David Marcus hat in seiner Laufbahn schon einiges erlebt. Der Schweizer hat drei Startups gegründet, eines davon für 240 Millionen Dollar verkauft, er war CEO des Bezahldienstes Paypal, er hat bei Facebook den Nachrichtendienst Messenger geleitet und dessen Benutzerzahl vervielfacht.

Doch das alles ist nichts im Verglich zu dem Projekt, dass er vor eineinhalb Jahren geschultert hat und für das er seit kurzem im Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit steht: Der 46-Jährige ist der Kopf hinter Facebooks Kryptowährung Libra, die das Bezahlen off- und online revolutionieren soll. «Das ist bei Weitem das Schwierigste, intellektuell Stimulierendste und Herausforderndste, was ich je gemacht habe», sagt er selber.

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Falscher Zeitpunkt für Libra

Denn Libra weht heftiger Wind entgegen: von Politikern, Notenbankern, Regulatoren, Konsumenten. Auch weil Facebook mit dem Skandal um Cambridge Analytica 2016 und den Datenlecks massiv an Vertrauen verloren hat. Wichtige Partner wie Visa, Ebay oder PayPal sind aus dem Libra-Projekt wieder ausgestiegen, bevor es richtig lanciert war.

David Marcus, CEO of Facebook’s Calibra, testifies to the House Financial Services Committee hearing on "Examining Facebook's Proposed Cryptocurrency and Its Impact on Consumers, Investors, and the American Financial System" on Capitol Hill in Washington, U.S., July 17, 2019.      REUTERS/Joshua Roberts

Widerstand: Mit seinem Auftritt vor dem US-Kongress konnte David Marcus die Kritiker von Libra nicht besänftigen.

Quelle: Reuters

«Es war ein grosser strategischer Fehler, Libra zum jetzigen Zeitpunkt zu lancieren», sagt David Kirkpatrick, Gründer des amerikanischen Kongressveranstalters Techonomy und Autor eines viel beachteten Buchs über Facebook: «Daran trägt David Marcus die Hauptschuld.» Facebook hätte erst sein Imageproblem lösen, mehr Partner gewinnen und die Technologieplattform im Stillen fertigentwickeln müssen, bevor man mit den Plänen für das virtuelle Geld an die Öffentlichkeit ging, ist er überzeugt. «So aber werden die Regulatoren Libra nicht erlauben, sicher nicht in den nächsten fünf Jahren», sagt Kirkpatrick.

Extrem zielfokussiert

Als Chef gibt Marcus den Mitarbeitern viel Freiheit und Autonomie, in der Ansprache ist er sehr direkt. Er gilt als bodenständig und bescheiden, als extrem zielfokussiert, charismatisch und als passioniert für Technologie. Alles Eigenschaften, die ihm nützlich sein werden beim Versuch, Libra als virtuelle Weltwährung zu etablieren.

Nach den jüngsten Rückschlägen wird der Genfer nun noch mehr gefordert sein. Er wird noch mehr Klinken putzen müssen, noch mehr Überzeugungsarbeit leisten. Kann David Marcus das Milliardenprojekt noch retten?

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