Das Unternehmerische liegt ihm im Blut: Die Familie Wolfensberger hatte mit dem ebenso einfachen wie genialen Heftsystem Ibico ein schönes Vermögen gemacht, bevor sie das Unternehmen an einen US-amerikanischen Konzern verkaufte. Was Thomas Wolfensberger nicht daran hinderte, schon während des Studiums der Betriebswirtschaft an der Universität Zürich sein eigenes Geld zu verdienen und gleich seiner «Affinität für Computer» zu frönen. Als Berater bei IBM betreute er als Werkstudent Klein- und Mittelbetriebe, dann ging er nach dem Studienabschluss wiederum als Berater zur damaligen Andersen Consulting und heutigen Accenture.

In Düsseldorf, wo er an einem Bankprojekt arbeitete, lernte er Ernst Nusterer kennen, seinen damaligen Chef und heutigen Partner bei Swissrisk. Der hatte technische Chemie studiert und vier Jahre im IBM-Forschungslabor in Rüschlikon gearbeitet, bevor er in die Consultingbranche wechselte und nebenbei an einem eigenen Riskmanagement-System arbeitete. Konkret wurden die Pläne für eine eigene Firma allerdings erst, als Thomas Wolfensberger eineinhalb Jahre Urlaub nahm, um seine Dissertation über «Virtual Communities» fertig zu schreiben, und bei Swissinvest sein Framework für quantitative Erfolgsmessung dieser Communities implementierte.

Die Arbeit an der Dissertation und das Studium der vorhandenen Finanzportale zeigten Thomas Wolfensberger, wo die Chance für die Firma lag, die er 1999 zusammen mit Nusterer gründete, die heute sieben Beschäftigte zählt und als Kunden unter anderem die UBS gewonnen hat: Swissrisk ist ein so genannter Application-Service-Provider. Applikationen werden also nicht nur entwickelt, sondern auch betrieben. Dank dem eigenen Rechenzentrum pflegt Swissrisk die Börsendaten und verknüpft sie mit Anwendungen wie Portfolio-Optimierung oder Risikoanalsye. Die Berater der Banken können die Bedürfnisse der Anlagekunden auf diese Weise in Sekundenschnelle bei Swissrisk abklären lassen. Die Erfahrung als Berater kommt Wolfensberger dabei zugute, denn zum Geschäft gehört nicht nur der Verkauf des Service, sondern auch die strategische Beratung der Kunden und deren Betreuung, bis das System zu deren Zufriedenheit funktioniert.

Bereits gibt es eine Repräsentanz in Schanghai, im Herbst wird ein eigenes Büro in New York eröffnet. Heute ist Swissrisk vor allem in der Schweiz und in Deutschland tätig; den asiatischen und den amerikanischen Markt zu erschliessen, gehört jedoch zu den erklärten Zielen von Wolfensberger. Noch ist sein System, nicht zuletzt dank dessen Schnelligkeit, einmalig. Es wäre nicht schlecht, auch im Fernen Osten und Westen Fuss zu fassen, bevor die Nachahmer antreten.


Die Erfolgsfaktoren

Wissenschaft

Die Bekanntschaft mit Ernst Nusterer bezeichnet Thomas Wolfensberger als einen Wendepunkt in seinem beruflichen Leben. Die Hartnäckigkeit des Wissenschaftlers in der Entwicklung neuer Systeme und dessen unbezahlbare Erfahrung im IBM-Forschungslabor, unter anderem in der Programmierung des Supercomputers Deep Blue, waren genau die richtigen Voraussetzungen, um gemeinsam ein neues Geschäft zu starten. Die Kombination mit seiner eigenen wissenschaftlichen Arbeit beim Zürcher Professor Hans Peter Wehrli hat sich als überaus erfolgreich erwiesen.

Praxis
Kurz vor der Gründung der eigenen Firma wirkte Thomas Wolfensberger als Berater des US-Unternehmens Sourcingpartner. Die Restrukturierung, die er begleitete, bestand vor allem darin, aus einem traditionellen Handelsunternehmen eine Internetplattform zu gestalten – und das zu einer Zeit, als sich der New-Economy-Boom abzuschwächen begann. Die Firma ist heute erfolgreich, macht rund 600 000 Dollar Umsatz im Monat und hat die Kosten im Griff. In einem schwierigen Umfeld E-Commerce mit Erfolg zu betreiben, war also möglich – eine gute Lehrzeit für das eigene Geschäft, das im Jahr 2000, zum Zeitpunkt des New-Business-Katzenjammers, operativ wurde.
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