Der nächste Präsident der USA heisst Donald Trump. In einem harten Rennen setzte sich der Republikaner gegen die favorisierte Demokratin Hillary Clinton durch, die ihre Niederlage eingestand. «Jetzt ist die Zeit gekommen, die Wunden der Spaltung zu heilen und als vereintes Volk zusammenzukommen», gab sich Trump am Mittwoch in seiner Siegesrede nach einem erbitterten Wahlkampf versöhnlich.

Weltweit reagierten zahlreiche Politiker auf den Erfolg des Quereinsteigers entsetzt. An den Finanzmärkten, die auf einen Sieg Clintons gesetzt hatten, machte die Angst vor weltweiter Verunsicherung die Runde. Mehrere Börsen verbuchten zeitweise so starke Verluste wie im Sommer nach dem Brexit-Referendum, als - wie jetzt entgegen den meisten Umfragen - für einen Austritt aus der EU gestimmt wurde. In Kalifornien kam es zu gewaltsamen Protesten.

Präsident für alle Bürger

Der Milliardär Trump versprach, er werde Präsident für alle Bürger sein. «Jeder Amerikaner wird die Chance haben, sein Potenzial auszuschöpfen.» Der Wahlkampf sei vorbei, aber seine Arbeit beginne jetzt erst. Er wolle die Nation einen und dabei auch diejenigen ins Boot holen, die ihn nicht unterstützt hätten. Auf Basis seines Wirtschaftsplans werde er das Wachstum verdoppeln. Aussenpolitisch kündigte er an, mit allen Staaten zusammenzuarbeiten, die dazu bereit seien. Er wolle fair mit der Weltgemeinschaft umgehen, fügte jedoch hinzu: «Amerika wird sich mit nichts weniger als dem Besten zufrieden geben.»

Zumindest in der ersten Hälfte seiner vierjährigen Amtszeit kann Trump auf die Unterstützung eines republikanisch dominierten Kongresses hoffen, denn den Demokraten gelang es nicht, die Mehrheit in wenigstens einer der beiden Kammern zu erobern. Umfragen zufolge hatte der Senat auf der Kippe gestanden. Doch dies bewahrheitete sich ebenso wenig wie die Erhebungen, die Clinton vor der Wahl im Vorteil sahen. Selbst in Bundesstaaten, die die frühere Aussenministerin eigentlich fest für sich eingeplant hatte, schnitt der von der Wut auf das Establishment getragene Trump überraschend stark ab.

Es war eine der spannendsten Wahlnächte in der amerikanischen Geschichte. Erst Stunden nach Schliessung der Wahllokale stand fest, dass Trump die für einen Sieg notwendige Schwelle von 270 Wahlleuten überschritten hatte. In einigen Bundesstaaten machten nur wenige Tausend Stimmen den Unterschied aus. Trump triumphierte nicht nur in Staaten, die traditionell republikanisch wählen. Es gelang ihm auch, einige Swing States zu erobern, in denen von Wahl zu Wahl mal die Republikaner, mal die Demokraten die Nase vorne haben, etwa Ohio und Florida.

«Make America Great Again»

Wenn Trump im Januar als Nachfolger von Barack Obama ins Weisse Haus einzieht, ist er mit 70 Jahren der älteste Präsident, der jemals den Posten neu übernahm. Er war mit der Botschaft angetreten, das Establishment in Washington zu entthronen und der Stimme der kleinen Leute Gehör zu verschaffen. Das bescherte ihm einen massiven Zulauf, vor allem von älteren weissen Männern ohne höheren Bildungsabschluss und der Arbeiterschicht sowie der Bevölkerung außerhalb der Ballungsräume. Viele haben das Gefühl, dass der amerikanische Traum für sie unter Obama endgültig geplatzt ist. Trumps zentrales Versprechen lautete, Amerika wieder «gross zu machen».

Noch zu Beginn des Jahres hatte kaum jemand einen Sieg des wegen seiner markigen Sprüche bekannten Milliardärs für möglich gehalten, geschweige denn, seine Ambitionen wirklich ernstgenommen. Von vielen wurde er anfangs wegen seiner politischen Unerfahrenheit und seiner Vergangenheit als Star einer Reality-TV-Sendung belächelt. Doch spätestens mit seinem Erfolg bei den Vorwahlen um die Kandidatur der Republikaner wuchs weltweit die Sorge, dass Trump tatsächlich der 45. US-Präsident werden könnte.

Selbst in der eigenen Partei stiess er wegen seiner Provokationen und umstrittenen Ansichten auf grossen Widerstand. Trump polterte gegen Einwanderer, lästerte über Frauen und forderte den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko sowie ein Einreiseverbot für Muslime. Internationale Handelsabkommen will er kippen oder neuverhandeln - allen voran die Freihandelszone mit Kanada und Mexiko. Aber auch von ähnlichen Abkommen mit Pazifikstaaten oder der EU hält er nichts.

Zuspruch von europäischen Rechtspopulisten

Zuspruch erhielt Trump von europäischen Rechtspopulisten. In Frankreich, Österreich, Deutschland und anderen EU-Staaten werteten Vertreter der entsprechenden Parteien den Erfolg des Immobilienmoguls als Beleg dafür, dass das politische Establishment am Ende sei. Die AfD sprach von einem Votum gegen «Altparteien und Lückenpresse». Russlands Präsident Wladimir Putin gratulierte Trump. Er hoffe, dass er und Trump die Krise in den Beziehungen beider Länder beilegen könnten.

«Vielen Dank für alles»

Clinton sagte einen als Siegesfeier geplanten Auftritt in New York ab. Bereits gegen 03.00 Uhr MEZ hatte sie getwittert, es gebe «so viel», worauf ihre Mitarbeiter stolz sein könnten. «Was auch immer heute Nacht passiert, vielen Dank für alles.»

Mehrfach hatte es so ausgesehen, als ob sie das Rennen zu ihren Gunsten entscheiden müsste - etwa nachdem ein Video aus dem Jahr 2005 mit sexistischen Äusserungen Trumps auftauchte. Dennoch kämpfte sich der Geschäftsmann zurück, wobei er davon profitierte, dass auch Clinton alles andere als eine beliebte Kandidatin war.

In der Schlussphase des Wahlkampfs kochte erneut die E-Mail-Affäre hoch, die Clintons Gegner gerne als Beleg für deren Geheimniskrämerei ins Feld führten. Zwar wurde sie vom FBI entlastet. Das änderte aber nichts daran, dass viele Amerikaner Clinton als Vertreterin des Establishments sehen, der man nicht vertrauen könne. Die 69-Jährige wäre die erste Frau im US-Präsidentenamt gewesen.

(reuters/ccr)

Wer zum Familienclan von Donald Trump gehört, sehen Sie in der Bildergalerie unten:

 

Anzeige
Anzeige