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Gespräch 
«Fake News sind nicht so sehr ein Problem»

«Fake News sind nicht so sehr ein Problem»
Brad Parscale: «Ich bin glücklich, dass Trump twittert.»The Washington Post/Getty ImagesQuelle: Keystone

Brad Parscale war der Social-Media-Chefstratege für Donald Trumps Wahlkampf. Wie er ein Jahr nach der Wahl auf die US-Regierung blickt und warum er glücklich ist, dass Trump twittert.

Von Karen Merkel
2017-11-10

Vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl wurde Brad Parscale oft belächelt. Jetzt lacht niemand mehr. Dafür gibt es nicht wenige, die Parscale erheblichen Einfluss auf Donald Trumps Wahlsieg zusprechen. Social Media, Online-Medien, später auch TV, Digitalcrack Brad Parscale verantwortete für alle diese Bereiche die Wahlkampf-Strategie. Er verfügte über ein Budget von 100 Millionen Dollar.

Und sagte nach der Wahl, Facebooks Mitarbeiter hätten bei der Verbreitung von Trumps Botschaften bereitwillig mitgewirkt – weil sie ihren Anteil am Werbebudget sichern wollten. Auf dem Web Summit in Lissabon spricht Parscale über seine Strategien und seine Sicht auf Trumps Regierung.

Wie denken Sie, wird sich der Einfluss von Social Media auf politische Wahlen entwickeln?
Brad Parscale*: Ich kann nicht für einzelne Länder sprechen wie zum Beispiel Portugal, das ich zum ersten Mal besuche. Ich denke aber, dass die USA einen Weg aufgezeigt haben, wie Themen aufgrund von Datenanalyse angegangen werden können. Es ist schwer vorstellbar, dass diese Methoden nicht von anderen Ländern aufgegriffen werden. Aber natürlich ist jedes Land anders und hat andere Gesetze, darum wird das Ausmass sicherlich auch unterschiedlich ausfallen.
 
Was ist Ihre Haltung zum Thema Fake News?
Meiner Meinung sind nicht so sehr Fake News ein Problem, als vielmehr «Biased News». Die Tatsache, dass politische Berichterstatter ihre Analysen von ihren Meinungen beeinflussen lassen und die Darstellung entsprechend geprägt ist. Ich weiss nicht, wie die Situation hier in Europa ist, aber in den USA ist das die Entwicklung.
 
Haben Sie Fake News in Ihrer Kampagne verwendet?
Meine Aufgabe war es nicht, Nachrichten zu kommunizieren. Meine Aufgabe war es, Geld durch Fundraising einzuwerben und Marketing zu betreiben.
 
Wie hat sich für Ihr Empfinden die politische Diskussion in den USA unter dem Einfluss von Donald Trumps Tweets entwickelt?
Ich weiss nicht, ob ich dazu eine Meinung habe – ich bin einfach glücklich, dass Trump twittert. Er steht mit der Bevölkerung im Dialog, ich sehe, wie die Leute auf ihn reagieren. Es ist nicht an mir, das zu diskutieren.
 
Würden Sie erneut eine Kampagne für Trump führen?
Diese Entscheidung liegt bei ihm, nicht bei mir. Sollte es soweit kommen, hoffe ich, dass er anruft.

*Brad Parscale arbeitete seit 2011 für Donald Trump und war 2015 einer der ersten Strategen, die der heutige US-Präsident nach Bekanntgabe seiner Kandidatur hinzuzog. Er verantwortete die Strategie für Social Media und Online und später auch für TV und Print. Am Web Summit 2017 in Lissabon ist er als Speaker zu Gast.

Was aus Trumps Wahlkampfversprechen wurde, sehen Sie in der Bildergalerie:

 

 

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