Sie haben unlängst etwas Bemerkenswertes gesagt: Dank Streaming stünden der Musikbranche einträglichere Zeiten bevor als in den goldensten Jahren der CD. Wie bitte, Herr Sacchi?
Ivo Sacchi: Der durchschnittliche Musikkonsument hat in der Vergangenheit rund 40 Franken im Jahr ausgegeben. Ein Streaming-Abo kostet aber etwa 120 Franken. Zudem erschliessen die Streaming-Anbieter derzeit neue Märkte in Asien, Osteuropa und Südamerika, die im CD-Zeitalter traditionell Pirateriemärkte waren. Die Voice Services wie Alexa werden ebenfalls dazu beitragen, dass die Märkte zusätzlich wachsen.

An einem Stream verdienen die Künstler aber viel weniger als am Verkauf einer CD.
Es ist ein anderes Businessmodell. Bei der CD- und Downloadlizenz handelt es sich um eine einmalige Zahlung. Bei Streaming wird bei jedem Klick aufs Neue bezahlt, auch noch nach 20 Jahren.

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Welche Unternehmen werden in Zukunft im Streaming die wichtigste Rolle spielen?
Spotify, Apple, Amazon und Google.

Planen auch die Musiklabels den Einstieg?
Die heutigen Anbieter sind Techunternehmen mit einem sehr grossen Know-how. Wir fokussieren uns als Label auf das Entdecken und Fördern von Musiktalenten. Das ist das, was wir am besten können.

Ivo Sacchi

Ivo Sacchi (48) ist seit 15 Jahren Geschäftsführer von Universal Music Switzerland und vertritt die Schweizer Musikbranche als Präsident des Labelverbands IFPI. Sacchi stammt aus Trun GR.

Inwiefern bringt nun der Spotify-Börsengang der ganzen Branche etwas?
Ein guter Börsengang stärkt die Position von Spotify, was wiederum den Konkurrenzkampf belebt.

Was könnten denn die erwähnten Voice Services wie Alexa oder Google Home an zusätzlichen Einnahmen bringen?
Die Voice Activated Speakers sind ein weiterer Game Changer. Im letzten Weihnachtsgeschäft waren sie in vielen Ländern das meistverkaufte Produkt. Sie sind das Radio der Zukunft. Erste Umfragen und Auswertungen zeigen, dass sie den Musikkonsum weiter ankurbeln.

Die Label-Umsätze erholen sich erstmals seit 15 Jahren wieder. Auch bei Universal Schweiz?
Auch wir weisen vor allem dank Streaming ein Wachstum aus. Wir haben die Firma in den letzten Jahren konstant an die Marktgegebenheiten angepasst. Kosten, die nicht zu unserem Kerngeschäft gehörten, wurden radikal gekürzt.