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Kunstspediteur Bouvier: Ein Rechtsstreit und seine Folgen

Kunstspediteur Bouvier: Ein Rechtsstreit und seine Folgen
Yves Bouvier: Setzt jetzt auf das Geschäft mit Zollfreilager. Keystone

Auf dem Kunstmarkt war Yves Bouvier einer der grossen Strippenzieher. Nun steigt der Genfer aus dem Kunsthandel aus; seine Firma ist verkauft. Rechtsstreitigkeiten und Steuerschulden setzten ihm zu.

Von Marc Bürgi
2017-11-03

Yves Bouvier ist eine der bekanntesten Figuren im internationalen Kunstmarkt: Der Genfer war bis vor kurzem ein erfolgreicher Kunsthändler und -spediteur: Seine Firma «Natural Le Coultre» (NLC) transportiert wertvolle Gemälde, Bilder oder Skulpturen  auf der ganzen Welt. Mit NLC gehörte Bouvier zu den grössten Mietern im riesigen Genfer Zollfreilager. Nun hat Bouvier das Unternehmen letzte Woche verkauft. Neue Eigentümerin von «Natural Le Coultre» ist die französische Kunstspedition André Chenue.

Der Verkauf sei schon seit mehreren Jahren geplant gewesen, sagte Bouvier der Zeitung «Le Temps». Die Rechtsprobleme Bouviers hätten den Verkauf aber «beschleunigt», musste ein NLC-Sprecher gegenüber der Agentur SDA einräumen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Rechtsstreit mit russischem Oligarchen

Er spielt auf die dramatische Wende an, die Bouviers Karriere in den letzten Jahren genommen hat. Seit zwei Jahren liefert sich der Genfer einen Rechtsstreit mit dem russischen Milliardär Dmitri Rybolowlew. Die Kontrahenten decken sich in mehreren Ländern mit Klagen ein. Beim Streit geht es um 37 Kunstwerke, die Bouvier seinem einstigen Freund verkauft hatte – zu einem überhöhten Preis, wie Rybolowlew behauptet.

Sei letztem Jahr hat Bouvier zusätzlich Probleme mit dem Schweizer Fiskus: Die Eidgenössische Steuerverwaltung fordert vom Genfer rund 165 Millionen Franken Steuerschulden zurück. Er soll unter anderem Einnahmen jahrelang als zu tief angegeben haben. Diesen Frühling beschlagnahmten die Behörden als Pfand eine Schweizer Liegenschaft Bouviers.

Rückzug aus dem Kunsthandel

Seit Beginn des Rechtsstreits mit Rybolowlew hat sein Ruf gelitten. «Meine Aktivitäten im Kunsthandel sind seitdem am Boden», so Bouvier. Auch für NLC war der Reputationsverlust des Eigentümers ein Problem, der Umsatz sank laut Experten im zweistelligen Umfang. Nun steigt der Genfer aus dem Kunsthandel aus. «Ich will mich von jetzt an ausschliesslich auf die Zollfreilager konzentrieren», sagte Bouvier zu «Le Temps».

Dem Unternehmer gehören neben der Genfer Firma auch Zollfreilager in Luxemburg und Singapur. An diesen Aktivitäten will er festhalten – und er will zusätzlich ein Lager in Schanghai eröffnen. «Zwei bis drei» weitere Filialen seien geplant.

Ein da Vinci kommt unter den Hammer

Bouviers Rückzug aus dem Kunsthandel fällt zeitlich zusammen mit dem Verkauf des vielleicht bekanntesten Gemäldes, das je durch seine Hände ging: «Salvator Mundi» von Leonardo da Vinci. Es wird am 15. November in New York versteigert. Bouvier hatte das Meisterwerk für knapp 80 Millionen Dollar gekauft und kurz danach dem Milliardär Rybolowlew verkauft. Dieser Deal war der Auslöser für den erbitterten Rechtsstreit zwischen den Kontrahenten.

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