1. Home
  2. People
  3. In Hollywood übernimmt die junge Garde

Regie-Oscar 
In Hollywood übernimmt die junge Garde

In Hollywood übernimmt die junge Garde
Damien Chazelle: Der «La Land»-Macher könnte jüngster Oscar-Gewinner werden.Keystone

In Hollywood geben junge Regisseure den Ton an: Von den fünf Oscar-Kandidaten in der Sparte «Beste Regie» sind in diesem Jahr vier zum allerersten Mal für den höchsten Regiepreis nominiert.

Oscar-Veteranen wie Martin Scorsese und Steven Spielberg stehen am Rand - in Hollywood geben junge Regisseure den Ton an. Der 32-jährige «La La Land»-Macher Damien Chazelle könnte gar als jüngster Gewinner in die Oscar-Geschichte eingehen.

Sein Mitstreiter Barry Jenkins ist nur fünf Jahre älter. Mit dem Drama «Moonlight» inszenierte er ein bewegendes Porträt über die harte Kindheit und das Erwachsenwerden eines schwulen Jungen im Drogenmilieu von Florida. Auch für den 37-jährige Afroamerikaner wäre es ein historischer Oscar-Sieg, zumal er als erster schwarzer Regisseur Gold gewinnen würde.

Jenkins und Chazelle zählen zu der neuen, jungen Hollywoodgarde, die Veteranen wie Martin Scorsese (74, «Silence»), Clint Eastwood (86, «Sully»), Oliver Stone (70, «Snowden») und Steven Spielberg (70, «BFG – Big Friendly Giant») aus dem Rennen geworfen hat.

Von den fünf Kandidaten in der Sparte «Beste Regie» sind in diesem Jahr vier zum allerersten Mal für den höchsten Regiepreis nominiert. Neben Jenkins und Chazelle sind das die - etwas älteren - Kenneth Lonergan, 54, für das Drama «Manchester by the Sea» und der Kanadier Denis Villeneuve, 49, («Arrival»). Mit Mel Gibson, 61, («Hacksaw Ridge») ist nur ein Hollywood-Oldie dabei, der 1996 für «Braveheart» zum besten Regisseur gekürt wurde. Insider räumen Gibson in diesem Jahr aber kaum Chancen ein.

Volltreffer «La La Land»

Chazelle dagegen sollte eine Dankesrede für die Oscar-Bühne parat haben. Schliesslich räumt er seit Monaten Preise ab: die begehrte Trophäe der US-Regisseursvereinigung DGA, den Regie-Preis bei den Baftas in London, den Golden Globe in Hollywood. «Das ist alles so surreal», stammelte er Backstage bei der Globe-Verleihung Anfang Januar. Doch er habe hart daran gearbeitet, die beschwingte Liebesromanze zwischen einem Jazz-Pianisten (Ryan Gosling] und einer angehenden Schauspielerin (Emma Stone) auf die Leinwand zu zaubern, versicherte der Harvard-Absolvent.

Chazelle, der selber ein passionierter Musiker ist, gab erst vor zwei Jahren mit dem Musik-Drama «Whiplash» seinen Hollywood-Einstand. Die nostalgische Musical-Hommage «La La Land», sein Herzensprojekt (auch das Oscar-nominierte Originaldrehbuch stammt von Chazelle), ist nun ein Volltreffer: Mit 14 Nominierungen der grosse Oscar-Favorit, mit über 340 Millionen Dollar Kinoeinnahmen weltweit auch der finanziell erfolgreichste Film der neun Anwärter in der Königskategorie «Bester Film».

Bittersüsse Erfolgsgeschichte

Barry Jenkins drehte sein Sozialdrama «Moonlight» mit weniger bekannten Schauspielern und einem extrem kleinen Budget. Er selbst wuchs in einem ärmlichen Schwarzenviertel in Miami auf, «Moonlight» ist sein zweiter Spielfilm. Jenkins ist wie Chazelle gleich für zwei Oscars nominiert, als Regisseur und Autor für das beste adaptierte Drehbuch.

Seinen Erfolg beschreibt er als «bittersüss». Nun höre er von Leuten aus seiner früheren Umgebung, die ihn als Vorbild und Inspiration für Veränderung ansähen, erzählte Jenkins dem Branchenblatt «Variety». Es sei eine «wunderbare Sache», wenn Menschen sich verwirklichen können. Doch es ist 2017, betont Jenkins. Erfolge schwarzer Filmemacher sollten längst selbstverständlich und nicht etwas Besonderes sein.

Frauen noch immer wenig beachtet

Eine weitere Ausnahme ist es, wenn Frauen in der Regie-Sparte nominiert werden. 2017 ist wieder reine Männersache. Kathryn Bigelow ist Hollywoods einzige Oscar-prämierte Regisseurin. 2010 triumphierte sie mit dem Low-Budget-Film «The Hurt Locker». Vor ihr wurden erst drei Frauen für die Regie-Trophäe nominiert: Sofia Coppola («Lost in Translation», 2003), Jane Campion («The Piano», 1993) und Lina Wertmüller mit «Seven Beauties» (1975).

Wenn «La La Land» in der Oscar-Nacht nach den Sternen greift, schaut Damien Chazelle schon weiter - in Richtung Mond. Als nächstes packt der Regisseur die Filmbiografie «First Man» über den ersten Mann auf dem Mond an. Ryan Gosling soll in die Rolle des Astronauten Neil Armstrong schlüpfen. Das grosse Studio Universal steht hinter dem Projekt. Mit oder ohne Regie-Oscar: Chazelles Höhenflug in Hollywood ist nicht zu bremsen.

(sda/ccr)

Anzeige