2015 war ein extrem anspruchsvolles Jahr für die Schweizer Wirtschaft: Der Frankenschock hat die Anforderungen an die Wettbewerbsfähigkeit mit einem Schlag massiv erhöht, die weltweiten Krisen haben die Rahmenbedingungen auch nicht erleichtert. Dennoch geht es der Schweizer Wirtschaft vergleichsweise gut bis sehr gut.

Wichtigster Grund dafür sind die Menschen an der Spitze der Schweizer Firmen: Die Qualität einer Führungsetage zeigt sich besonders in der Krise. Wer aber sind die wahren Macher der Schweizer Wirtschaft? Auch dieses Jahr hat die «Bilanz» aus den Zehntausenden Akteuren die wichtigsten Manager, Unternehmer und Wissenschaftler ausgesiebt und auf je zehn Namen in zehn Branchen verdichtet.

Wer es in das «Who is who» geschafft hat, der hat wirklich etwas zu sagen. Er führt eine wichtige Firma oder Organisation, hat Macht und Einfluss auch noch darüber hinaus, sitzt in wichtigen Gremien, ist bestens vernetzt, hat Einfluss auf die öffentliche Meinung und/oder ist dieses Jahr besonders aufgefallen. Darunter lassen sich Namen wie UBS-CEO Sergio Ermotti, Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher oder Nestlé-CEO Paul Bulcke finden. Natürlich – das ist das Wesen einer Selektion – kann und darf eine solche Liste nie vollständig sein. Alleine schon, weil pro Firma nur ein Vertreter ausgewählt wurde.

Viele neue Namen hinzugekommen

Dabei sind gegenüber dem letzten Jahr viele neue Namen hinzugekommen und ebenso viele verschwunden. Auch dies ein Zeichen dafür, dass 2015 ein bewegtes Jahr war. Einer der Neuen im Bereich Finanzen: Raiffeisen-CEO Patrik Gisel.

Von seinem Vorgänger Pierin Vincenz erbt er ein enorm stark gewachsenes Bankenreich mit heute über 1000 Geschäftsstellen, 3,7 Millionen Kunden und einer Bilanzsumme, die kürzlich die Schwelle von 200 Milliarden Franken überschritten hat. So gross ist der Konzern inzwischen, dass er von der Nationalbank als systemrelevant eingestuft wird. Den von seinem Vorgänger gepushten Ausbau setzt Gisel fort: Mit ehrgeizigen Zielen im Private Banking und im Asset Management will er die stark auf Hypothekarausleihungen fokussierte Bank weiter diversifizieren.

Ebenfalls neu – allerdings im Bereich Kommunikation/ Medien – ist Roger Köppel, der am 18. Oktober für die SVP in den Nationalrat gewählt wurde. Bereits vor den Wahlen wurde die Frage laut, ob Köppel sein Amt als Chefredaktor und Verleger der «Weltwoche» beibehalten werde. Seine eigene Antwort ist ein klares Ja.

Thomas Klühr ersetzt Harry Hohmeister

Anfang Februar 2016 übernimmt Thomas Klühr vom Deutschen Harry Hohmeister den Chefposten bei der Swiss, die seit 2005 der Lufthansa-Gruppe gehört und zählt damit künftig im Bereich Touristik/ Gastronomie zu den wichtigsten Akteuren der Schweizer Wirtschaft. Mit seinem Posten kommen grosse Aufgaben auf ihn zu: Es steht die Erneuerung der Flotte durch die C-Series von Bombardier für Kurz- und Mittelstrecken und durch die Boeing 777 für die Langstrecke an. Zudem übernimmt Klühr die Funktion des Chief Operating Officers von Rainer Hiltebrand, der umplatziert wird und fortan damit beschäftigt ist, ein konzernübergreifendes Training des fliegenden Personals aufzubauen.

Florian Teuteberg ist der Schweizer Jeff Bezos und darf in der Schweizer Wirtschaftselite – im Bereich IT – nicht mehr fehlen: Zusammen mit seinen Mitgründern Oliver Herren und dem inzwischen augeschiedenen Marcel Dobler, hat er den mit Abstand grössten Online-Shop des Landes aufgebaut. 2001 gründeten sie Digitec als Internetanbieter für IT. Seit drei Jahren ist Teuteberg mit seiner Crew unter galaxus.ch auch im Online-Handel mit Haushaltswaren aktiv; beide Firmen hat er diesen September zusammengelegt in der Digitec Galaxus AG. Jetzt ist er erst recht die klare Nummer eins im Schweizer Online-Handel mit geschätzten 600 Millionen Franken Umsatz und über 550 Mitarbeitern.

Nick Hayek im Bereich Uhren

Im Bereich Uhren zählt Nick Hayek zweifelsohne zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Schweiz. Seit 2010 leitet der CEO der Swatch Group den grössten Uhren­konzern der Welt und hat dabei auch Kritiker überzeugt. 1994 war er beim Konzern eingestiegen, zuerst als Marketingleiter der Swatch AG. Als CEO hat Hayek, der von seiner Schwester Nayla als Konzernpräsidentin unterstützt wird, Erfolg. Ein Grund dafür ist das intel­ligent aufgebaute Markenportfolio der Swatch Group. Man ist zwar mit Marken wie Breguet, Blancpain oder Omega im Luxussegment gut vertreten, baut aber auch Uhren für normale Einkommen, zum Beispiel bei der Marke Longines.

Neu im Bereich Handel ist André Maeder: Mit Vorstandsstationen bei Harrods in London, Boss, s.Oliver und als (glückloser) Chef von Charles Vögele ist Maeders Spannbreite gross. Aktuell gebietet er als Managing Director der KaDeWe-Gruppe über die drei deutschen Edelwarenhäuser Oberpollinger (München), Alsterhaus (Hamburg) und KaDeWe in Berlin, die zusammen für 600 Millionen Euro Umsatz stehen.

«Who is who» im Bereich Pharma/ Chemie

Als Roche-CEO zählt Severin Schwan im Bereich Pharma/ Chemie zum «Who is who» der Schweizer Wirtschaft. Zwar ist der Österreicher ein introvertierte Charakter. Doch in der Sache geht er kalkuliert und direkt vor. Braucht es ein klares Wort, zögert der 48-Jährige nicht. So hat Schwan seine Karriere gemeistert, die bei Roche 1993 begann und ihn 2008 an die Konzernspitze führte. Seit zwei Jahren sitzt er auch im Verwaltungsrat und hat dort angesichts des branchenfremden Präsidenten Christoph Franz meist freie Hand.

Albert Kriemler verdankt die Schweiz, dass sie auf der Weltkarte mit bedeutenden Couture­-Labels kein weisser Fleck, sondern ein Hotspot ist. Als Chefdesi­gner des Luxuslabels Akris zählt er im Bereich Luxus zum «Who is who». Wer «Albert Kriemler» googelt, findet ihn an der Seite von Promis wie Prin­zessin Charlène, Anna Wintour, Brooke Shields oder Susan Sarandon. Luxuriös ist an seinen Kreationen ein­fach alles: die Schnitte, die Materialien, die Verarbeitung, die Attitüde – die Akris­-Kollektionen sind understated, tragbar und schmeichelnd.

Paul Hälg kennt heute jeder

Bis Ende letzten Jahres war der Name Paul Hälg nur Insidern ein Begriff: Einige wenige kannten ihn als CEO des Indust­riekonzerns Dätwyler Holding, noch ein paar weniger als VR­-Präsidenten des Bauchemieherstellers Sika. Heute kennt ihn jeder in der Schweiz, der sich für Wirtschaft interessiert. Grund ist der Übernahmekampf um Sika. Nicht irgend­ein Übernahmekampf, sondern ein in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte ein­maliger Vorgang: Das Management lehnt sich gegen die Besitzer auf. Und Hälg gibt dabei den Rädelsführer. Im Bereich Industrie/ Technologie hat ihn das neu zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Schweiz befördert.

Ebenfalls zur Schweizer Wirtschaftselite neu dazugestossen im Bereich Wissenschaft/ Medizin ist Beatrice Weder di Mauro. Fast zehn Jahre lang war die Baslerin eine der fünf Wirtschaftsweisen, welche die deutsche Bundesregierung in ökonomischen Fragen beraten. Als erste Frau, jüngstes Mitglied und erste Ausländerin in diesem Gremium. Das Amt einer Wirtschaftsweisen gab sie 2014 auf, als sie von Axel Weber in den Verwaltungsrat der UBS berufen wurde.

Wer sind die Wichtigsten der Schweizer Wirtschaft? Die grosse Übersicht zeigt Ihnen, wer wirklich etwas zu sagen hat.

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