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40 Jahre BILANZ 
Knapp daneben: Die grössten Fehlprognosen

Fehleinschätzungen gehören zum Geschäft: Auch die BILANZ lag mit ihren Titelgeschichten nicht immer richtig.

Veröffentlicht 01.03.2018

Nicht jede Filterblase ist eine Blase, nicht jeder, der freundlich wirkt, auch wirklich freundlich. Diese Erfahrung musste auch die BILANZ in ihrer 40-jährigen Geschichte machen.

Als Markus Lusser 1988 das Zepter bei der Nationalbank übernahm, wurde er auf dem Cover als «freundlicher Herr aus Uri» beschrieben, im Heft als «kolossal kompetent». Heute fällt der Name von Lusser nur noch, wenn über die Folgen einer allzu restriktiven Geldpolitik diskutiert wird. Die Gewerkschaften bezeichneten Lusser als «Job-Killer der Nation», die Arbeitgeber warfen ihm vor, den Werkplatz zu ruinieren. Ein Club von Exportindustriellen bedankte sich sogar in einem Inserat dafür, dass mit seinem Rücktritt im Frühjahr 1996 die Periode des überbewerteten Frankens verkürzt werde. 

Und Swissair-Chef Jeffrey Katz – «der erste Ausländer an der Spitze unseres Nationalheiligtums», wie die BILANZ festhielt, wurde als «Jeff, der Retter» gefeiert. Er sagte Sätze wie: «Swissair ist ein Superlogo – ein Killer-Brand.» Doch letztlich konnte auch er die Airline nicht vor dem Grounding bewahren, höchstens sich selber, weil er den Chefposten rund ein Jahr zuvor abgab.

Urs Fischer wiederum wurde Anfang 2001 zum «Aufsteiger des Jahres» gekürt. Mag sein, dass sich der Wechsel von Sunrise zu Ascom für ihn ausbezahlt hat. Für den bereits stark geforderten Ascom-Konzern jedoch war es der Anfang vom Ende. Fischer zog nach zwei Jahren weiter – inklusive Abgangsentschädigung und Bonus. 

Schneller weg als erwartet war auch Leonteq-Gründer Jan Schoch. Kaum feierte ihn die BILANZ auf der Front als «Comeback Kid», musste er seinen Chefstuhl bei der Finanzgesellschaft räumen. Länger als von der BILANZ prophezeit blieb hingegen Eveline Widmer-Schlumpf: «Aus der Traum?» war da 2011 zu lesen – mit Fragezeichen zwar, doch die Wiederwahl der BDP-Magistratin in den Bundesrat war nie wirklich gefährdet. 

Manchmal malte die BILANZ auch einfach zu schwarz

So warnte sie im Jahr 2010 «vor dem Absturz» der Steuerparadiese und erklärte, wieso die Zeit von Wollerau, Feusisberg und Co. ablaufe. Mag sein, dass deren Geschäftsmodell mit den tiefen Steuersätzen ein paar Korrekturen braucht, funktionieren tut es – vorerst jedenfalls – noch immer. Nach dem Frankenschock titelte die BILANZ: «Die Rezession ist da.» Doch zur Überraschung aller ist die Schweizer Wirtschaft im zweiten Quartal 2015 real gewachsen, wenn auch nur um mickrige 0,2  Prozentpunkte.

Und dann war da noch die «Facebook-Blase»: Die BILANZ erkannte 2012 in der Euphorie im Vorfeld des Börsengangs Analogien zum Dotcom- und New-Economy-Desaster von 2000, heute ist Facebook so mächtig, dass man sich eher fragt, wie man die Dominanz des Unternehmens wieder einschränken kann.

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