Die US-Republikaner haben Donald Trump zum Präsidentschaftskandidaten nominiert - obwohl die Gegner des umstrittenen Milliardärs an der Veranstaltung bereits den Aufstand probten. Am Parteitag in Cleveland wird auch ein ungewöhnlicher Gast erwartet: Peter Thiel – er soll voraussichtlich am Donnerstag eine Rede halten. Thiel ist ein Vertreter des Silicon Valley: Er ist einer der Gründer des Bezahldiensts Paypal und Grossinvestor bei Facebook und anderen Techunternehmen.

Als Anhänger von Donald Trump ist Thiel ein Exot, denn in seiner Branche ist der kontroverse Politiker äusserst unbeliebt: 150 bekannte IT-Unternehmer veröffentlichen letzte Woche einen offenen Brief gegen den Präsidentschaftskandidaten. Mit Apple und dem Amazon-Chef Jeff Bezos steht Trump offen im Konflikt – was im Silicon Valley sicher auch nicht gut ankommt. Facebook, wo Thiel im Verwaltungsrat ist, hat dessen Auftritt in Cleveland vorsorglich schon als «rein persönlich» erklärt.

Rachefeldzug gegen Online-Portal

Peter Thiel hat schon in der Vergangenheit bewiesen, dass er unbekümmert für seine Standpunkte eintritt. Schlagzeilen machte etwa sein Rachefeldzug gegen Gawker. Das Online-Portal hatte vor einigen Jahren die Homosexualität Thiels offen gelegt. Diesen Eingriff in seine Privatsphäre wollte Thiel offenbar nicht hinnehmen: Er stellte Ex-Wrestlingstar Hulk Hogan Geld zu Verfügung, damit dieser Gawker wegen eines Sexvideos verklagen konnte. Hogan bekam 115 Millionen Dollar Schadenersatz und Gawker steht vor dem Ruin.

Peter Thiel hat noch nie öffentlich erklärt, wieso er sich für Trump engagiert. Was Trump und Thiel aber sicher verbindet, ist ein Hang zu ungewöhnlichen Ideen und kontroversen Aussagen: Trump will eine Mauer zu Mexiko bauen – Thiel fordert die Besiedelung des Weltalls und der Weltmeere.  

Kein Glauben in die Demokratie

Es gehe darum, neue Lebensräume zu finden, um der Politik zu entfliehen, schrieb Thiel 2009 in einem Essay. «Ich glaube nicht mehr daran, dass Freiheit und Demokratie vereinbar sind», erklärte er darin, und er habe «wenig Hoffnung, dass Wählen die Dinge verbessert».  Thiel beklagt in seinem Essay auch das Wahlrecht für Frauen und den Zuwachs an Sozialhilfebezügern – diese beiden Faktoren hätten Kapitalismus und Demokratie zum Widerspruch gemacht.

«Die 1920er Jahren waren die letzte Dekade in der amerikanischen Geschichte, in der man optimistisch über die Politik sein konnte», schrieb Thiel. Donald Trump verspricht, «Amerika wieder gross zu machen»: Mit diesem Politiker, welcher gegen viele politische Regeln verstösst, hat Peter Thiel offenbar seinen Glauben an das System wiedergefunden.

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