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Grausam 
Berlin steht nach Anschlag unter Schock

Berliner Gedächtniskirche: Es muss von einem Terroranschlag ausgegangen werden. Keystone

Der Albtraum ist wahr geworden: Im Herzen von Berlin raste ein LKW auf einen Weihnachtsmarkt und tötete mindestens zwölf Menschen. Bundeskanzlerin Merkel geht von einem terroristischen Anschlag aus.

Veröffentlicht 20.12.2016

Ein Lkw rast auf einem Berliner Weihnachtsmarkt in eine Menschenmenge, zwölf Menschen sterben. Sofort kommen Erinnerungen an die Schreckenstat von Nizza hoch.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel geht von einem Anschlag aus. «Wir müssen nach jetzigem Stand von einem terroristischen Anschlag ausgehen», sagte Merkel am Dienstag in Berlin. Die Kanzlerin äusserte sich tief erschüttert. «Das ist ein sehr schwerer Tag», sagte sie nach der Bluttat mit mindestens 12 Toten vom Vorabend. Sie denke in diesen Stunden zuallererst an die Toten und die mehr als 40 Verletzten. Ein ganzes Land sei in Trauer vereint.

Merkel kündigte ein hartes Vorgehen des Rechtsstaats an. Die Tat werde aufgeklärt werden, «in jedem Detail, und sie wird bestraft werden, so hart es unsere Gesetze verlangen». Noch wisse man vieles über die Tat nicht mit der nötigen Gewissheit. Es wäre besonders schwer zu ertragen, «wenn sich bestätigen würde, dass ein Mensch diese Tat begangen hat, der in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten hat».

Bei der Tat im Herzen Berlins raste am Montagabend ein Lastwagen auf einen Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche und tötete mindestens zwölf Menschen. Weitere 48 Menschen lagen am Morgen zum Teil schwer verletzt in Spitälern.

Tatverdächtiger in keiner Terrordatei

Der festgenommene Tatverdächtige des Anschlags ist nach den Worten von Innenminister Thomas de Maiziere bislang in keiner Terrordatei gefunden worden. Der Mann streite die Tat ab, die Ermittlungen würden offen weitergeführt, sagte de Maiziere am Dienstag nach der Sitzung des sogenannten Sicherheitskabinetts in Berlin.

Es bestehe aber keinerlei Zweifel mehr, dass es sich bei dem schrecklichen Ereignis am Montagabend mit zwölf Toten um einen Anschlag gehandelt habe. Der Lastwagen sei bewusst in die Menschenmenge gesteuert worden. Ein Bekennerschreiben gebe es bislang nicht.

Festgenommene stammt wohl aus Pakistan

Der Festgenommene stammt laut de Maiziere wohl aus Pakistan, wurde am 31. Dezember als Flüchtling registriert und tauchte im Februar in Berlin auf. Das Asylverfahren sei nicht abschliessend entschieden.

Bislang sind dem Minister zufolge nur wenige der Toten identifiziert. 48 Menschen seien verletzt worden, davon 18 schwer.

Der dunkle Lastwagen mit polnischem Kennzeichen fuhr laut Polizei gegen 20.00 Uhr auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern über den Markt und zerstörte dabei mehrere Buden. Ein weiterer Mann, ein Pole der auf dem Beifahrersitz sass, war laut brandenburgischem Innenministerium der ursprüngliche Fahrer. Dieser wurde offenbar erschossen.

Polnischer Lastwagen

Der Lastwagen gehörte einer polnischen Spedition, wie deren Eigentümer Ariel Zurawski dem polnischen Sender TVN 24 sagte. Der Fahrer, sein Cousin, sei seit etwa 16.00 Uhr am Montag nicht mehr zu erreichen gewesen. Für ihn könne er die Hand ins Feuer legen, dass er kein Attentäter sei. Auf einem Polizeifoto habe er seinen Cousin identifiziert.

Der Lastwagen hatte Stahlkonstruktionen aus Italien nach Berlin transportiert, berichtete Zurawski. Wegen einer Verzögerung habe der Fahrer bis zum Dienstag warten müssen und den Lastwagen in Berlin parkiert. Die Berliner Polizei teilte dagegen mit, es bestehe der Verdacht, dass der Sattelschlepper in Polen von einer Baustelle gestohlen worden sei.

Bestürzte Reaktionen

Nach Worten von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller war die Situation am Abend unter Kontrolle. Der Regierungschef reagierte geschockt. «Was wir hier sehen, ist dramatisch», sagte Müller auf dem Breitscheidplatz.

Bundespräsident Joachim Gauck äusserte sich ebenfalls betroffen. «Das ist ein schlimmer Abend für Berlin und unser Land, der mich wie zahllose Menschen sehr bestürzt», teilte Gauck mit. Ähnlich äusserten sich Frankreichs Präsident François Hollande, Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker.

Bundespräsident Johann Schneider-Amman reagierte betroffen. «Tief betroffen von den tragischen Ereignissen in Berlin. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien», twitterte Schneider-Ammann. Aussenminister Didier Burkhalter übermittelte seinem Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier die Beileidsbekundungen der Schweiz.

Frankreich erhöhte die Sicherheitsvorkehrungen auf seinen Weihnachtsmärkten. Der designierte US-Präsident Donald Trump sprach schon von einem «schrecklichen Terrorangriff».

Hinweise über Soziale Medien

Die Polizei schaltete ein Portal frei, über das Augenzeugen des möglichen Anschlags in Berlin Fotos und Videos hochladen können. Zuvor hatte die Polizei gebeten, kein Bildmaterial über Soziale Medien zu verbreiten oder es per Twitter an die Behörden zu senden. Auf Handy-Fotos und -Videos könnten Hinweise zu sehen sein, die den Ermittlern bei ihrer Arbeit helfen.

Bei einem Anschlag im Juli in Nizza waren 86 Menschen ums Leben gekommen, als ein Terrorist mit einem Lastwagen über die Uferpromenade der Mittelmeermetropole fuhr. Für den Anschlag hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Verantwortung übernommen.

(sda/ccr)

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