Mitte Januar räumte Marcel Stalder als Schweiz-Chef des Rechnungsprüfungskonzerns EY seinen Posten. Nach den Missbrauchsvorwürfen müsse wieder Vertrauen geschaffen werden, erklärte Julie Linn Teigland, Regional Managing Partner von Deutschland, Österreich und der Schweiz, den Mitarbeitenden in einer internen Mitteilung. Nachdem Angestellte einen EY-Partner der sexuellen Belästigung beschuldigt und mehrere Medien darüber berichtet hatten, schaffte es Stalder nicht, sich ganz aus der Verantwortung zu ziehen.

Nun wundern sich einige in der Branche, dass der abtretende Chef dennoch seine Funktion als Market Leader für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) behalten darf. Auf Anfrage erklärt eine Sprecherin, Stalder habe sich entschieden, «ganz auf seine Marktrolle in der DACH-Region zu fokussieren und die Führungsverantwortung von EY Schweiz an ein neues Management zu übergeben».

Sein Einfluss ist stark beschränkt. Als «Market Leader GSA», wie die Funktion genau heisst, ist er noch für die Marktbearbeitung in einzelnen Geschäftsbereichen verantwortlich. Der wichtige Bereich «Financial Services» gehört nicht dazu. Nicht abgeben muss Stalder seine Anteile: Er bleibt einer von 144 Partnern.

Vorstandsmitglied bei Digitalswitzerland

Ziel seines Rücktritts als Schweiz-Chef soll angeblich gewesen sein, sich aus dem Rampenlicht zu nehmen. Doch hierzulande tritt er regelmässig auch als Vorstandsmitglied des Vereins Digitalswitzerland auf. Wird er das Amt ebenfalls abgeben?

Stalder will sich dazu nicht äussern. Bei Digitalswitzerland heisst es auf Anfrage, es liege bei EY und Stalder zu entscheiden, ob man eine andere Vertretung in das sogenannte Executive Committee schicken wolle.

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