Person: Erste Chefin in Uni-Frauenklinik

Die Gynäkologie war bis 2014 fest in Männerhand. Dann übernahm Viola Heinzelmann (49) die Führung der Frauenklinik des Universitätsspitals Basel. Davor hatte es in keiner der fünf Schweizer Uni-Frauenkliniken eine Chefin gegeben. Einer ihrer früheren Lehrer soll Frauen in der Gynäkologie einmal als «Untergang unseres Fachs» bezeichnet haben.

2008 habilitierte Heinzelmann in Zürich als zweite Frau in dem Bereich. Schon als kleines Mädchen hatte die Stuttgarterin den Berufswunsch Ärztin. Sechs Jahre lernte und forschte sie in Australien. Heute lebt sie mit ihrem Mann, einem Physiker, der am Cern promovierte, ihrer Tochter (7) und ihrem Sohn (13) in Riehen bei Basel – einem «wunderschönen Stückchen Erde», wie sie es nennt.

Produkt: Erforschung von Eierstockkrebs

Unter den zahlreichen Krebsarten ist der Eierstockkrebs eine der tückischsten. Zwar kommt er nicht so oft vor wie andere – in der Schweiz erkranken jährlich rund 600 Frauen daran –, dafür ist die Todesrate umso höher. In 85 Prozent der Fälle sind die Betroffenen über 50-jährig.

Heinzelmann ist eine der wenigen Forschenden, welche die verschiedenen Untergruppen dieser Erkrankung identifizieren konnten. Dank dieser Erkenntnisse können Ärzte heute früh genug erkennen, ob die Patientin von der aggressiveren Version betroffen ist oder ob sie eine grössere Überlebenschance hat. Dieses Wissen setzt Heinzelmann nun an der Frauenklinik des Universitätsspitals Basel um.

Potenzial: Suche nach Therapie

Wer medizinische Forschung betreibt, will vor allem eines: eine Therapie finden. Das Problem beim Eierstockkrebs: Er besteht aus einer Vielzahl von Erkrankungen. Um ihn heilen zu können oder zumindest das Leben einer Erkrankten zu verlängern, muss man ihn verstehen lernen. «Die grösste Herausforderung ist es, diese Heterogenität zu ordnen und eine spezifische Identifizierung zu finden», erklärt Heinzelmann.

Weil die Klinikführung ein 50-Prozent-Pensum umfasst und die Chefin daneben Operationen durchführt, bleibt ihr oft nur noch am Wochenende Zeit für die Forschung.

Serie: Die Schweizer Wissenschaft ist Weltspitze – doch die Macher sind kaum bekannt. BILANZ präsentiert regelmässig eine Person, die mit ihren Innovationen die Welt verändert.

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