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Bierkönig Jorge Lemann: Der Unersättliche

Jorge Lemann: Nach dem Bier-Megadeal kommt künftig jedes dritte Bier von AB InBev.

Nach dem Kauf von SAB Miller wartet die Bierbranche gespannt auf den nächsten Schlag von Jorge Lemann. Auf wen kann der Brasilien-­Schweizer dabei zählen?

Von Stefan Lüscher
27.10.2015

Vom Tennisspieler über den Investment Banker bis zum Fast-Food- und Bierkönig: Jorge Paulo Lemann, Sohn eines von Langnau im Emmental nach Brasilien ausgewanderten ­Käsehändlers, hat Wirtschaftsgeschichte geschrieben. In gerade mal 17 Jahren schäumte er die lokale brasilianische Brauerei ­Brahma über immer voluminösere Akquisitionen zum weltgrössten ­Bierkonzern auf.

Nun holt der 76-Jährige zu seinem grössten Schlag aus: Für 100 Milliarden Franken schluckt der Brasilien-­Schweizer die globale Nummer zwei unter den Brauern, SAB­Miller. ­Künftig wird weltweit jedes dritte Bier bei Anheuser-Busch InBev gezapft.

Übernahmen im Wert von über 200 Milliarden Dollar

Nicht nur im Biergeschäft, auch beim Fast Food hält Lemann seine Hand drauf. So hat er über seine 3G Capital Burger King und Tim Hortons sowie den Ketchup-Kocher Heinz eingekauft. Unter seiner Regie wurden Übernahmen und Fusionen im Wert von weit über 200 Milliarden Dollar in Szene gesetzt. Er selbst ist darob zum 25fachen Milliardär geworden.

Obwohl mächtiger Firmendealer, ist der am Zürichsee wohnende Lemann bescheiden geblieben. Er lebt beinahe schon asketisch, mag Fast Food nicht und trinkt keinen Alkohol. Dennoch dürfte sein Durst noch nicht gelöscht sein. Nun wartet die Bierbranche angespannt darauf, wer sein nächstes Ziel sein wird.

Die Freunde

Jorge Lemann hat den grössten Teil seines Lebens in Brasilien verbracht. Deshalb ist sein Freundeskreis in der Wahlheimat bescheiden. Kennen und schätzen gelernt hat er beim Verkauf seiner Banco Garantia den damaligen CS-CEO Lukas Mühlemann (65). Später sind sie sich erneut im Verwaltungsrat der Swiss Re begegnet und sind seither Freunde. Enge Bande gebildet haben sich auch zu anderen Swiss-Re-Verwaltungsräten, so zum Genfer Privatbankier Bénédict Hentsch (66) oder zum Unternehmer Thomas Bechtler (66). Seit Jahren nimmt der Anwalt Peter Nobel (70) die rechtlichen Interessen ­Lemanns wahr, längst sind sie auch Freunde.

Vom Lebensstil her zwar höchst unterschiedlich, doch sonst ein Herz und eine Seele sind Lemann und der US-Starinvestor Warren Buffett (85). Sie haben zusammen schon einige Milliardendeals durchge­zogen, etwa Burger King, Tim Hortons oder H.J. Heinz übernommen. Zu seinen ­ältesten Freunden zählen Carlos Sicupira (67) und Marcel ­Telles (65). Bereits bei der Banco Garantia in Brasilien waren sie ein eingespieltes Team. 2004 gründeten sie die Private-Equity-Gesellschaft 3G Capital. Lemann hat seine Schützlinge zu Multimilliardären gemacht. Engen Kontakt hält Lemann zum Brasilianer Denis Mizne, der als CEO der Lemann Foundation vorsteht. Die Stiftung will das Schulwesen in Brasilien verbessern.

Die Gegenspieler

Die Bierbranche zeigt sich hilflos gegenüber dem Durst von AB InBev. Charlene de ­Carvalho-Heineken (61), Mehrheitsaktionärin des nun zweitgrössten Brauereikonzerns, hat einst von SABMiller ein Angebot erhalten. Sie lehnte ab, was den Heineken-CEO ­Jean-François van Boxmeer (54) wohl gefreut haben dürfte. Auf Lemanns Radarschirm erscheinen könnte dafür der von Cees ’t Hart (57) geführte dänische Bierkonzern Carlsberg, die neue Nummer drei. Kaum gefährdet ist dagegen der viertgrösste Brauer, die von Jie Hong beaufsichtigte China Resources Enterprise. Für AB InBev weitaus attraktiver ist sowieso Diageo. Dann müsste Lemann bei Franz Humer (69) anklopfen; der einstige ­Roche-Lenker ist VR-Präsident beim britischen Getränkekonzern.

Nicht gut zu sprechen auf Lemann ist der erste Burgerbrater bei McDonald’s, Steve Easterbrook (48); wegen des Machtwechsels bei Heinz hat er das Ketchup dieser Marke aus seinen Restaurants hinausgeworfen. Sauer auf den Brasilien-Schweizer sind die von ihm ­entmachteten Führungskräfte wie der bei Heinz geschasste William Johnson (66). Ein Problem bekommt wohl Jan du Plessis (61): Der Präsident von SABMiller hat sich gegen die Übernahme durch AB InBev gewehrt.

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