Person:

Er wurde schon als «Herr der Cyborgs» bezeichnet. Doch mit Sciencefiction hat Robert Riener nichts am Hut. Der 50-jährige Bayer ist Professor an der ETH und am Universitätsspital Balgrist. Er leitet das ETH-Labor für sensomotorische Systeme und gilt als einer der renommiertesten Forscher im Bereich der Rehabilitationsrobotik. Dazu zählen motorisierte Prothesen oder Exoskelette, die Menschen mit Bewegungseinschränkungen das Leben erleichtern. Riener kam 2003 in die Schweiz, nachdem er in München und Maryland Maschinenbau studiert und schliesslich in Medizintechnik promoviert sowie habilitiert hatte. In den letzten Jahren gewann er zahlreiche Preise. Riener lebt mit seiner Partnerin in Uster ZH. Beide brachten je zwei Kinder in die Beziehung, drei von diesen sind bereits erwachsen.

Produkt:

«Innovation entsteht nicht im stillen Kämmerlein», sagt Robert Riener. Das trifft auf sein Spezialgebiet ganz besonders zu. Denn in wenigen Forschungsdisziplinen führen Erfolge so oft zu Freudentränen wie in der Therapierobotik: Sie holt Menschen mit Lähmungen aus dem Rollstuhl und lässt sie wieder gehen. Riener, der 24 Patente mitentwickelte und an 400 wissenschaftlichen Artikeln mitschrieb, rief 2016 den ersten Cybathlon ins Leben. In der Swiss Arena Kloten zeigten Menschen mit Behinderung ihre Roboter-Prothesen und traten in Hindernisparcours gegeneinander an. Hinter den knapp 70 «Cyborg-Athleten» standen Entwicklerteams aus 25 Ländern. Im Frühling 2020 findet der nächste Cybathlon statt. Weltweit sind schon diverse Ableger entstanden.

Potenzial:

In der Medizintechnik ist die Schweiz beispiellos unterwegs. Hier verschmelzen auf perfekte Weise Feinmechanik, Pharmaindustrie und Hochschulforschung. Die Unternehmen investieren viel in Forschung und Entwicklung. ETH und Fachhochschulen bilden hochqualifizierten Nachwuchs aus. Robert Riener bringt nicht nur die wichtigen Akteure zusammen, sondern schärft auch das öffentliche Bewusstsein für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Das fördert auf der einen Seite eine tolerantere Gesellschaft und auf der anderen Seite unternehmerische Aktivitäten.

Die Schweizer Wissenschaft ist Weltspitze – doch die Macher sind kaum bekannt. BILANZ präsentiert regelmässig eine Person, die mit ihren Innovationen die Welt verändert.

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