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Trump-Flüsterin 
Die Frau, die Donald Trump zähmte

Die Frau, die Donald Trump zähmte
Kellyanne Conway: Donald Trump hörte auf seine Wahlkampfmanagerin. Keystone

Kellyanne Conway wurde zum Gesicht des Trump-Wahlkampfes, zur Erklärerin, zur Besänftigerin. Sie hat das Image Trumps gedreht - vom unzähmbaren Rebellen zum wählbaren Präsidenten mit Ecken und Kanten.

Mit Kellyanne Conway kam für Donald Trump der Erfolg. Die Wahlkampfmanagerin und PR-Strategin geleitete den Kandidaten durch die oft selbst verursachten Untiefen des Wahlkampfs.

Donald Trump spricht gern davon, wie viele Menschen er als Unternehmer in seinem Leben schon in Lohn und Brot gebracht hat. An ein Einstellungsgespräch wird sich der künftige US-Präsident besonders gerne erinnern. Am 17. August 2016 holte der damalige Kandidat Trump Kellyanne Conway als Wahlkampfmanagerin in sein Team. Seitdem ging es bergauf.

Gesicht des Trump-Wahlkampfes

Conway, einst zur Blaubeerprinzessin in New Jersey gewählt, wurde zum Gesicht des Trump-Wahlkampfes, omnipräsent auf allen TV-Kanälen, zur Erklärerin, zur Besänftigerin, wenn Trump es wieder einmal übertrieben hatte.

Für die Amerikaner stand vor dem 8. November die Frage: «Wollen wir den Wandel, etwas ganz Neues?». Die Antwort hiess häufig: «Ja, aber nicht mit einem wie Trump.» Die PR-Strategin hat das Image Trumps gedreht - vom unzähmbaren Rebellen zum wählbaren Präsidenten mit Ecken und Kanten. Auf ihr Geheiss hielt er sich an vorbereitete Reden, liess sich in ein Wahlkampfkorsett pressen. Wie ein Rennpferd vor dem Start versuchte er immer wieder einmal auszubrechen. Doch Conway hielt die Zügel fest.

Freundliches Gesicht

Trump und die blonde Powerfrau aus New York kennen sich lange. Im Vorwahlkampf lehnte sie eine Offerte ab - aus Angst um ihr Image als erfolgreiche Unternehmerin, Anwaltsgattin und vierfache Mutter. Stattdessen hat sie zunächst bei Trumps innerparteilichem Kontrahenten Ted Cruz angeheuert. Als Trump dann nach seinem ersten Wahlkampfmanager Corey Lewandowski auch dessen schmierigen Nachfolger Paul Manafort inmitten eines ernsthaften Umfragetiefs den Laufpass gab, war Conway zur Stelle.

Und wie: Mit dem erzkonservativen Medienstrategen Steve Bannon im Hintergrund wurde die blonde Frau zum freundlichen Gesicht des oft als zornig empfundenen Trump. Conway war überall. Sie füllte mit ihrer Wirbelwindnatur exzellent die Lücken, die Trump aufgerissen hatte. Dabei kam ihr zugute, dass sie Mutter, Ehefrau und gläubige Christin ist. Sie verkörpert das Idealbild der erfolgreichen amerikanischen Frau, wurde von den Medien respektiert und Liebling der Comedyshows, die sie genüsslich aber auffallend sanft parodierten.

Heftig geknallt

Intern muss es im Trump-Lager dagegen von Beginn an heftig geknallt haben. An einem Punkt soll Trump selbst nicht mehr an den Sinn seines Wahlkampfes geschweige denn an eine Siegchance geglaubt haben. Kellyanne Conway soll es gewesen sein, die Trump zur Ordnung rief. Und als der Kandidat in einem der TV-Duelle mit der nach aussen übermächtig erscheinenden Hillary Clinton die Frage unbeantwortet liess, ob er die Wahl nach einer Niederlage anerkennen werde, konterte Conway am nächsten Morgen Journalistenfragen freundlich aber bestimmt: «Natürlich wird er sie anerkennen, er gewinnt sie ja.»

Conway wuchs als Tochter eines Iren und einer Italienerin in New Jersey auf, die meiste Zeit ihrer Jugend ohne Vater, dafür mit Mutter, Oma und zwei Tanten. Alle sehr katholisch. Am Trinity College im Washingtoner Osten absolvierte sie ihr Jurastudium, Abschluss mit summa cum laude.

Hass auf die Clintons entwickelt

Eigentlich wollte sie Richterin werden, dann entschied sie sich für die PR-Branche, gründete im Alter von 28 Jahren ihre eigene Firma und heiratete ihren Mann George Conway. Der war als Anwalt in New York einst einer der Vertreter von Paula Jones, die Bill Clinton sexueller Übergriffe bezichtigt hatte. Kellyanne soll damals im Hintergrund kräftig mitgemischt und einen Hass auf die Clintons entwickelt haben.

Ihr Berufsleben lang hat sie als Meinungsforscherin versucht, das Wahlverhalten von Frauen zu ergründen, vor allem im Auftrag der Republikaner. Hillary Clinton war stets ein rotes Tuch. In den vergangenen Monaten verging kaum ein Interview, in dem sie nicht einen Seitenhieb auf die Frau austeilte, die so gern erste Präsidentin der Vereinigten Staaten werden wollte.

Wie nah sie Trump geworden ist, zeigen zwei Vorfälle, in die jeweils ein Telefon involviert war. Als Trumps Aktivitäten auf Sozialen Netzwerken wieder einmal ausser Kontrolle zu geraten drohten, soll sie ihm kurzerhand das Handy weggenommen haben. Und als Hillary Clinton Trump in der Wahlnacht zum Sieg gratulieren wollte, rief deren Vertraute auf dem Mobiltelefon von Kellyanne Conway an. Schwer vorstellbar, dass Präsident Trump auf die Dienste der streitbaren Blondine verzichten will. Auf Twitter räumte sie bereits ein, einen Job angeboten bekommen zu haben.

(sda/ccr)

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