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Datenskandal 
High Noon für Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg
Mark Zuckerberg: Nach Wochen voller Skandalmeldungen sagt der Facebook-Chef erstmals vor dem US-Kongress aus.Quelle: Alex Wong/Getty Images

Facebook-Chef Mark Zuckerberg muss dem US-Kongress Rede und Antwort stehen. Es könnte sein bislang schwerster Gang werden.

Tim Höfinghoff
Von Tim Höfinghoff
09.04.2018

Ob er wie sonst immer lässig in Jeans und T-Shirt kommt? Sicher nicht. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wird sich dieses Mal bestimmt einen Anzug und eine passende Krawatte zurechtlegen

Seriosität ist gefragt, wenn der 33-jährige Milliardär in der US-Hauptstadt vor dem Kongress aussagen wird. Vor zwei Ausschüssen soll er ab heute Dienstag Rede und Antwort stehen. Die Lage ist ernst. Zuckerberg hat Facebook vor 14 Jahren gegründet. Er hat die Mehrheit der Stimmrechte. Er ist der Boss. Nun muss er sich wegen mehrerer Skandale rechtfertigen wie noch nie.

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Einfluss von Facebook im Fokus

Es geht nicht nur um den Datenskandal, bei dem die Beratungsfirma Cambridge Analytica die Daten von Millionen von Facebook-Nutzern absaugte und für politische Zwecke nutzte. Es geht um den immensen Einfluss von Facebook weltweit und den Datenschutz von Milliarden von Nutzern.

Bisher hat sich Zuckerberg gerne zurückgehalten mit öffentlichen Entschuldigungen. Dann aber, als die Krise sich zuletzt immer mehr zuspitzte, musste er doch Interviews geben und Zeitungsanzeigen schalten. Auch seine rechte Hand, Sheryl Sandberg, hat letztlich öffentlich Stellung bezogen. Doch in Washington D.C. vor Parlamentariern antraben und sich von ihnen grillen lassen, alles im TV live übertragen – das hat Zuckerberg noch nie machen müssen. Bisher hat er immer seine Anwälte geschickt. Jetzt steht er selbst im Scheinwerferlicht.

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Sheryl Sandberg, COO von Facebook, hat nach langem Schweigen endlich geredet.
Quelle: Antoine Antoniol / Getty Images

Auch Eric Schmidt und Tim Cook wurden schon gegrillt

Er wird sich reumütig und demütig geben müssen. Und viele Antworten auf viele unbequeme Fragen liefern müssen. Wie so etwas abläuft, haben andere Tech-Stars schon längst erlebt: Eric Schmidt von Google musste sich im Jahr 2011 vor US-Politikern äussern, zwei Jahre später war Apple-Chef Tim Cook an der Reihe.

Zuckerberg muss am Dienstag erst zu einer Sitzung des Rechts- und Handelsausschusses im US-Senat (ab 14:15 Uhr US-Zeit in Washington, 20:15 Uhr MESZ). Dann, am Mittwoch, geht es zur Befragung im Energie- und Handelsausschuss des US-Repräsentantenhauses (ab 10 Uhr US-Zeit, 16 Uhr MESZ).

Zuckerberg wird dort auf Politiker treffen, die mächtig verärgert sind über die Geschäftspraktiken seiner Firma, sowohl auf Seiten der Demokraten als auch bei den Republikanern. Bisher galt vor allem in den USA das Motto: Facebook und die anderen Highflyer der Techszene sorgen schon irgendwie selbst dafür, welche Regeln es für sie gibt. Zu viel Druck vonseiten der US-Politik hat es jedenfalls nicht gegeben.

Das hat sich mittlerweile geändert. «Ich glaube, wir sind an einem Zeitpunkt, um Rechenschaft abzulegen», zitiert die Zeitung «Washington Post» den Politiker Richard Blumenthal, einen Senator der Demokraten aus Connecticut. «Es ist High Noon für Facebook und die Tech-Industrie.» Blumenthal wird einer derjenigen Parlamentarier sein, die Zuckerberg in die Mangel nehmen wollen. Mehr Regulierung in Sachen Facebook sei wohl nötig, argumentiert auch Senator John Kennedy, ein Republikaner aus Louisiana, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Kennedy ist ebenfalls Teil derjenigen Politiker, die Zuckerberg befragen.

Mark Zuckerberg
Grosser Medienrummel: Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich im Vorfeld der Anhörung mit einzelnen Senatoren getroffen.
Quelle: Win McNamee/Getty Images

Es drohen hohe Geldstrafen

Dass solche Hearings vor US-Politikern alles andere als entspannend für die Befragten sind, weiss auch Zuckerberg. Für ihn steht viel auf dem Spiel. Es geht um sehr viel mehr als schlimmstenfalls ein dummes Gesicht live im Fernsehen abzugeben, wenn er keine passenden Antworten auf kritische Fragen der Parlamentarier weiss.

Jede seiner Aussagen, wahrscheinlich sogar unter Eid, argumentiert die «Washington Post», könne erhebliche politische und juristische Folgen haben. Nicht nur in den USA, sondern weltweit haben Regulierungsbehörden in Sachen Facebook Untersuchungen gestartet. Es drohen hohe Geldstrafen sowie eine Verschärfung der Regeln für Facebook.

Die US-Politiker wollen sich allen voran auf die Frage konzentrieren, wie es im Detail für Cambridge Analytica möglich war, die Daten von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern zu erhalten. Ausserdem wollen sie sich darauf konzentrieren, wie Facebook die Datensicherheit seiner Kunden sicherstellen will – und zwar bevor etwas passiert und nicht erst, nachdem ein weiterer Skandal bei Facebook öffentlich geworden ist.

Folgen für die Demokratie

Im Kern wird es darum gehen, wie Zuckerberg die «Integrität und die Sicherheit» seiner Plattform sicherstellen will, so Senator Edward Markey laut «Washington Post». Und für die Abgeordnete Anna Eshoo aus Kalifornien zählt, was das alles für Folgen für die Demokratie hat.

Es sind also die ganz grossen Fragen, die Zuckerberg beantworten muss in diesen beiden Tagen in Washington. Seine PR-Strategen und Anwälte haben ihn vorab intensiv trainiert – für einen der wohl wichtigsten öffentlichen Auftritte seines Berufslebens.

Kein Wunder, dass Zuckerberg schon am Montag in der US-Hauptstadt unterwegs ist, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Er will sich vorab mit Parlamentariern treffen. Zum Aufwärmen für den grossen Showdown am Dienstag und Mittwoch sozusagen.