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Neuer Post-Chef 
Der grosse Unbekannte: Wer ist Roberto Cirillo?

HANDOUT - Zur KEYSTONE-SDA-Meldung zum neuen Konzernleiter der Scheizerischen Post Roberto Cirillo stellen wir Ihnen folgendes Bildmaterial zur Verfuegung, am Donnerstag, 22. November 2018. Roberto Cirillo tritt per April 2019 als Nachfolge von Olrich Hurni an. (HANDOUT SCHWEIZERISCHE POST) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***
Roberto Cirillo soll im April den Chefposten bei der Post übernehmen, dem wohl politisch umkämpftesten aller Staatskonzerne.Quelle: Keystone

Roberto Cirillo kehrt als Post-Chef in die Schweiz zurück. Ein weiterer Bruch – in einer bis anhin von Brüchen gekennzeichneten Karriere.

Florence Vuichard
Von Florence Vuichard
20.02.2019

Kommunikativ ist der Start des neuen Post-Chefs missglückt. Ein dürres Communiqué, ein kurzer, unpräziser Abriss über eine Karriere durch ausländische, hierzulande kaum bekannte Firmen und ein einziges Foto – mehr Informationen zum völlig unbekannten schweizerisch-italienischen Doppelbürger Roberto Cirillo gibt es nicht.

Transfair-Präsident und CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt spricht gar von einer «missratenen Kommunikation». Er sei enttäuscht vom Vorgehen der Post. Nach dem Postauto-Skandal und dem Führungsversagen auf Konzernebene müsse das Vertrauen in die Post wieder aufgebaut werden. «Und was macht die Post? Sie präsentiert den Angestellten wie auch der Bevölkerung eine Blackbox.»

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«Hors-sol-Manager»

Das Resultat: Cirillo gilt schon jetzt als «Hors-sol-Manager», als McKinsey-Boy und für den Post-Chefposten als «garantiert der Falsche», wie die Gewerkschaftszeitung «Work» nach seiner Ernennung titelte.

Doch ganz so geschliffen, wie es von einem smarten Berater zu erwarten wäre, verlief Cirillos Karriere nicht. Sie hat auffällig viele Brüche, immer wieder machte er etwas ganz anderes als zuvor, immer wieder sattelte er um. Und nicht alle Wechsel waren wohl ganz freiwillig.

Geboren wurde Roberto Cirillo 1971 in Zürich, als Sohn süditalienischer Einwanderer, sein Vater war Arbeiter, die Mutter Lehrerin. Die Familie zügelte später ins Tessin. Nach der Matur geht Cirillo nach Zürich, macht seinen Abschluss als Maschineningenieur und geht später zu McKinsey.

Jüngstes Mitglied der Geschäftsleitung von Sodexo

2007 lässt er sich plötzlich in Frankreich nieder und wird mit nur 35 Jahren das jüngste Mitglied der Geschäftsleitung von Sodexo, einem 1966 in Marseille gegründeten Grosskonzern, der heute mit rund 460 000 Mitarbeitern in 72 Ländern über 20 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Ein Koloss, von dessen Existenz Cirillo noch ein paar Wochen vor seinem Stellenantritt gar nichts gewusst hatte, wie er gegenüber der französischen Presse freimütig zugibt. Dort steigt er schnell auf – bis zum Bruch 2012. Im Geschäftsbericht 2012 ist er nicht mehr Teil der operativen Konzernleitung.

Ab 2014 ist seine neue Wirkungsstätte die Augenklinikgruppe Optegra in London. Die Gruppe mit Sitz auf den Bermudas gehört Eight Roads, dem Venture-Capital-Arm des Finanzdienstleisters Fidelity. Der Bruch könnte nicht grösser sein: vom französischen Grosskonzern zum Mikrounternehmen, über das selbst in der britischen Presse kaum jemand schreibt.

Keine Kontakte zu Bundesbern

Weder Cirillo noch die Post wollen den erstaunlichen Wechsel kommentieren, ebenso wenig wie den Umstand, dass Optegra im März 2018 plötzlich einen neuen Chef präsentiert. Kein Wort zum Vorgänger, auch auf mehrfache Nachfragen hin nicht. 
 
Faktisch war Cirillo nach dem Abgang bei Optegra also arbeitslos, als er in den Auswahlprozess für den Post-Chefposten einstieg. Ein Umstand, den die Post nicht weiter stört. Cirillo habe «den Verwaltungsrat insbesondere mit seiner fundierten Erfahrung in der Führung von Grosskonzernen in anspruchsvollen Transformationsprozessen» überzeugt, heisst es dort.

Beziehungen zu Bundesbern sind allerdings keine bekannt. Ein Nachteil für den künftigen Chef eines Staatskonzerns.

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