BILANZ: Franz Julen, Korruptionsskandale erschüttern die Fifa, mehrere Weltmeisterschaften waren vermutlich gekauft, Präsident Sepp Blatter wird zurücktreten, das FBI und die Schweizer Staatsanwaltschaft ermitteln. Was bedeutet der Imageverlust des Fussballs für Ihre Verkaufszahlen?
Franz Julen*: Die Popularität und die Zugkraft des Fussballs sind ungebrochen. Den Fan interessieren die Geschehnisse nicht. Der Fussball lebt auch ohne Sepp Blatter! Unsere Fussball­umsätze sind trotz des Fifa-Skandals weiterhin äusserst positiv.

Konkret?
Gegenüber dem Vorjahr liegen wir bei Fussballartikeln Ende Mai vier Prozent im Plus – und letztes Jahr war immerhin eine WM. Seit 2009 sind wir bei allen Champions-League-Finals für die Verkäufe in den Stadien und Fanzonen zuständig. Letzte Woche haben wir in Berlin alle bisherigen Rekorde gebrochen. Wir waren ausverkauft und haben mit Fanartikeln 34 Prozent mehr Umsatz erzielt als beim bisherigen Rekordevent im letzten Jahr.

Haben Sie die Ereignisse bei der Fifa überrascht?
Das haben sie. Auch wenn die Korruptionsvorwürfe seit Jahren im Raum stehen: In der Dimension hätte ich das nie erwartet. Auch der Abgang von Sepp Blatter hat mich sehr überrascht. Aber ich sehe seine Hinterlassenschaft positiv.

Wie bitte?
Ich hoffe, dass man trotz aller Kritik nicht vergisst, was er ­erreicht hat: Er hat den Fussball globalisiert, davon profitiert ­Intersport enorm. Der Fussball ist für uns zur zwölfmonatigen Umsatzmaschine geworden. Blatter hat so viel für diesen Sport gemacht. Das kann ihm keiner mehr nehmen.

Was bedeuten die Ereignisse für die weitere Zusammenarbeit zwischen Intersport und Fifa?
Nichts. Wenn Preis und Leistung stimmen, steht nichts im Weg, dass wir auch 2018 offizieller WM-Event-Store der Fifa sind und dass wir weiterhin Lizenzprodukte der Fifa produzieren.

Es muss sich also nichts ändern bei der Fifa?
Doch. Ich gehe davon aus, dass man jetzt die von vielen Experten genannten Reformen auch konsequent umsetzt. Und das erwarten wir auch.

Ist die Fifa überhaupt reformierbar?
Nach den jüngsten Entwicklungen bin ich überzeugt, dass sie reformierbar ist. Und dass das auch alle begriffen haben.

*Franz Julen (57) ist CEO der Intersport International Corporation, des weltgrössten Sportwarenhändlers mit 10,8 Milliarden Euro Umsatz und 5800 selbständigen ­Detaillisten in 67 Ländern. Wie Sepp Blatter stammt Julen aus dem Wallis, wie Blatter ist er seit 1998 im Amt.

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