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Erben: Goldenes Asyl

Geerbtes Vermögen zu geniessen, ist angenehm. Doch nur dann, wenn der Steuervogt nicht allzu heftig zulangt. Nicht zuletzt deshalb haben sich viele ausländische Grosserben in der Schweiz niedergelassen.

Veröffentlicht 24.11.2004

Familien Oeri und Hoffmann

BS
Pharma
12–13 Milliarden

siehe Artikel zum Thema «Top ten»

Erben Thyssen-Bornemisza

TI
Beteiligungen, Kunst
2–3 Milliarden

Francesca Anne Dolores (Bild) von Habsburg-Lothringen, Zweitgeborene und Tochter des legendären und lange lebenslustigen Barons Hans Heinrich («Heini») von Thyssen-Bornemisza, folgt eher dem lockeren Lebensstil des verstorbenen Vaters. Extrem extrovertiert, zumindest im Vergleich mit dem acht Jahre älteren Bruder Heinrich Georg, verkündet Kaiserliche Hoheit ohne jede Scheu nach elf Ehejahren und drei Geburten die räumliche Trennung vom Herrn Gemahl, Österreichs Kaiserenkel und Erzherzog Karl von Habsburg-Lothringen. Gehässige Klatschkolumnisten hatten den Gatten schon mal mit der Typisierung «Valium 40» als nicht sonderlich lebenslustig charakterisiert.

Friede, vielleicht besser Waffenstillstand, herrscht nach Scharmützeln mit horrenden Prozesskosten im dreistelligen Millionenbereich unter den Erben von Baron Heini sel. Dessen fünfte und letzte Ehefrau, Witwe Carmen («Tita»), krallte aus dem Tessiner Depot auch die letzten der unermesslichen Kunstschätze und liess sie flugs ins heimische Madrid verfrachten. Die legendäre, angeblich für 60 Millionen Franken zum Verkauf stehende Villa Favorita in Castagnola TI, ist jedenfalls besenrein. Das noch werthaltigere Industrieimperium TBG mit juristischem Sitz auf den Bermudas nährt nun allein die vier leiblichen Kinder des Erblassers aus vier früheren Ehen. Georg Heinrich Thyssen-Bornemisza, nach altem Adelsrecht mit 54 Jahren neuer Clanchef, (noch) unverheiratet und doch längst Vater (von Sohn Simon), steuert mit Schweizer Pass gewohnt still, allerdings extrem professionell, die Holding aus Monaco.

Familie Niarchos

GR
Reederei, Beteiligungen, Kunst
2–3 Milliarden

Respekt! Die Nachkommen des legendären griechischen Reeders Stavros S. Niarchos rühren auch als Spender mit der grossen Kelle an. Seit 1996 flossen 203,5 Millionen Dollar aus der Niarchos-Stiftungskasse an 980 gemeinnützige Organisationen. Die Wahlbündner Brüder Philip und Spyros Niarchos achten darauf, dass eidgenössische Einrichtungen nicht zu kurz kommen. Die beiden Stiftungsdirektoren schütten landesweit aus. Geld gab es für Renovierungsarbeiten im Kloster Einsiedeln, für die Restauration von Malereien in der Zürcher Villa Garbald oder fürs Rote Kreuz in Genf. Über Zustupf freuen konnten sich auch etliche Empfänger in der St.-Moritzer Nachbarschaft der Niarchos-Erben: zum Beispiel das Kulturarchiv Oberengadin oder die Stiftung Waldhaus am See.

Reiner und Michael Schmidt-Ruthenbeck

ZH/SZ
Handel, Hotels
2–3 Milliarden

Mit ihrer Ferienhotel-Gruppe Travel Charme expandieren die Metro-Handelsmilliardäre Reiner und Michael Schmidt-Ruthenbeck nach Österreich. Am Achensee in Tirol übernahmen sie das Hotel Fürstenhaus Pertisau, lassen es derzeit mit Millionenaufwand polieren. Gegen eine halbe Milliarde Franken haben die Hobbyhoteliers bisher für ihren Ausflug in die Touristikbranche ausgegeben, speziell an der deutschen Ostseeküste Anlagen wie das Fünf-Sterne-Kurhaus Binz auf der Insel Rügen eingerichtet. «Das Investment ist auch eine Herzensangelegenheit», sagt ein Berater, mittelfristig sehr wohl eines mit Gewinnabsicht.

Karim Aga Khan

GE
Beteiligungen
1,5–2 Milliarden

Was bleibt vom Vermögen des 49. Imam der ismailitischen Muslime am Ende übrig? In erster Ehe war Prinz Aga Khan IV. mit dem englischen Ex-Mannequin Sally Croker Pool verheiratet. Nun hat seine zweite Frau, die deutsche Prinzessin Gabriele zu Leiningen, genannt Begum Inaara (41), im Oktober die Scheidung eingereicht. Zuvor war das Ehepaar, das sich 1998 das Jawort gegeben hatte, ein Jahr getrennt. Der Brite mit Genfer Wohnsitz muss wohl eine gehörige Portion seines Besitzes an seine Noch-Ehefrau abtreten. Doch wie gross ist das Vermögen des 68-Jährigen überhaupt? Die in der Stiftung Aga Khan Development Network zusammengefassten Aktivitäten, rund 90 Unternehmen mit weltweit 18 000 Beschäftigten, sind etwa 1,5 Milliarden Dollar wert. Aus der Stiftung sind im vergangenen Jahr 230 Millionen Dollar in wohltätige Projekte aus den Sektoren Kunst, Architektur, Bildung und Gesundheit geflossen. Im Genfer Sekretariat des Prinzen betont man, dass das Stiftungsvermögen nicht Aga Khan gehöre. Vielmehr seien die 18 Millionen Mitglieder seiner Glaubensgemeinschaft Besitzer der Milliarden. Auf den Scheidungsrichter wartet eine herkulische Aufgabe.

Familie Gebert

SG
Sanitärinstallationen
1,5–2 Milliarden

In diesem Sommer lösten die Nachkommen des 1998 verstorbenen Unternehmers Klaus Gebert ihre Erbengemeinschaft auf. Bis dahin hatten die sieben Erben – die Witwe, drei Töchter sowie drei Enkel – noch 6,8 Prozent am Sanitärtechnik-Konzern Geberit gehalten, dessen Aktienkurs sich in den letzten zwei Jahren verdoppelte. Die beiden Brüder Klaus und Heinrich Gebert hatten das 1874 gegründete Unternehmen bereits vor sieben Jahren für 1,8 Milliarden Franken verkauft. Der Ältere der beiden, der 87-jährige Heinrich Gebert, spendete seither 220 Millionen Franken für eine Stiftung zur Förderung der Hochschulen sowie 60 Millionen für ein Museum und Kulturzentrum in Appenzell.

Sylvia Ströher

FR
Beteiligungen, Immobilien
1,5–2 Milliarden

siehe Artikel zum Thema «Frauen»

Erben Dornier

ZH/ZG
Beteiligungen
1–1,5 Milliarden

Persönlich hortet der Zürcher Christoph Dornier natürlich kein Milliardenvermögen. Den Schatz teilt sich der Sohn des Luftfahrtpioniers Claude Dornier mit etlichen anderen Nachkommen, die ebenfalls seit Jahrzehnten in der Schweiz leben. Doch der Maler, Winzer und Wohltäter (Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie) ist ein Sympathieträger innerhalb der als streitsüchtig verschrienen Sippe. Beleg für bösartige Händel bietet der beendete Rechtsstreit um die Namensrechte für einen exquisiten Wein, den Christoph Dornier in Südafrika ausbaut. Den Tropfen durfte er lange nicht vermarkten, weil ein Verwandter – ohne eigene Weinberge, versteht sich – den Familiennamen speziell für Wein hatte schützen lassen. Jetzt, nach juristischem Sieg, darf die Domäne Dornier aus Stellenbosch liefern. Und in Windeseile spricht sich die Güte herum. Die Lufthansa schenkt Dornier-Weine in der First Class aus, ebenso die Kellner in Südafrikas Luxuszug Blue Train. Christoph-Sohn Raphael Dornier offeriert den Wein in der Schweizer Heimat, richtete in Zürich an der Breitingerstrasse die Mother City Wines ein. Der 66-jährige Senior offenbart Verkaufstalent: «Hier können die Tropfen bestellt werden: info@mcwines.ch

Familie Grohe
VD
Beteiligungen
1–1,5 Milliarden

Die Erben und Verkäufer der führenden Armaturenfirma Friedrich Grohe leben fast lautlos in der waadtländischen Wahlheimat. Unauffällig wickeln sie Anlagegeschäfte ab, etwa über die Familienfirma Ibe Holding in Zug. Ihre Namen tauchen allenfalls bei veröffentlichungspflichtigen Handänderungen auf, wenn zum Beispiel Charles Robert Georg Grohe, Schlossherr zu Gilly VD und früher Aufsichtsratsvorsitzender der Grohe AG, in der Zürcher Altstadt ein Anwesen erwirbt.

Familie Kahane

GR
Chemie, Banken
1–1,5 Milliarden

Lebensmittelpunkt von Alexander und Partricia Kahane, Erben des österreichischen Industriellen Karl Kahane, ist Wien. Dort engagieren sie sich unter anderem als Kunstmäzene – auch im Fonds des verstorbenen linken Bundeskanzlers Bruno Kreisky. Der Sitz ihres Chemieunternehmens Jungbunzlauer befindet sich in Basel, die Holding in Chur, einem Steuerparadies für Holdings. Der Weltmarktleader für Zitronensäure erzielt einen Umsatz von schätzungsweise 600 Millionen Franken. Hinzu kommt die Wiener Privatbank Gutmann, die den Kahanes zu 80 Prozent gehört und eine Eigenkapitalrendite von 20 Prozent abwirft. An einem eigens eingerichteten «Russian Desk» werden die Betuchten aus dem Osten betreut.

Erben Merck

ZH
Pharma, Abfallentsorgung
1–1,5 Milliarden

Frank Binder, Spross des Schweizer Zweiges der deutschen Pharmafamilie Merck, sorgt auch weiterhin branchenfremd für Wettbewerb – im Müllbusiness. Der Mehrheitsaktionär der Firma Landbell in Mainz sichtet am Zürcher Wohnsitz «grosse neue Geschäftsfelder», zum Beispiel «das komplette Management von Abfallströmen». Nachdem Binders Landbell das Müllrecycling-Monopol des Grünen Punktes geknackt hat und inzwischen in den beiden Regionen Hamburg und Hessen selbst Verpackungsmüll sammelt und verwertet, werden Vertragsabschlüsse mit zwei weiteren deutschen Bundesländern paraphiert.

«Wir sondieren auch im Ausland», sagt Binder über eine geplante Landbell-Expansion über die deutsche Grenze. Das Stammgeschäft, die Merck in Darmstadt, erreichte im zurückliegenden Jahr mit gut 28 000 Beschäftigten in 56 Ländern umgerechnet knapp elf Milliarden Franken Umsatz.

Erben Henkel

SG/ZG
Waschmittel, Vermögensverwaltung
500–600 Millionen

Alt Privatbankier Heinrich Thorbecke agiert aktiv auch nach Übergabe seines Geldhauses an die St. Galler Kantonalbank. Der Urenkel von Fritz Henkel, dem Gründer des deutschen Waschmittel- und Chemiegiganten Henkel, übt unverändert sein Mandat im Aufsichtsrat des Weltkonzerns aus. Der in St. Gallen eingebürgerte Lokalpatriot engagiert sich gerne für das Gemeinwohl. So unterstützt der 67-Jährige zum Beispiel die Junioren des Handballclubs TSV St. Otmar, spendiert kräftig für das Stadttheater. Sein ältester Sohn, Andreas Thorbecke, trat derweil ins Geschäftsleben ein, kümmert sich als selbstständiger Vermögensverwalter mit Sitz in Zug um Privatkunden.

Erben Röchling

BL/ZH
Wehrtechnik
400–500 Millionen

Die Unternehmensperle im Röchling-Konglomerat, die Rüstungsschmiede Rheinmetall, lieferte zuletzt Munition für Spekulation. Verkauft der 200-köpfige Röchling-Clan? Internationale Finanzgesellschaften wie Permira oder Blackstone sollen den Wehrtechnik- und Automobilzulieferer (4,2 Milliarden Euro Umsatz) ins Visier genommen haben. Peter J. Bally, einer der schwergewichtigen Teilhaber unter den Röchling-Erben, bleibt im Baselbieter Domizil in Deckung. Dafür marschiert der Vorsitzende des deutschen Verteidigungsausschusses auf. Der SPD-Parlamentarier Reinhold Robbe will einen Verkauf ins Ausland verbieten: «Strategisch bedeutsame Rüstungsbetriebe müssen im Land bleiben.»

Familien Bobst, de Kalbermatten, de Preux

VD
Maschinenbau
300–400 Millionen

Die Nachkommen von Firmengründer Joseph Bobst streben eine Diversifikation an. Die rund 30 Personen halten über die JBF Finance 41,3 Prozent am gleichnamigen Waadtländer Verpackungsmaschinenhersteller. Dieser hat ein schwieriges Jahr mit einer Gewinneinbusse von 60 Prozent hinter sich. Via JBF gehören den Bobst-Nachkommen auch 18 Prozent der börsenkotierten Lausanne-Ouchy Holding. Die Immobilienfirma ist an der Neugestaltung des Lausanner Quartiers Flon beteiligt und baut an bester Lage in unmittelbarer Nähe zur neuen Metro Gewerbe- und Büroräume. Dies ist laut JFB-Sprecher Laurent Rivier erst der erste Schritt in Richtung Diversifizierung.

Erben Geiger

BS
Körperpflegeprodukte
300–400 Millionen

Der Buchhändler Hanspeter Lüdin gibt sich wie ein Befehlshaber: «Über uns wird nichts geschrieben!» Zu verbergen hätte der langjährige VR-Vizepräsident der Gaba Holding in Basel nichts. Im Gegenteil: Lüdin – oder besser dessen Ehefrau Jeanne, geborene Geiger – zählt zu den grössten Gewinnern der letzten Monate. Der US-Körperpflegekonzern Colgate-Palmolive (CP) spuckte gegen 1,1 Milliarden Franken aus, um den kleinen Konkurrenten Gaba mit seinen Premiummarken Aronal, Elmex und Meridol schlucken zu können. Für jede der total 24 000 Gaba-Aktien im Nennwert von je 50 Franken offerierten die Amerikaner 46 058.10 Franken: beinahe das 1000fache des Ausgabepreises.

Die Erben des Basler Apothekers Hermann Geiger, speziell dessen Enkelinnen Sibylle und eben Jeanne Lüdin-Geiger, strichen den grössten Einzelbetrag ein. Genau lässt sich die Summe nicht beziffern, weil Käufer und besonders die Verkäufer Vertraulichkeit verabredeten. Selbst bei der US-Börsenaufsicht SEC deponierte die publizitätspflichtige CP nur eine kaschierte Verkäuferliste. Die Nachkommen Hermann Geigers und seines gleichnamigen Sohnes, der bis zu seinem frühen Tod im Dezember 1965 als Chefarzt die Basler Heilstätte in Davos geleitet hatte, kontrollierten lange eine Mehrheit der Aktien. Wie viele Wertpapiere sie später zum Beispiel an familienfremde Manager wie den VR-Präsidenten Werner Degen abgegeben haben, wird strikt verheimlicht. Gegen 30 Prozent sollen allerdings bei den beiden Töchtern von Hermann Geiger junior deponiert gewesen sein – Wertpapiere für mehr als 300 Millionen Franken also.

Friedrich Christian Flick

TG
Kunsthandel
1–1,5 Milliarden

Deutschlands Bundeskanzler Gerhard Schröder tritt bisweilen wie eine gespaltene Persönlichkeit auf. Mal ruft er öffentlich dazu auf, Steuerflüchtlinge «gesellschaftlich zu ächten». Gleichzeitig aber hofiert der Regierungschef ausgerechnet einen der prominentesten deutschen Steuervermeider: Friedrich Christian («Mick») Flick. Der Spekulant mit deutschem Pass, privatem Wohnsitz im Berner Oberland, Büroetagen für die F. Ch. Flick Kunstverwaltung GmbH in Zürich und trickreich aus Depots in Steueroasen angedienten Kunstschätzen durfte sich zwei Tage nach seinem 60. Geburtstag am 21. September in Berlin als Wohltäter gerieren. Seine F. Ch. Flick Collection präsentiert dort im Hamburger Bahnhof leihweise für sieben Jahre wertsteigernd Werke aus einem Fundus von mehr als 2000 zeitgenössischen Objekten. Die Hingucker zur Eröffnungsgala lieferte dann jedoch keiner von Flicks rund 150 Kunstlieferanten. Zwei satirische Plakate der Berliner Künstler Ricarda Stih und Frieder Schnock stahlen dem Flick-Werk die Show. «Freier Eintritt für ehemalige ZwangsarbeiterInnen» wurde auf dem ersten Sujet gefordert; das zweite höhnt: «Steuerflüchtlinge – zeigt eure Schätze!»

Flicks drei Kinder aus seiner zweiten Ehe, getraut mit und später geschieden von Maya Gräfin von Schönburg-Glauchau, nämlich Stammhalter Friedrich Alexander (18), Tochter Maria Pilar (16) sowie Ernst Moritz (15), bereichern zusehends das Jagdrevier der Yellow-Press-Journalisten. Alle drei Teenager haben das Erdenlicht in Bern erblickt, leben heute mit der gerade zum vierten Mal Mutter gewordenen Gräfin (siehe Artikel zhum Thema «Familie Hipp») in London. Zur Erinnerung: Mick Flick hatte ursprünglich seine Collection in einer eigenen Halle auf dem Escher-Wyss-Areal an Zürichs Hardturmstrasse ausstellen wollen. Die Stadt lehnte das Ansinnen nach erregten öffentlichen Debatten ab.

Eliette von Karajan

GR
Musikgeschäft
300–400 Millionen

siehe Artikel zum Thema «Frauen»

Ulrich Rotermund

LU
Beteiligungen
300–400 Millionen

Das geplante Eindringen in den US-Erotik-Markt liess Beate-Uhse-Sohn und Erbe Ulrich Rotermund erst einmal abblasen. 62 Millionen Dollar hatte die deutsche Uhse AG für die phallierte General Media mit deren «Penthouse»-Markenzeichen geboten, zog die Offerte aber nach einem heftigen (Verhandlungs-)Vorspiel abrupt zurück. Parallel platzten Übernahmeverhandlungen mit der Verhüterli-Firma Condomi.

Zigarrenliebhaber Rotermund, seit Jahren privat am Vierwaldstättersee zu Hause, wird die Adventszeit wie in jedem Jahr nur als Urlauber und Golfer an Floridas Westküste verbringen, nicht als Board-Member von General Media nach New York jetten. Die internationale Expansion bleibt freilich erklärtes Ziel, präziser: «weltweit die Nummer eins.»

Familien Brandestini, Valsangiacomo

ZH
Brückenbau, Bauelemente, Medien
200–300 Millionen

Das Basisgeschäft der Familien Brandestini und Valsangiacomo, Brückenbau und Herstellung von Bauelementen und Prüfgeräten, hat eine grosse Bedeutung. Die Familienholding Tectus wird von Marco und seinem Sohn Nick Brandestini sowie Claudia und Bruno Valsangiacomo-Brandestini (Bild) gehalten. Der Entrepreneur Bruno Valsangiacomo, CEO der Tectus-Gruppe, hat ab 1991 nach Osteuropa expandiert und gemeinsam mit zwei Polen die «grösste polnische Mediengruppe» aufgebaut. «Pioniergeist, neue Märkte und Kulturen haben mich immer fasziniert, und ich fokussiere mich heute intensiv auf das stark wachsende Mediengeschäft in Polen», sagt der 49-Jährige. Kein Wunder, bereitete Valsangiacomo doch bis in den November hinein den Börsengang seiner TVN-Gruppe mit landesweit sieben Fernsehsendern an der Warschauer Börse vor. TVN gehört zur ITI-Gruppe, die unter anderem das führende polnische Internetportal Onet.pl, sieben Multiplexkinos mit 18 000 Sitzen und den Fussballclub Legia Warschau kontrolliert.

Als Schaltzentrale richtete der frühere Investment-Banker in Zürich die FFC Fincoord Finance Coordinators ein. An deren Aktienkapital partizipiert im Gegengeschäft die Tectus, das Konzerngerüst für sämtliche Unternehmensaktivitäten, die vor 50 Jahren der geniale, im letzten Jahr verstorbene Ingenieur Antonio Brandestini entwickelt hat. Unter dem Tectus-Dach bündeln die Nachkommen, die alle im Geschäft eine aktive Rolle wahrnehmen, ihre Anteile an Ablegern wie BBR Holding, Zug (Schrägseilbrückenbau), Stahlton, Zürich (Vorspanntechnik und Bauteile), oder Proceq, Schwerzenbach ZH (Mess- und Prüfgeräte). Kürzlich brachten die Erben die Bausparte der Proceq beim bisherigen Konkurrenten Mageba, Bülach, ein und erhielten im Gegenzug eine Beteiligung an der neu formierten Magebaproceq.

Erben Leo Bodmer

ZH
Sicherheitstechnik
200–300 Millionen

Leo Bodmer war einst Präsident von Kaba, und Kaba war einst eine Schlosserei für Kassen- und Panzerschränke. Aus der Firma, die 1862 gegründet wurde, ist einer der international führenden Anbieter für Zutrittskontrollen, Tür- und Schliesssysteme sowie Bankausrüstungen geworden, der 5900 Mitarbeiter beschäftigt. Und die Nachkommen von Leo Bodmer – er hatte drei Töchter – haben sich einen Namen geschaffen als loyale Firmenbesitzer:

Ihren Familien gehören 26,2 Prozent am Unternehmen. Da jede Tochter einen Mann mit eigenem Auskommen heiratete, war es nie ein Thema, mit dem Aktienbesitz Kasse zu machen. Stattdessen sitzen sie im Verwaltungsrat und werden dort hoch geschätzt, weil sie dem Management voll vertrauen und die Weiterentwicklung des Unternehmens unterstützen. Mit Karina Dubs-Kuenzle (41) sitzt eine Vertreterin der dritten Generation des Kaba-Bodmer-Clans im Verwaltungsrat.

Walter Ruf

TG
Maschinenbau
200–300 Millionen

Der Verkauf der Rüstungsfirma Mowag hat die einstige Besitzerfamilie Ruf reich gemacht. Der diskrete Erbe Walter Ruf verwaltet ein 200-Millionen-Vermögen. Ruf ist Besitzer und Verwaltungsrat der Maschinenbaufirma Turbo-Separator, Spezialistin für Filteranlagen von Kühlschmiermitteln und Industrieabwässern mit Sitz in Lichtensteig SG und einer Niederlassung in Deutschland.

Erben Springer

ZH
Beteiligungen
200–300 Millionen

Prionics-Teilhaber und Verwaltungsrat Nicolaus Springer darf auf einen ordentlichen Return on Investment setzen. «Wir haben die Zulassung für den amerikanischen Markt», berichtet der Anschubfinancier der Prionics in Schlieren ZH. Kanada importiert bereits die Schweizer Schnelltests zur BSE-Erkennung. Finanziell gefördert hatte Nicolaus Springer Prionenforscher der Zürcher Universität ursprünglich mehr aus Überzeugung, weniger mit Gewinnabsicht. Als einer von ganz wenigen Laien ahnte der Sohn des deutschen Verlegers Axel Springer früh, welche Gefahren der Menschheit durch die Rinderseuche BSE drohen.

Harald Kronseder

SZ
Beteiligungen
100–200 Millionen

Gaul gewechselt – und doch wieder nicht zum König des Engadins gekrönt. Der deutsche Millionenerbe Harald Kronseder hat mit dem Wallach Akebono erneut aufs falsche Pferd gesetzt, als er beim Skikjöring auf dem gefrorenen See in St. Moritz zum wiederholten Mal gegen den Zürcher Jakob Broger antrat. Und verlor. Ein Loser-Image haftet dem Neuschwyzer an, seit er 1995 wegen Aktien-Insiderhandels gebüsst wurde. Die Kronseder-Familie kontrolliert eine Majorität an der kotierten Firma Krones, deren Börsenkapitalisierung umgerechnet über einer Milliarde Franken liegt. Vater Hermann Kronseder hat den heutigen Marktführer in der Herstellung von Abfüllanlagen, Etikettiermaschinen und Streckblasautomaten für PET-Flaschen 1951 gegründet. Bruder Volker Kronseder führt den Konzern mit 9000 Beschäftigten und über zwei Milliarden Franken Umsatz.

Familie Rovelli

TI/Italien
Bankwesen, Beteiligungen
100–200 Millionen

Nach zwei mageren Jahren hat sich die Banca Commerciale Lugano wieder gefangen. Die kleine Privatbank ist der einzige bekannte Besitz der Familie Rovelli – der Kinder des 1990 verstorbenen italienischen Industriellen Nino Rovelli, Oscar, Rita und Felice. Anders als sie lebt ihre Mutter, Primarosa Battistella (71), wieder in Italien und schlägt sich weiterhin mit den Gerichten herum. Der Grund: Nino liess in einem Prozess um sein marodes Imperium einst Richter schmieren, die der Familie dann prompt 800 Millionen Franken zusprachen. Die damals zur Zahlung verdonnerte italienische Bank versuchte der Witwe zuletzt das Geld über ein Konkursverfahren im Tessin wieder abzujagen, blitzte damit vor Bundesgericht aber ab. Sowieso darf angenommen werden, dass die Witwe den grössten Teil des Familienvermögens wieder mit nach Italien genommen oder sonstwo sicher gebunkert hat.

Nicolas Schweri

ZH
Beteiligungen
100–200 Millionen

Über dreissig Jahre lang war sein Schicksal untrennbar mit demjenigen der Firma Denner verbunden. Jetzt ist Nicolas Schweri, jüngster Sohn des legendären Denner-Gründers Karl Schweri, endlich sein eigener Herr und Meister.

Seinen Erbanteil an der Discountkette hat er Mitte 2003 für knapp 200 Millionen Franken an seinen Neffen, den heutigen Denner-Chef Philippe Gaydoul, abgetreten. Zur Familie pflegt «Nico» Schweri seither kaum mehr Kontakt. An der Goldküste in Meilen lässt sich der 55-jährige Einzelgänger derzeit auf einer geräumigen Parzelle mit direktem Seeanstoss ein neues Eigenheim errichten. Und damit es ihm als Privatier auch bestimmt nicht langweilig wird, betreibt Schweri in der Zürcher Altstadt nebenbei eine kleine Beratungsfirma, die sich – wie könnte es anders sein? – auf Nachfolgeplanungen in Familienunternehmen spezialisiert hat.

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