1. Home
  2. People
  3. Kurt Sidler: «Wir werden sogar ausbauen müssen»

Übernahme 
Kurt Sidler: «Wir werden sogar ausbauen müssen»

Kurt Sidler: «Wir werden sogar ausbauen müssen»
Musik Hug: Nach dem Verkauf sollen keine Stellen abgebaut werden - im Gegenteil. Keystone

Musik Hug wird an die kleinere Luzerner Musikpunkt AG verkauft. Präsident Kurt Sidler 
über den Eigentümerwechsel und warum der antiquierte Name bleiben soll.

Von Philipp Albrecht
2017-10-24

Sie haben das serbelnde Unternehmen Musik Hug gekauft. 
Wo haben Sie eine Bank gefunden, die Ihnen das finanziert? 

Kurt Sidler*: Die bisherigen Bankkredite bleiben aufgrund der durch uns ­vorgestellten Zukunftsplanung bestehen. Wir haben einen finanzkräftigen und musikaffinen Unternehmer im Rücken, der sich 
für diese Aufgabe stark engagiert.

Mit 150 Angestellten ist Musik Hug fünfmal so gross wie Musikpunkt. Haben Sie sich nicht ein bisschen übernommen?
Nein, 
das haben wir gründlich geprüft, und die entsprechenden Mana­gementkapazitäten stehen zur Verfügung. Zudem bleibt das ganze Kader von Musik Hug bei der Stange.

Aber nur temporär. Wie man lesen konnte, soll Musik-Hug-Chef Erwin Steinmann nur noch für eine Übergangsphase bleiben.
Er kommt neu 
in den Verwaltungsrat. Nachher hat er ein Beratungsmandat bei uns und wird weiterhin stark engagiert sein. Neuer CEO ist per sofort Adrian Lohri.

Wie soll das Ganze ohne Stellen­abbau gehen? Es gibt doch Überschneidungen.
Im Gegenteil. Wir werden sogar ausbauen müssen.

Wie bitte? Sie übernehmen einen Konkurrenten und wollen Stellen ausbauen?
Ja, vor allem in den Werkstätten und im Webshop werden wir mehr Personal brauchen. Das wird ­allerdings gar nicht so einfach. Es werden kaum mehr Instrumentenbauer in der Schweiz ausgebildet. Auch im ­Instrumentenverkauf gibt es keinen Nachwuchs mehr.

Warum wollen Sie eigentlich den ­antiquierten Namen Musik Hug behalten?
Der Brand ist in den ­Sparten Piano, Streich und Zupf sehr erfolgreich und gut etabliert. Ihn wegzuwerfen, wäre nicht sinnvoll.

Sie sind jetzt das grösste Musikhaus der Schweiz. Konkurrenz ist fast keine mehr da. Jetzt können Sie schön die Preise diktieren.
Das ist überhaupt nicht so. Im schweizerischen Musikinstrumentenhandel sind nach wie vor mehrere hundert Musikgeschäfte, vor allem Kleinbetriebe, aktiv. Der Wettbewerb funktioniert hier in der Schweiz. Dank unserer Grösse werden wir in Eigeninitiative ins ­Ausbildungswesen unserer Branche investieren können, weil wir musikinteressierten jungen Leuten wieder neue Berufschancen ­ermöglichen wollen. 

 

*Kurt Sidler ist Präsident 
von Musikpunkt und neu auch von Musik Hug. Der 73-jährige Euphonium-Spieler war 
unter anderem Präsident der PKG Pensionskasse und 
der Raiffeisenbank Luzern.

Anzeige