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Leuthard-Rücktritt 
Dithering Doris: Höchste Zeit für Klarheit!

Doris Leuthard
Wann geht Doris Leuthard? Spätestens in der Herbstsession soll es so weit sein.Quelle: Keystone

Die sonst so entscheidungsstarke Doris Leuthard wirkt beim Thema Rücktritt plötzlich wankelmütig. Das Problem: Sie geht nicht durch die grosse Tür.

Dirk Schütz
Kommentar  
Von Dirk Schütz
07.09.2018

Es ist die Königsdisziplin einer erfolgreichen Karriere: Wie schaffe ich den perfekten Rücktritt? Doris «the Queen» Leuthard hat in ihren zwölf Bundesrats-Jahren sehr vieles richtig gemacht, und kein Regierungsmitglied macht auch im Ausland bella figura wie sie. Doch dass sie im Sommer vor einem Jahr ohne Not den Austritt aus dem Bundesrat bekannt gab, war der wohl grösste Fehler ihrer Laufbahn.

Jetzt zahlt sie den Preis: Wenn am Montag die Herbstsession beginnt, dominiert vor allem eine Frage: Wann geht sie? Wenn sich ihr Nachfolger noch vor den Wahlen im nächsten Oktober profilieren will, müsste sie jetzt zurücktreten, damit der neue Bundesrat in der Wintersession gekürt werden kann.

Wilde Spekulationen

Also läuft die Spekulationsmaschine auf Hochtouren: Hat sie Termine abgesagt? Kauft sie sich mehr Freizeit-Garderobe? Ist ihr berüchtigter lila Reisekoffer schon in Reparatur? Sicher ist nur eines: Der «Blick» hatte recht, als er im Januar ihren Abgang «nach der No-Billag-Abstimmung» ankündigte. Die war im März, und alles was folgt, kommt eben danach. Bingo.

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Ihr Problem: Sie geht nicht durch die grosse Tür. Das Post-Chaos hängt an ihrem Departement, genauso wie die schräge Verteidigungstour der von ihr portierten SBB-Präsidentin Monika Ribar in der Angola-Affäre.

Guter Abgang ist entscheidend

Der Abgang, das haben hochdekorierte Experten wie der Ökonomie-Nobelpreisträger Daniel Kahneman zweifelsfrei nachgewiesen, ist für die Gesamtbeurteilung einer Karriere entscheidend, allen Erfolgen auf der Wegstrecke zum Trotz. Und da wirkt die sonst so entscheidungsstarke Frau plötzlich so wankelmütig, dass viele Beobachter sich fragen, ob sie selbst überhaupt schon eine Entscheidung getroffen hat.
 
Besonders uncharmant: Johann Schneider-Ammann, nicht nur punkto Entscheidungsstärke eigentlich kein Vorbild, zeigte ihr mit klarer Kante («Rücktritt zum Ende der Legislatur») plötzlich den Meister. «Dithering Doris» nennen die Engländer zaudernde Frauen, mit Vorliebe ihre Premierministerin, obwohl die gar nicht Doris heisst (offenbar ist die Alliteration zu verlockend.) Wir haben sogar eine Doris, und die zaudert leider big time. Höchste Zeit für Klarheit!

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