George Soros brachte es Anfang der 90er-Jahre mit Wetten gegen das britische Pfund zu einem Milliardenvermögen. In der Finanzszene ist er längst ein Top-Shot, der Starinvestor gehört zu den reichsten Menschen der Welt. Im aktuellen Ranking des US-Magazin «Forbes» belegt er mit einem geschätzten Vermögen von 24,2 Milliarden Dollar Platz 29.

In der Öffentlichkeit gibt sich der Starinvestor gerne als Wohltäter und Förderer, mehrere Milliarden Dollar hat er bereits gespendet. In einem Interview mit dem «Stern» sagte er einst, dass die Superreichen in den USA stärker zur Kasse gebeten werden sollten. Auch er würde gerne mehr Steuern zahlen. Heute irritieren die Aussagen. Denn wie sich jetzt herausstellt, häufte Soros mit einem Steuertrick über die Jahre ein zusätzliches Milliarden-Vermögen an. Nun droht ihm eine milliardenschwere Steuernachzahlung.

Legale Methode

Über Jahre nutzte der gebürtige Ungar für seinen Fonds ein Lücke im komplizierten US-Steuerrecht: Sie erlaubte Soros, die Steuerzahlungen auf die von seinen Kunden gezahlten Gebühren aufzuschieben und das Geld in seinen Fonds zu reinvestieren. Dort dienten die ganzen Gebühren dem Vermögenszuwachs und waren steuerfrei, solange sie nicht vom Management abgezogen wurden. Mit der Aufschub-Methode habe der US-Investor grob gerechnet 13,3 Milliarden Dollar einsammeln können, wie «Bloomberg» jetzt schreibt.

Im Jahr 2008 schloss der US-Kongress jedoch das Steuerschlupfloch, ein Aufschub war somit nicht mehr möglich. Von tricksenden Fondsmanagern verlangten die Behörden aber, die über die Jahre angestauten Steuern bis 2017 zu begleichen. Für Soros dürfte die offene Rechnung rund 6,7 Milliarden Dollar betragen. Die Methode des Starinvestors sei laut US-Schatzamt allerdings vollkommen legal gewesen. In der Hedgefonds-Szene gehörte das Reinvestieren von Gebühren und der daraus resultierende Aufschub von Steuerzahlungen zum Tagesgeschäft.

Steuerflucht nach Irland

Dem Entscheid des US-Kongresses entgegnete Soros mit einem weiteren Trick. Laut «Bloomberg» versuchte der Multimilliardär offenbar die Besteuerung zu umgehen, indem er nur kurz vor der Gesetzesänderung seinen Fonds nach Irland verlegte. Das Land war lange ein beliebtes Domizil für Steuerflüchtlinge aus den USA. Auch Weltkonzerne wie der iPhone-Hersteller Apple oder der Internetriese Google sparten mit ausgeklügelten Steuerpraktiken auf der Insel Milliarden.

Zwar unterlag der Fonds von Soros der irischen Unternehmenssteuer von 25 Prozent. Der gewiefte Investor wusste diese jedoch fast auf Null reduzieren, indem er seinen Investoren die Gewinne mittels Beteiligungsscheinen auszahlte, die mehrheitlich im Besitz seiner steuerbefreiten Stiftungen waren.

Kein Ausweg

2011 zog Soros seinen Fonds aus der Öffentlichkeit ab und überführte ihn in sein Privatvermögen. Mittlerweile ist der Fonds auf den Cayman Islands angesiedelt. Zuvor soll er laut «Bloomberg» jährlich Renditen von 20 Prozent abgeworfen haben.

Offenbar könnte der Top-Investor bei den nun anstehenden Steuerschulden einen weiteren Trick anwenden, indem er das Geld seinen Stiftungen spendet, die es wiederum in seinen Fonds investieren. Das würde die Schulden allerdings nur zu einem Teil reduzieren. Unter dem Strich bliebe Soros laut Steueranwälten nur eins: die offene Rechnung zu begleichen. Gegenüber «Bloomberg» wollte Soros die Angelegenheit nicht kommentieren.

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