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Axpo-Chef Andrew Walo: Der Unauffällige

Gibt ungern etwas über sich preis: Axpo-Chef Andrew Walo.  Keystone

Wertverlust und unrentable Wasserkraft machen Andrew Walo zu schaffen. Der Axpo-Chef führt einen stillen Kampf gegen den Preiszerfall am Strommarkt.

Von Maren Meyer
30.09.2015

Axpo-Chef Andrew Walo gibt ungern etwas über sich preis. Sein Privatleben schirmt der 58-Jährige radikal ab. Obwohl er einem staatlichen Konzern vorsteht, tritt er als öffentliche Person kaum auf. Sein Vorgänger Heinz Karrer hatte das Rampenlicht nicht gescheut. Als Kopf des zweitgrössten Schweizer Strom­konzerns lässt Walo hingegen lieber die Zahlen sprechen.

Die sind für die Axpo kaum ­erfreulich: Der stillgelegte Reaktorblock des AKW Beznau 1 kostet den Stromkonzern nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Franken. Er geht vermutlich erst Ende Februar 2016 wieder ans Netz. Dazu kommen der Abschreiber von 1,2 Milliarden Franken, sinkender Umsatz und ein voraussichtlich ­erneut negatives Unternehmensergebnis.

Seit seinem Amts­antritt im Februar 2014 hat Walo zu kämpfen. Die ­tiefen Grosshandelspreise im europäischen Stromhandel machen der ganzen Strombranche zu schaffen. Ein weiterer Faktor ist seit Januar der Fall des Euro-Mindestkurses. Die Nordostschweizer Kantone, denen die Axpo zu 100 Prozent gehört, müssen auf eine Dividendenzahlung verzichten. Mit der geplanten Energiewende und der forcierten Expansion in die Vereinigten Staaten stehen bei der Axpo zukünftig weitere Herausforderungen an.

Die Mitstreiter

Auf Andrew Walos Weg zum Konzernleiter der Axpo war Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer ein stetiger Begleiter. Sie lernten sich vor rund zehn Jahren kennen. Karrer war noch Axpo-Chef und Walo Geschäftsführer der SN Energie in Schwanden GL. Sie pflegten eine geschäftliche Beziehung, und als der CEO-Posten bei der Axpo-Tochter Centralschweizerische Kraftwerke (CKW) frei wurde, empfahl Karrer Walo als Kandidaten. Walo wurde CKW-Chef und übernahm später Karrers Posten bei der Axpo. Heute treffen sich die beiden im Vorstand von Economiesuisse wieder.

Aus ihrer gemeinsamen Zeit bei ABB kennen sich Walo und Manfred Thumann. Damals war ­Thumann sein Vorgesetzter, ab 2004 sassen sie sich in der Axpo-Konzernleitung gegenüber. Mit Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin verbindet ­Walo nicht nur die Sorge um tiefe Strompreise, sie sitzen auch ­gemeinsam im Vorstand von Swisselectric, der Organisation der schweizerischen Stromverbundunternehmen. Er als Präsident, sie als Vize.

Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, kennt Walo durch seine Zeit als Vorstandsmitglied des Verbandes. Aus der Politik stärkt dem Stromer der abtretende SVP-Nationalrat und Urek-Präsident Hans Killer den Rücken. Wie Walo ist er gegen Subventionen in der Strombranche.

Die Gegenspieler

Sie sind sich einig: Die Atomkraftwerke sollen so schnell wie möglich abgeschaltet werden. Den Grünen unter ihren Co-Präsidentinnen Regula Rytz und Adèle Thorens Goumaz ist vor allem das AKW Beznau ein Dorn im Auge. Seit 2014 sieht sich die Axpo vermehrt mit rot-grünen Vorstössen konfrontiert. Der Dealmaker im Hintergrund und Initiator des Langzeitbetriebskonzeptes für AKWs ist Eric Nussbaumer. Der SP-Nationalrat und Kommunikationsleiter von Swisspower, einem Gemeinschaftsunternehmen von Schweizer Gemeinde- und Stadtwerken, drängt auf eine Einigung in der Laufzeitfrage von AKWs.

Der frühere SP-Nationalrat Ruedi Rechsteiner war schon kein Freund von Heinz Karrer und ist der Axpo nach wie vor nicht ­wohl­gesinnt, wie der Titel einer von ihm erstellten Studie zeigt: «Axpo – finanzielles Grossrisiko für den Kanton Zürich». Für eine AKW-Laufzeitbeschränkung spricht sich auch Ensi-Direktor Hans Wanner aus. Als BKW-Chefin ist Suzanne Thoma eine direkte ­Konkurrentin im Stromgeschäft.

 

 

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