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DKSH 
Jörg Wolle sahnt nochmal ab

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Geldregen für Jörg Wolle: Der langjährige DKSH-Chef handelte mit Präsident Adrian Keller eine Extrakompensation aus, um seine Nachfolger bei den asiatischen Kunden einzuführen.Quelle: Keystone

4,3 Millionen für die Einführung des Nachfolgers: Wie der Hauptaktionär den verrückten Lohn des Ex-CEOs Wolle verteidigt.

Philipp Albrecht
Von Philipp Albrecht
23.02.2018

Neun Mal ist der abgetretene DKSH-Chef Jörg Wolle im vergangenen Jahr mit seinem Nachfolger Stefan Butz zu Grosskunden und Mitarbeitern nach Asien gereist. Dafür gab es 4,3 Millionen Franken – vorab per Vertrag mit dem Verwaltungsrat vereinbart.

Da erstaunt es nicht, dass einigen Analysten bei der Lektüre des Vergütungsberichts das Gipfeli im Hals stecken blieb. DKSH habe letztes Jahr sozusagen zwei CEO-Löhne entrichtet, kommentierte ein ZKB-Analyst in der «SonntagsZeitung». Das sei vor allem auch angesichts des wenig berauschenden letzten Resultates von DKSH erstaunlich.

Wolle hat Ende März 2017 direkt das Büro gewechselt: vom CEO zum Verwaltungsratspräsidenten (VRP). Für die letzten drei CEO-Monate gab es 1,4 Millionen. Das liegt durchaus im Schnitt der vergangenen Jahre. Wolles Amt wurde jeweils mit einem Jahressalär um die sechs Millionen vergütet.

Dass er nun aber ein fast so hohes CEO-Salär für drei Monate im Amt und die Einführung des Nachfolgers bezieht und darüber hinaus einen VRP-Lohn von 635 000 Franken einstreicht, erstaunt die Beobachter. «Zu hoch und zu intransparent», bemängelt Christophe Volonté von zRating. Der Aktionärsdienstleister lehnt das Budget für die DKSH-Vergütungen ohnehin jedes Jahr ab, «weil der CEO-Lohn viel zu hoch ist für die Grösse des Unternehmens».

Aktionäre stützten Wolles Vergütung

Nicht nachvollziehbar, findet Adrian Keller. Er ist Wolles VRP-Vorgänger und vertritt die Diethelm Keller Holding, die 45 Prozent der Aktien besitzt. Die Kritik von aussen verwundert ihn: «Das war eine unternehmerische Entscheidung.» Wichtig sei die Meinung der Aktionäre. Und die stützten Wolles Vergütung: «An der Generalversammlung habe ich den Vertrag thematisiert. Es gab dazu keine Fragen.» Beim Aushandeln der Extrakompensation mit dem CEO habe er «den langfristigen Erfolg der Firma vor Augen» gehabt. In Asien, wo persönliche Beziehungen zwischen Handelspartnern besonders wichtig seien, müsse ein CEO-Wechsel zudem viel sorgfältiger angegangen werden. 

Die Episode offenbart die starke Abhängigkeit der DKSH von ihrem langjährigen CEO. Wolle war ab 1990 für die Vorgängerfirma SiberHegner tätig. 2000 wurde er CEO, zwei Jahre später fädelte er die Fusion mit Diethelm Keller ein, wurde Chef der neuen Firma und setzte 2012 den Börsengang um. Dafür erhielt er ein Aktienpaket im Wert von 80 Millionen Franken.

Wolles Verdienste honoriert der Hauptaktionär vor allem mit Barem: «Wir sind sehr froh, dass unsere Beziehung zu Herrn Wolle fortbesteht», sagt Keller dazu. «Wir sind nicht von ihm abhängig, aber wir profitieren von seiner Erfahrung.» 

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