachfolge als Regierungschef gemacht hatte, daraus aber dann doch nichts wurde. Schäuble wurde nach der verlorenen Bundestagswahl 1998 Parteichef, musste aber im Zuge der CDU-Spendenaffäre im Jahr 2000 seine Ämter als Partei- und Fraktionschef niederlegen. Merkel wurde seine Nachfolgerin im Parteiamt.

BERLIN, GERMANY - JULY 24:  President of the Bundestag Wolfgang Schaeuble speaks during an interview at the Bundestag on July 24, 2018 in Berlin, Germany.  (Photo by Thomas Koehler/Photothek via Getty Images)

CDU-Urgestein: Wolfgang Schäuble.

Quelle: 2018 Photothek

Daniel Günther

Der 45 Jahre alte Ministerpräsident aus Schleswig-Holstein gilt vor allem für CDU-Anhänger, die sich eher in der politischen Mitte oder sogar eher links einordnen, als Hoffnungsträger. Diese Einordnung dürfte es dem Chef einer recht geräuschlos arbeitenden Jamaika-Koalition in Kiel allerdings recht schwer machen, von einer breiten Mehrheit zum Bundesvorsitzenden der CDU gewählt zu werden. Günther selbst sagt von sich, er wolle zunächst erfolgreiche Politik im Land machen und als Regierungschef wiedergewählt werden. Was danach noch kommen könnte, lässt er offen.

Daniel Günther, Ministerpräsiden von Schleswig-Holstein, Deutschland, Berlin, Konrad_Adenauer_Haus, Sondierungsgesprächen:  CDU, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, 17.11.2017   (Photo by Popow/ullstein bild via Getty Images)

Hoffnungsträger für die linke Mitte: Daniel Günther.

Quelle: ullstein bild - Popow

(sda/ccr)