Privat hat Francisco Fernandez einen Hang zu schnellen Autos: Ferrari, Porsche und ein hochmotorisierter Mercedes zieren seine Fahrzeugsammlung. Jetzt gibt der Gründer und Chairman des Bankensoftwarehauses Avaloq auch unternehmerisch Vollgas: Anfang April lancierte er im Zürcher Hotel Dolder Grand offiziell sein neues Venture Formula V.

Die Ambitionen sind gewaltig. Rund um die Welt will Fernandez Lounges mit Rennsimulatoren eröffnen – «keine simplen Spielkonsolen, sondern echte Hightech-Geräte», wie er sagt: mit Rundum-Bildschirmen und Hydraulik, mit originalen Bremspedalen aus der Formel 1 und dem Steuerrad von Sebastian Vettel aus der letzten Saison. Stückpreis der Geräte: 120 000 bis 180 000 Franken, «ungefähr so viel wie ein Porsche» (Fernandez).

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Hergestellt werden sie von der italienischen Firma Evotek, die Fernandez kürzlich mehrheitlich übernommen hat (gerüchteweise für einen hohen einstelligen Millionenbetrag) und die nun von Manufaktur auf Serienfertigung umstellt.

FormulaV Simulator

Fast wie echt: Gefahren wird auf originalen Rennstrecken, die Zuschauer können über das Wetter abstimmen oder eine Katze über die Fahrbahn laufen lassen.

Quelle: Andrea Monica Hug

500 Standorte mit je fünf bis sechs Simulatoren

Mehr als 500 geeignete Standorte weltweit hat der 55-Jährige für seine Lounges identifiziert, jede soll fünf bis sechs Simulatoren bieten. Die ersten beiden Lounges in Cham und beim Ferrari-Sitz in Maranello sind bereits eröffnet, in den nächsten Monaten sollen Zürich, Madrid und Moskau folgen. Weitere werden im Franchise-System hochgezogen.

Die ersten zehn Millionen Franken für Formula V zahlt Fernandez aus dem eigenen Sack, danach plant er eine grosse Kapitalerhöhung: «50 oder 100 Millionen Franken sind im Gespräch, aber hoffentlich reichen weniger.»

Software-König Fernandez

Er hat mit seiner Avaloq die grösste Klippe der Firmengeschichte umschifft. Francisco Fernandez könnte sich zurücklehnen. Doch er startet neu. Mehr dazu lesen Sie hier.

Stundenweise oder als Abo buchbar

Die Kunden können die Simulatoren stundenweise buchen oder Abos lösen. Auf 200 000 bis 300 000 Personen schätzt Fernandez die Zielgruppe: «Wir demokratisieren die Formel 1.» Wichtigster Anreiz ist dabei, dass die Fahrer in Echtzeit gegeneinander antreten können. So beginnt im Mai die erste Schweizer Meisterschaft über sechs Rennen, das Preisgeld für den Sieger beträgt 30 000 Franken.

Guido Tognoni

Ex-Fifa-Mann Guido Tognoni soll den internationalen Formula-V-Verband aufbauen.

Quelle: Andrea Monica Hug

Internationale Wettbewerbe sollen in einem Verband organisiert werden. Verantwortlich dafür ist Ex-Fifa-Mann Guido Tognoni. Auch der erste Rennstall ist bereits gegründet, mit dem bisherigen Formel-4-Fahrer Jean Vogel. Später sollen auch Transfers in die andere Richtung erfolgen, vom simulierten in den echten Rennsport.

Für die Vermarktung setzt Fernandez vor allem auf Influencer, etwa auf Sophia Thomalla (eine Million Abonnenten auf Instagram). Bisher mit überschaubarem Erfolg: Die deutsche Schauspielerin veröffentlichte zu Formula V erst einen Post.