Am 15. Juni, dem Abend vor der Eröffnung der Konzert­halle in Andermatt. Samih Sawiris interessiert jetzt vor allem eins: Ob alles perfekt ist. Ist es nicht. Hier will er noch geputzt haben, dort lottert eine Türklinke – und dann der ohrenbetäubende Sound­check. Das Interview findet schliesslich in einer stillen Ecke oben in der Lobby des Radisson Blu statt.

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Herr Sawiris, beeindruckend, Ihr Konzertsaal.
Ja. Ich bin selber erstaunt, wie schön er geworden ist. Zum Glück haben wir damals umentschieden und statt eines reinen Konferenzraums diese Konzerthalle gebaut. Hat zwar einiges mehr gekostet, aber nun kön­nen wir mit den Spitzenhäusern Europas mithalten.

Wie viel mehr haben Sie hineingesteckt?
Viel, mehr sage ich dazu nicht. Ich bin ein Wenn-schon-denn-schon-Mensch, mit allen Konsequenzen. Als ich entschieden hatte, dass hier ein Konzertsaal entstehen soll – der unterirdische Konferenzraum war bereits im Bau –, hiess die Priorität, dass er State of the Art werden muss, nicht das Geld.

Im Konzertsaal des Hotels Radisson Blu in Andermatt wird die Akustik optimiert.Fotografiert am 7. Juni 2019 in AndermattNadia SchŠrli / Luzernerzeitung

Soundcheck: Am 16. Juni eröffneten die Berliner Philharmoniker die Konzerthalle Andermatt. Sie soll das Bergdorf als kulturelles Zentrum etablieren.

Quelle: Luzerner Zeitung AG

Was war der Grund für die Planänderung?
Ich will Andermatt ganzjährig beleben, nicht nur saisonal. Der Konzertsaal wird Andermatt als Reiseziel enormen Schub verleihen. Unser Ziel war es von ­Anfang an, aus diesem schönen Ort eine Ganzjahresdestination zu machen und dafür zu sorgen, dass es im Dorf übers ganze Jahr genug und vor allem auch spannende Jobs gibt. So kommen auch viel eher Leute nach Andermatt, um hier zu leben und zu arbeiten.

700 Sitzplätze, eine Bühne für ein Orchester mit bis zu 80 Musikern und eine grandiose Soundqualität verleihen dem Konzertsaal in Andermatt Weltformat.

Hier – das ist Ihr Imperium. Ihnen gehört ja alles, von den Hotels über den Golfplatz bis zu den ­Bergbahnen.
Nicht alles, selbstverständlich, aber es macht Sinn, dass die Fäden alle bei uns zusammenlaufen. Nur so werden beispielsweise die Bergbahnen auch dann betrieben, wenn sie für die Hoteliers wichtig sind, um Leute anzulocken. Wir legen dann beim Bahnbetrieb vielleicht drauf, dafür generieren wir Umsatz in den Hotels. Am Ende muss einfach das Minus kleiner sein als das Plus. Und das schaffen wir.

Wie haben Sie es geschafft, dass die Berliner ­Phil­harmoniker den Saal eröffnen?
Ich bin seit Jahrzehnten ein Fan der Philharmoniker und seit acht Jahren auch ein Sponsor, ich finanziere ihre Präsenz am Lucerne Festival mit. Ich habe eine grosse Leidenschaft für klassische Musik, und mit der Eröffnung unserer Konzerthalle durch dieses Orchester ist ein lang gehegter Traum wahr geworden.

Ah, dann tun sie Ihnen einen Gefallen? 
Nein, das tun sie nicht. Und wenn Sie jetzt gleich fragen, ob ich die musikalischen Werke ausgesucht habe: Nein. Sie haben uns gesagt, was sie spielen wollen, wir waren damit zufrieden. 

Und wann setzen Sie sich dazu und spielen Klavier?
Davon bin ich noch weit entfernt, aber ich arbeite hart daran. Mein erklärtes Ziel ist es, mit 65 Jahren Konzertreife erlangt zu haben. Ich habe vor dreieinhalb Jahren mit Klavierspielen bei null angefangen und strenge mich wirklich an.

Samih Sawiris
Quelle: Anne Gabriel-Jürgens für BILANZ

Glücksritter

Samih Sawiris (62) entstammt einer wohlhabenden ägyptischen Unternehmerfamilie. Er hat in Berlin Wirtschaftsingenieurwissenschaften studiert und wurde mit Tourismusprojekten im Nahen Osten und in der Schweiz bekannt. Sawiris hat seit 2009 in Andermatt eine Milliarde Franken in Hotels, Ferienhäuser, Bergbahnen und nun auch eine Konzerthalle gesteckt, auf dass das Bergdorf eine ganzjährig rentierende Fünfsterne­destination werde. Sein Unternehmen, Orascom Development Holding mit Sitz in Altdorf UR, ist an der Schweizer Börse kotiert.

Woher kommt dieser Ehrgeiz?
Ich wollte eine neuartige Herausforderung, denn ich habe jede Herausforderung, die ich mir je im Leben gestellt hatte, erreicht. Auf meiner Bucketlist ist alles abgehakt. Deshalb nun das Klavierspiel.

Auf der Bucketlist stand Andermatt?
Andermatt kam vor 14 Jahren auf die Liste, weil ich mich auch in Europa beweisen wollte. Ich habe immer wieder erlebt, dass Europäer in meine Stadt El Gouna kommen, den Ort unglaublich, toll und grossartig finden, bei sich aber denken, dass das keine Kunst sei für einen reichen Ägypter in Ägypten. Wissen Sie, was? In der Schweiz etwas so Besonderes zu bauen wie hier in Andermatt, ist weit einfacher als in Ägypten, wo nichts berechenbar ist, weder die Gesetze noch die Wirtschaft und schon gar nicht die Politik. In der Schweiz weiss man, wo man steht, man kann rechnen. Rückschläge gibt es auch hier, aber sie sind stets rational nachvollziehbar. Die Rechtssicherheit gibt einem Mut.

1 Milliarde Franken hat Samih Sawiris mittlerweile in Andermatt investiert. Sein neustes Projekt O West in Ägypten ist mit vier Milliarden budgetiert.

Wie haben Sie eigentlich die Andermatter von sich überzeugt?
Falls Sie denken, die Bergler seien verschlossen und stur, kann ich nur sagen, dass das in Bezug auf die Andermatter ein geradezu groteskes Vorurteil ist. Die Menschen sind seit Jahrhunderten mit Ausländern konfrontiert. Hier war immer ein Durchgang, es zogen Russen durch, Franzosen, Römer und Deutsche – immer wieder neue Menschen, Traditionen und Sitten. Die Leute hier sind weltoffener als viele Städter.

Ihr erster Kontakt?
Am allerersten Tag. Das war für mich eine Bedingung. Ich würde nie an einem Ort investieren, an dem ich nicht willkommen bin. Ist mir schon einmal passiert in Deutschland. Da gab es ein verlassenes Kasernen­areal, das sich sehr gut geeignet hätte für ein Tourismusprojekt. Ich habe aber schnell festgestellt, dass die Hälfte der Bevölkerung das nicht will, und deshalb die Finger davon gelassen.

«Ich bin ein Wenn-schon-denn-schon-Mensch, mit allen Konsequenzen.»

Samih Sawiris

Aber eben, wie haben Sie die Andermatter überzeugt?
El Gouna hat geholfen.

Sie haben die Leute nach El Gouna eingeladen?
Nein. Sie gingen selber und auf eigene Rechnung. Ich erfuhr es im Nachhinein. Sie wollten sich ein unabhängiges Urteil bilden. Sie kamen alle mit dem Eindruck zurück: Wenn es einer schaffen kann, dann er.

Wie viel haben Sie inzwischen in Andermatt ­hineingesteckt?
Über eine Milliarde Franken. Vom Volumen her ist dieses Projekt für mich aber keine grosse Nummer, es kostet hier einfach alles zehnmal mehr als andernorts. 

Sie haben Ihr Andermatt-Projekt aus Orascom ­heraus­­gelöst und Andermatt Swiss Alps ASA gegründet, an der Sie privat mit 51 Prozent die Mehrheit halten. Nun geben Sie die Mehrheit wieder an ­Orascom ab. Warum?
Wenn ein Projekt noch jung ist, braucht es wie ein Kind eine enge Überwachung von Papa und Mama. ASA ist nun älter und reifer und muss sich in die Gruppe einfügen. In El Gouna beispielsweise bin ich schon länger aus allen Operationen raus, weiss heute nicht mehr, was dort verkauft wird und wie viel. Künftig werde ich mich auch in Andermatt nicht mehr um solche Dinge kümmern. Was es hier noch zu tun gibt, ist nur noch tägliche operative Arbeit. Und dafür bin ich nicht geschaffen.

«Was es hier noch zu tun gibt, ist nur noch täg- liche operative Arbeit. Dafür bin ich nicht geschaffen.»

Samih Sawiris

Wofür sind Sie geschaffen?
Ich habe Visionen, bin sehr grosszügig im Ausgeben, wenn es darum geht, ein Ziel zu erreichen oder gute Leute anzustellen. Ich gebe am Anfang eines Projekts aus dem Grund eigentlich auch immer viel zu viel aus, ohne bis in alle Details zu rechnen. Ich gönne mir das, denn wenn man zu vorsichtig und zögerlich vorwärtsmacht, fährt einem der Zug vor der Nase ab.

Heisst: klotzen, nicht kleckern.
Es ist doch so: Sitzt man erst einmal im Zug und der fährt, kann man immer noch über alles nachdenken, Hauptsache, man ist drin. Ich treffe oft sehr spontane Entscheide, weil sie mir Sinn machen. Geld ist da nicht im Zentrum. Das holen wir erfahrungsgemäss später jeweils schon wieder herein.

Samih Sawiris

Grosser Plan: Samih Sawiris hat als Businessmann alles erreicht, was er wollte. Nun will er beweisen, dass er nicht nur Geld machen kann. Projekt: Konzertpianist.

Quelle: Anne Gabriel-Juergens für BILANZ

Orascom scheint effektiv Fahrt aufzunehmen, 32 Prozent mehr Umsatz im ersten Quartal, erstmals wieder ein Gewinn seit 2015. Die Trendwende?
Es läuft tatsächlich in allen Bereichen gut, und die Dinge entwickeln sich wie erwartet positiv, wir sind auf gutem Weg. Umsatz und Profitabilität werden sich in den nächsten Jahren substanziell verbessern.

Die Aktionäre bleiben skeptisch, der Kurs dümpelt weiterhin vor sich hin. Verfolgen Sie das? 
Der Aktienkurs interessiert mich persönlich nicht ­besonders, aber Khaled Bichara, den Gruppen-CEO, natürlich schon. Er ist inzwischen ja nicht mehr nur ein Mitarbeiter, sondern mein Partner, hat von mir zweieinhalb Prozent am Unternehmen bekommen ...

... geschenkt?
Ja. Es war der Preis, den ich zahlen wollte, damit ­jemand wirklich auf diese Gesellschaft aufpasst, nun, da ich mich immer mehr aus allem herausnehme. Er bekommt über die nächsten paar Jahre weitere zweieinhalb Prozent, wenn er das eine oder andere erreicht. Dann hat er fünf Prozent und ist nicht mehr weit von meinen eigenen Kindern entfernt, die jeweils sieben Prozent bekommen.

169 Franken war die Orascom-Aktie am Tag ihrer Emission im Mai 2008 wert. Aktuell wird der Titel zu 13.80 Franken gehandelt.

Warum sieben? 
Mir gehören 70 Prozent an Orascom, und die verteile ich auf zehn: Drei Zehntel bekommt die Sawiris Foundation für Social Development, je ein Zehntel erhalten meine fünf Kinder, meine Frau und meine Ex-Frau.

Ihre Ex-Frau?
Ja, sie ist eine gute Freundin in meinem Leben ­geblieben.

Wie haben Sie das hingekriegt?
Ich war immer ehrlich und habe offen gezeigt, wo ich stehe. Ich habe nie einer Frau Exklusivität versprochen, bis zur Hochzeit. Als es dann nach der Hochzeit damit nicht mehr klappte, haben wir uns getrennt.

39 Prozent hat der Umsatz von Orascom im Geschäftsjahr 2018 zugelegt, aber bis jetzt noch keinen Gewinn generiert.

Themawechsel: Klimawandel, Klimastreik.
Klingt zynisch, ist aber wahr: Die globale Erwärmung hilft uns. Hier in Andermatt ist ziemlich viel Schnee zu erwarten, alle kommen gerne in höhere Lagen.

Sie meinen, Sie profitieren.
Einerseits. Andererseits haben wir auch Millionen ­investiert, um El Gouna und Andermatt CO2-neutral zu machen. Und zwar freiwillig.

Spüren Sie das derzeit omnipräsente schlechte ­Gewissen bezüglich Flugreisen in Ihrem Geschäft?
Null, im Gegenteil. Und das verwundert mich nicht. Es gibt einfach gewisse Dinge, über die man nicht diskutieren kann. Will man eine Veränderung, muss man sie verordnen und, wo möglich, über den Preis regeln. Ich bin absolut dafür, dass alles mehr kosten sollte, damit es besser werden kann. Wie zum Beispiel die Amerikaner ihre Häuser bauen, ist doch einfach unverschämt.

Apropos, was halten Sie vom US-Präsidenten ­Donald Trump?
Er ist das Beste, was Ägypten passieren konnte. Weil er den fanatischen Islamisten null Respekt und Akzeptanz entgegenbringt, im Gegensatz zu seinem Vorgänger und dessen Aussenministerin. Für die USA selber sieht das meiner Ansicht nach anders aus. Aber er wird wohl nicht lange im Amt bleiben, nun, da er sich mit den Chinesen angelegt hat.

Ihr Szenario?
Die Chinesen werden taktieren bis zur Wahlzeit, dann die USA in die Krise bringen, indem sie ein paar hundert Milliarden Bonds verkaufen. Das gibt Panik auf dem Bondmarkt. Dann werden sie auch noch einigen der grössten US-Unternehmen von einem Tag auf den anderen nicht mehr erlauben, mit China zu geschäften. Das wird nicht nur den Amerikanern, sondern auch den Chinesen wehtun.

Die meisten Beobachter gehen daher davon aus, dass keine Seite sich einen Kollaps erlauben wird.
Ich hoffe es. Allerdings hat die Regierung in China keine Angst vor dem Volk. In den USA wird die Regierung jedoch gewählt.

Schwarz oder weiss, Herr Sawiris?

Berge oder Meer?
Fraglos das Meer, auf meinem Boot.

Tag oder Nacht?
Die Nacht, die macht mehr Spass, am Tag gibt es immer so viel zu tun.

Selber fahren oder chauffieren lassen?
Den Toyota Land Cruiser fahre ich in der Wüste selbst, sonst lasse ich mich fahren.

Wein oder Bier?
Wein, wir waren ja die Ersten, die in Ägypten welchen hergestellt haben, heute verkaufen wir vier Millionen Flaschen – ein tolles Geschäft.

Steak oder Pizza?
Steak mag ich sehr, Pizza mag ich nicht.

Jogging oder Yoga?
Ich schwimme.

Trump oder Putin?
Putin, er ist ein Macher und intelligent.

Wie sehen Sie die Situation und die Zukunft im Nahen Osten?
Das ist eine einzige grosse Katastrophe. Der Westen – Europa und die USA – hat mit seinen diversen militärischen Interventionen alles dermassen durcheinandergebracht und so viel Unheil angerichtet, dass diese Region nicht mehr von alleine auf die Beine kommt. Da bräuchte es eine sehr starke Person, der gedroht wird, dass sie abgesetzt wird, wenn sie das Unheil vergrössert.

Wo soll diese herkommen?
Ich sehe niemanden. Ich sage ja, es ist eine einzige grosse Katastrophe.

Wonach streben eigentlich Sie? 
Nach Ausgleich, in allem. Viel Freude, viel Arbeit; viel nehmen, viel geben; viel Zeit für sich, viel Zeit für ­andere.

Ihr Weg zu diesem Ziel?
Ich nehme mir jeden Morgen drei, vier Stunden Zeit für mich allein. Da kann ich nachdenken, finde zu mir. Und ich nehme jetzt viele Ferien. Zweimal pro Jahr gehe ich für eine Woche in die Wüste und einmal für zwei Monate auf mein Boot.

Sie haben zwei höchst erfolgreiche Brüder. Der ­älteste, Naguib, ist mit Telekom zum Milliardär ­geworden, der jüngste, Nassef, ist dick im Bau­geschäft und hat zuletzt bei der Fusion von Holcim und Lafarge einen goldenen Schnitt gemacht. Ticken die wie Sie?
Nein, wir haben recht unterschiedliche Temperamente und ticken anders. Ich gebe mich schneller mit einem Ergebnis zufrieden als sie, sie arbeiten deshalb auch viel mehr, als ich das tue.

Das Beste an Ihrem Leben?
Die Lebensfreude, die ich mir erlaube. 

Samih Sawiris

Samih Sawiris auf der Treppe seines Konzertsaals in Andermatt. Geplant und auch bereits im Bau war ein unterirdischer Konferenzraum.

Quelle: Anne Gabriel-Jürgens für BILANZ

Was hat Sie geprägt?
Meine Eltern. Die Mutter hat uns erzogen, der Vater war unser Vorbild. Er hat uns extrem viel Freiheit gegeben und uns nie forciert, bei ihm im Unternehmen einzusteigen, wie das andere Patriarchen tun. Wir durften unsere eigenen Firmen gründen – und seinen Namen ausnutzen.

Ausnutzen?
Sawiris zu heissen und eine Firma zu haben, die Orascom heisst, bedeutet bei uns, im Markt viel schneller akzeptiert zu werden, obschon der Vater mit dem Geschäft an sich gar nichts zu tun hat. Ich konnte schnell Fuss fassen und habe in dem Sinn nicht wirklich bei null angefangen, mit dem Namen ...

... und dem Vermögen.
Die Bedingung des Vaters war: Entweder kommst du zu mir in die Firma, oder du machst es allein. Ich sagte zu ihm, ohne Geld kann ich nicht anfangen. Er gab mir 50 000 Dollar. Das wars.

Was haben Sie damit angefangen?
Ich habe Boote gebaut, als Erster und Einziger in Ägypten, und konnte praktisch verlangen, was ich wollte. Wer ein Boot wollte, musste zu mir kommen. Nach zwei, drei Jahren gab es logischerweise Konkurrenz, weil sie sahen, dass ich damit wirklich viel verdiente. Dann habe ich aufgehört. Ich war immer bei allem, was ich gemacht habe, ohne Konkurrenz, das war mir sehr wichtig.

« Ich war immer bei allem, was ich gemacht habe, ohne Konkurrenz, das war mir sehr wichtig.»

Samih Sawiris

Warum?
Damit ich keine Kompromisse machen und keine Vergleiche gewärtigen muss.

Das ändern Sie nun mit ihrem Projekt O West. Sie ­investieren via Orascom vier Milliarden Franken in der Nähe von Kairo für den Bau von 19 000 Wohneinheiten.
Das war nicht meine Idee, und ich hätte auch nicht den Mut gehabt dafür. Es war Khaled Bichara, der sagte, dass es dumm wäre, mit dem Namen, den wir haben, und dem Track Record nicht in den Erst­residenzmarkt einzusteigen. Dieser ist gross, stabil, bringt schnelles Geld. Er hat mich überzeugt. Ich habe ihm gesagt: Wenn du das willst, dann mach es.

Das Projekt hat eine wechselvolle Geschichte: Das Land haben Sie unter Hosni Mubarak gekauft, dann in der Revolution verloren, nun verzichten Sie auf 1,6 Quadratkilometer Land zugunsten des Staates und ­liefern diesem auch noch 26 Prozent Ihrer Einnahmen aus O West ab. Klingt nach einem Kuhhandel.
Ich empfand es spontan auch als Erpressung und bin ja auch gar nicht erpicht auf Kooperationen mit der Regierung. Khaled Bichara hat mich aber davon überzeugen können, dass es sich um eine für Orascom gute Lösung handelt.

«Das Projekt O West war nicht meine Idee, und ich hätte auch nicht den Mut gehabt dafür.

Samih Sawiris

Sie scheinen dem Mann ja blind zu vertrauen.
Ich vertraue ihm voll und ganz, aber nicht blind, sondern sehenden Auges. Er hat das ganze Projekt im Detail durchgerechnet und kam zum Schluss, dass O West ein Erfolg werden wird. Die ersten paar hundert Einheiten sind schon verkauft.

Und die Zugeständnisse bezüglich Land und Geld?
Wir haben das Land ja nicht einfach so überlassen, sondern mit der Bedingung, dass der Staat dort Wohnungen für Einkommensschwache baut. Und die 26 Prozent, die wir aus dem Verkauf der Villen abliefern müssen, sind mir egal, ich habe genug Geld. Ich will auch meinen Kindern nicht zu viel geben und ihnen die Freude vorenthalten, die wir drei Brüder beim Geldmachen hatten. 

Wird eines Ihrer Kinder dereinst übernehmen?
Es sieht nicht danach aus. Ich erwarte das auch gar nicht. Sie werden wie ich ihren eigenen Weg einschlagen. Ich habe vier Mädchen und einen Jungen. Er ist 28, hat in Stanford studiert und nun seine eigene Firma im Silicon Valley. Gegründet aus eigener Kraft. Wie ich ­damals.

Dieses Interview erschien in der Juli-Ausgabe 07/2019 der BILANZ.