Cleveland hat angerichtet: Vier Tage Spektakel für die Kür Donald Trumps, der als Präsidentschaftskandidat der Republikaner aber längst feststeht. Oder kann da noch was passieren?

Trump macht es spannend. Die «National Convention», eine Art Überparteitag, ist eine bis ins letzte Detail durchchoreographierte Politshow. So richtig klar ist kurz vor Cleveland aber nur das Ziel: Wenn am Donnerstagabend nächster Woche die Prime Time der US-Sender beginnt, dann soll Trump die Nominierung der Republikaner annehmen.

2016 ist vieles anders

Normalerweise sind Conventions etwas für politische Feinschmecker, eingefleischte Wahlfans und verdiente Parteigranden. Sie dient der Selbstvergewisserung und der Darstellung: Wer wollen wir als Partei sein? Der breiten Öffentlichkeit war das meistens eher egal, sie begann erst danach, sich überhaupt mit den Kandidaten nebst ihren dort präsentierten Soll-Vize zu befassen. Das ist 2016 etwas anders.

50'000 Menschen erwartet die Metropole am Erie-See im Bundesstaat Ohio. Journalisten und Büchsenspanner, Mitarbeiter der Stäbe und Parteigliederungen, Technik, Logistik – nur der kleinere Teil dieser gewaltigen Menschenmenge stellt die eigentliche Convention.

Schwierige Suche nach Sprechern

Seit Februar haben die Republikaner in den Vorwahlen Delegierte für Cleveland bestimmt, 2472. Für die Nominierung brauchte man 1237. Der 70-jährige Trump, in Fragen der Show ein Vielfaches erfahrener als in jenen der Politik, kam schon im Mai auf 1542. Also alles klar für Cleveland, oder?

Die Vorbereitungen für das grosse Spektakel liefen holprig. Aus der ersten Reihe der Partei winkten viele ab, sie wollen in Cleveland nicht sprechen. Die Bush-Familie, Mitt Romney, Lindsay Graham, John McCain: Trump ist nicht ihr Kandidat, allen Rufen nach Einigkeit der Republikaner zum Trotz.

Letzte Chance für Trump-Gegner

Schon seit Tagen sitzt die Partei in verschiedenen Runden, um letzte Regeln für Cleveland festzulegen. Besonders wichtig: das Komitee für Regeln, 112 Mitglieder, ganz überwiegend pro Trump. Böse Überraschungen für den Kandidaten sollen vermieden werden.

Nun ist Trump aber für viele Republikaner selber die böse Überraschung des Jahres. Mit Verfahrenstricks versucht eine Gruppe, ihn zu verhindern. Das wird angesichts der Mehrheitsverhältnisse in Cleveland schwer bis unmöglich, aber das galt 2016 auch schon für andere Dinge.

Befürchtete Gewalt

Die Sicherheit wird ein riesiges Thema sein in Cleveland. Nach den Polizistenmorden von Dallas und zwei von der Polizei erschossenen Schwarzen brodelt es im Land, und die Polizei hat grosse Sorgen.

Es wird lange Wege geben, Durchsuchungen, Wartezeiten und Sperrungen. Reportern wurde zu Schutzmasken und -kleidung geraten, falls man in Auseinandersetzungen einer gewalttätigen Demonstration gerate.

Familie und ein früherer Rivale

Wenn auch noch nicht viel feststeht und einige unken, Cleveland werde ein totales Desaster: Sicher ist, dass Trumps Familie eine grössere Rolle spielen wird, vor allem seine erwachsenen Kinder Donald Jr., Ivanka, Eric und Tiffany. Für Gattin Melania wird dem Vernehmen nach noch nach einer passenden Rolle gesucht.

Für die politische Linie soll Paul Ryan stehen, nicht immer glücklich agierender «Speaker of the House», nominell einer der Mächtigsten der Partei. Und Ted Cruz hat sich für eine Rede breitschlagen lassen, er ist jetzt nicht mehr der «Lügende Ted». Scott Walker soll reden (Gouverneur, Wisconsin) und Joni Ernst (Senatorin, Iowa). Gestrauchelter Ex-Star der eine, steigender Stern die andere.

«Dämlicher Club weisser Jungs»

Der «Washington Post» sagte ein Parteiberater, kein einziger Redner schlage einen dringend benötigten Bogen zu Hispanics oder Afroamerikanern. «Es ist einfach alles dieser dämliche Club weisser Jungs, alle anderen hat Trump zurückgewiesen.»

Mit breitem Strich hatte Trump die Convention in der ihm eigenen Art als Zirkus-Show, Casting und allerfeinster Unterhaltung gezeichnet. Den bunten Berg hat er dann wochenlang abgetragen, am Ende sei eine Convention doch eine Convention, allzu viel müsse da vielleicht gar nicht geändert werden. Immerhin kommt wohl Don King, Box-Promoter, der kennt sich mit Show und Kampf aus.

Prädestiniert für eine grosse Show

Der Ort der Krönungsfeierlichkeiten jedenfalls gäbe einen wilden Tanz à la Trump schon her. Im «The Q», einer dieser riesigen Multifunktionshallen, versenkt sonst LeBron James meisterhaft für die Cleveland Cavaliers Basketbälle, hier werden auch Wrestling und Pirouetten beim Eiskunstlauf geboten.

Ausserdem wurde in Cleveland der Comic-Held Superman geboren, zumindest die Idee. Beste Zutaten für einen wie Trump.

(sda/jfr)

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