Herr Hess, haben die Unternehmen gewartet, bis die Wahlen vorbei sind, um den Abbau von Arbeitsplätzen zu vermelden?
Das ist absoluter Mumpitz. Die Firmen haben keine Zeit, ihre Pläne auch noch mit der politischen Agenda abzustimmen. Seit Februar werden leider jeden Monat Personalmassnahmen angekündigt.

Gewerkschafter Corrado Pardini sieht das aber anders.
Auf die Wahlen haben die Firmen bestimmt nicht geachtet, diese Theorie existiert nur im Kopf von Herrn Pardini. Die Firmen erleben wegen des Nationalbank-Entscheids vom 15. Ja­nuar einen Kostenschock von 15 Prozent. Sie müssen folglich rasch und nachhaltig die Kosten senken. Da bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, falls sie mit der Konkurrenz aus dem Ausland mithalten wollen.

Wie viele Stellen wurden in der Industrie seit Anfang Jahr gestrichen?
Im ersten Halbjahr sind rund 7000 von 330 000 Stellen verschwunden. Wir gehen davon aus, dass dieser durch den Frankenschock akzentuierte Strukturwandel im zweiten Halbjahr im gleichen Tempo weitergeht. Damit würden 2015 an die 15 000 Stellen abgebaut. Und leider dürfte das auch nächstes Jahr noch weitergehen.

Der Euro hat sich aber etwas erholt, sollte das den Unternehmen nicht helfen?
Doch, natürlich geht es den Firmen besser, wenn sie mit einem Wechselkurs von 1.08 Franken rechnen können statt mit Parität zum Euro. Dennoch mussten sie massive Margeneinbrüche hinnehmen, ein Drittel der Industriefirmen wird 2015 rote Zahlen schreiben. Teilweise massive Rückgänge sehen wir jetzt auch bei den Auftragseingängen, den Umsätzen und dem Export. Zudem gibt es noch andere Faktoren, die derzeit auf das Ergebnis drücken, wie zum Beispiel die abkühlende Konjunktur in China, wohin immerhin rund fünf Prozent der Industrieexporte gehen. Umso wichtiger ist jetzt, dass uns die Politik nicht noch zusätzliche Hürden einbaut. Wir hoffen, dass dies mit dem neuen Parlament besser wird.

Wie bitte? Sie als Vorkämpfer für die bilateralen Verträge vertrauen jetzt auf das SVP-dominierte Parlament?
Die SVP ist bei verschiedenen Themen unserer Meinung, zum Beispiel bei der Finanz- und Steuerpolitik. Bei der Aussen- und der Aussenwirtschaftspolitik hingegen gibt es sehr grosse Differenzen. Das ist ein grosses Problem, das wir auch nicht schönreden sollten.

* Hans Hess ist Präsident des Verbands der Maschinenindustrie Swissmem und Vize von Economie­suisse. Der 59-Jährige kämpft für gute Rahmenbedingungen für den Werkplatz Schweiz.

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