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Politik 
Italiens Populisten-Duo

Matteo Salvini und Luigi Di Maio
Ein Graffiti zeigt Luigi di Maio, Parteichef der Fünf-Sterne-Bewegung und Matteo Salvini, den Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Lega, wie sie sich küssen.Quelle: Alessandra Benedetti - Corbis / Getty Images

Der moderate Populist und der fremdenfeindliche Demagoge: Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung und Lega-Chef Matteo Salvini sind die Architekten von Italiens neuer Regierung.

Veröffentlicht 18.05.2018

Sie sind das neue Power-Duo der italienischen Politik: Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Partei Lega und Luigi Di Maio von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung (M5S). Die beiden Parteivorsitzenden gelten als Architekten von Italiens neuer Regierung.

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Das gemässigte Gesicht der Populisten

Anders als Parteigründer Beppe Grillo tritt Di Maio betont moderat auf. Er schwächte den strikten Kurs gegen den Euro ab und gibt sich in der Ablehnung von Flüchtlingen weniger kategorisch.

«Seine Stärke liegt genau darin, dass er sich komplett von Beppe Grillo unterscheidet - im Kommunikationsstil und in der Erscheinung», sagt der Politikwissenschaftler Alberto Castelvecchi von der Luiss-Universität in Rom.

Mit seiner gepflegten Kurzhaarfrisur und der stets perfekt sitzenden Krawatte zum eleganten Anzug erscheint Di Maio vielen als der ideale Schwiegersohn. Dabei stört es viele Wähler offenbar nicht, dass er ein begonnenes Jurastudium nicht abschloss.

Luigi Di Maio
Luigi Di Maio von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung tritt betont moderat auf.
Quelle: NurPhoto/Getty Images

Innerhalb der Fünf-Sterne-Bewegung rückte Di Maio binnen eines Jahrzehnts in die Spitze auf. 2010 kandidierte er erfolglos für den Gemeinderat seiner Heimatstadt Avellino östlich von Neapel. 2013 wurde er ins italienische Parlament gewählt. Mit 26 Jahren war er jüngster Vizepräsident der Abgeordnetenkammer in der Geschichte Italiens.

Spärliche Berufserfahrung

Kritiker freilich belächeln den 31-Jährigen als politisch blasse Figur, die von Image-Beratern umringt sei. Seine inhaltlichen Standpunkte sind häufig schwer zu greifen.

Gegner halten ihm zudem vor, wegen seiner spärlichen beruflichen Erfahrung - kurze Zeit Webadministrator, Regieassistent und Platzanweiser im Stadion - und seines jungen Alters nicht das notwendige Format für einen Spitzenposten in der italienischen Politik zu haben.

Erfahrener Polit-Demagoge

Im Wahlkampf setzte der bärtige Salvini auf demagogische Rhetorik gegen Flüchtlinge, gegen den Euro und gegen die Bürokratie in Brüssel. Er spielte meisterhaft auf dieser Klaviatur. Besonders schoss er sich auf die mehreren hunderttausend Flüchtlinge ein, die er als «Illegale» bezeichnete, die seit 2013 vor allem aus «Schwarzafrika» nach Italien gekommen seien.

Matteo Salvini
Lega-Chef Matteo Salvini: Berufspolitiker mit Studienabbruch.
Quelle: Antonio Masiello/Getty Images

Bei einem Wahlkampfauftritt in Matera in der süditalienischen Region Basilikata, beklagte Salvini die «ausser Kontrolle geratene Einwanderung». Zugleich versprach er «Ordnung, Regeln und Sauberkeit».

Seit 1990 politisch aktiv

Geboren und aufgewachsen ist der 45-Jährige in Mailand. Der Sohn eines Unternehmenschefs und einer Hausfrau besuchte eine katholische Schule und engagierte sich bei den Pfadfindern. Der damals noch Lega Nord genannten Lega schloss sich Salvini 1990 im Alter von 17 Jahren an.

Seine Jugend verging zwischen politischen Versammlungen, Plakatekleben, dem Besuch der Universität (abgebrochenes Studium der Politik- sowie der Literatur- und Geschichtswissenschaft) und verschiedenen Jobs, unter anderem als Pizzabote und als Angestellter in einem Mailänder Imbissladen.

Seit vier Jahren an der Spitze

1993, mit 20 Jahren, wurde Salvini in den Stadtrat von Mailand gewählt. Seit 2004 ist Salvini Abgeordneter im Europäischen Parlament. Seit 2015 ist er dort Vizevorsitzender der Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit, der ausser der Lega unter anderen die rechtspopulistische französische Partei Front National angehört.

Vor vier Jahren übernahm Salvini schliesslich die Führung der Lega. Vorausgegangen waren Schlappen bei Wahlen und eine Finanzaffäre des bisherigen Parteichefs Umberto Bossi. Salvini leitete daraufhin die inhaltliche Wende ein. Fortan hiess es: «Italiener zuerst».

(sda/ccr)