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Wie bitte? 
CFA-Chef: «Es braucht härtere Sanktionen»

Hans Ziegler: Der Fall wird zur Nagelprobe für Insiderdelikte. Keystone

Sanierer Hans Ziegler betrieb Insider-Geschäfte im grossen Stil. CFA-Chef Christian Dreyer fordert nun höhere Bussen.

Von Harry Büsser
12.07.2017

Die Insider-Strafnorm zeigt endlich Zähne.
Christian Dreyer*: Ich bin froh, dass Verfahren zur Insider-Strafnorm endlich zum Abschluss gebracht werden können, denn insgesamt ist die Schweiz im Wirtschaftsstrafrecht nicht weit weg von einer Bananenrepublik.

Wie bitte?
Selbst im aktuellen Fall werden ja bisher nur die erzielten Gewinne eingezogen.

Die Finanzmarktaufsicht (Finma) darf gar keine Bussen verhängen. Im Gesetz steht nur, sie solle den ordnungsgemässen Zustand wiederherstellen.
Es braucht härtere Sanktionen zur abschreckenden Wirkung. Wenn der Täter nur mit einer relativ tiefen Wahrscheinlichkeit den Gewinn abgeben muss, hat er immer noch einen positiven Erwartungswert seiner Tat. In der EU können die Bussen bis zu 15 Prozent des Umsatzes eines Unternehmens ausmachen.

Das tut richtig weh.
Das soll es auch.

Insider-Strafvergehen aufzudecken, ist extrem schwierig.
Ja, meist handeln die Täter über Strohmänner.

Auch Hans Ziegler dürfte die Börsengeschäfte kaum im eigenen Namen getätigt haben. In der Gerüchteküche hört man von einem Insider-Ring mit acht beteiligten Personen.
Die SIX Exchange Regulation schaut sich alle Handelstransaktionen rund um grössere Bekanntgaben genau an und meldet konkrete Verdachtsmomente an die Finma.

Beispielsweise wenn Übernahmen bekannt gegeben werden.
Ja, das frühere Börsenhandelsverhalten einer verdächtigen Person kann weitere Aufschlüsse geben.

Wenn sie früher immer nur kleine Beträge und plötzlich sehr grosse investiert.
Auch das Netzwerk der Person wird analysiert.

Alles sehr aufwendig.
Deswegen sollten dafür auch mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Mehr Personal für die Finma? Zum Beispiel, aber auch bei den Gerichten. Die brauchen ebenfalls mehr kompetente Leute, die sich mit Börsenhandel auskennen. Der gesamte Wirtschaftsstrafrechtsapparat braucht mehr Ressourcen. Heute besteht oft die Gefahr, dass Delikte verjähren, bevor sie bestraft werden können. Auch wenn die Verjährungsfrist zehn Jahre beträgt.


*Christian Dreyer hat an der Uni St. Gallen Staatswissenschaften studiert. Er ist Geschäftsführer der CFA Society Switzerland, einer Standesorganisation von Finanzprofis.

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