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Manager-Renten 
Auch im Ruhestand verdienen die Konzernchefs prächtige Summen

Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, ist bei einer Präsentation mit einem Shirt mit der Aufschrift «Do Epic Shit» auf einem Videoscreen zu sehen. Zetsche gibt seinen Posten im Mai 2019 auf. Foto: Bernd Thissen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Bernd Thissen)
Dieter Zetsche: Die Millionen-Rente des Daimler-Chefs sorgt für Aufregung.Quelle: Keystone .

Daimler-Chef Zetsche erhält einmal 2877 Euro Ruhegeld – pro Tag. Können die Schweizer CEOs mit solchen Renten mithalten?

Melanie Loos
Von Melanie Loos
08.02.2019

Wenn der langjährige Daimler-CEO Dieter Zetsche im Mai abtritt, kann er sich auf eine saftige Rente freuen. Laut Geschäftsbericht 2017 erhält er ab 2020 ein jährliches Ruhegehalt von 1,05 Millionen Euro – das entspricht rund 2877 Euro am Tag. In Deutschland hat diese gerade eine Debatte ausgelöst. Und es könnte sogar noch mehr werden. Denn das aktuelle Altersvorsorgesystem sieht einen Kapitalbaustein vor, aus dem noch höhere Ansprüche entstehen könnten.

Zudem wird Dieter Zetsche nach einer zweijährigen Übergangszeit in den Aufsichtsrat wechseln – könnte sogar Nachfolger des derzeitigen Präsidenten Manfred Bischoff werden, der 2021 abtritt. Allerdings ist ein Aufsichtsratsposten in Deutschland nicht ganz so lukrativ wie ein Verwaltungsratsposten in der Schweiz. Der derzeitige Aufsichtsratschef von Daimler, Bischof, erhielt im vergangenen Jahr 536'000 Euro.

Als Chef des deutschen Autobauers verdiente Dieter Zetsche im Geschäftsjahr 2017 insgesamt 8,6 Millionen Euro. Tatsächlich kam er einschliesslich aller Bonuszahlungen auf 13 Millionen. Damit liegt er zwar hinter der Nummer eins im Dax – SAP-Chef Bill McDermott. Aber in Sachen Pension kann es niemand mit Zetsche aufnehmen: nach über vierzig Jahren bei Daimler liegt sein Pensionsanspruch bei über 42 Millionen Euro.

Weitere Dax-Chefs

Eine stattliche Summe an Pensionsansprüchen hat auch Siemens-CEO Joe Kaeser angesammelt: über 11 Millionen Euro waren es laut Geschäftsbericht 2017. Seine spätere Rente hänge von der «Entwicklung des Pensionsvermögens ab, die nicht sicher vorhergesagt werden kann», so ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Kaeser ist mit zuletzt 10,8 Millionen Euro an dritter Stelle der Topverdiener unter den deutschen CEOs. Zusätzlich zahlte der Konzern laut Geschäftsbericht 2017 knapp 1,2 Millionen Euro an die betriebliche Altersversorgung.

Unangefochten an der Spitze ist SAP-Chef Bill McDermott, der mit 21,1 Millionen Euro im Jahr 2017 der mit Abstand bestbezahlte CEO Deutschlands ist. Seit 2010 leitet der Amerikaner den deutschen Software-Konzern. Eigentlich hätte er es bei diesem Salär nicht nötig, doch auch für seine Rente ist vorgesorgt. Der Konzern zahlt in den Pensionsplan von SAP Amerika, dort hat McDermott bisher einen Rentenanspruch von 895’000 Euro im Jahr erworben. Die tatsächliche Rente dürfte je nach der Länge seiner Amtszeit höher ausfallen.

Schweizer CEOs

Können die Schweizer CEOs mit solchen Renten mithalten? Der bestbezahlte CEO ist Roche-Chef Severin Schwan. 2017 erhielt er ein Vergütungspakte von 15,1 Millionen Franken  – davon wurden 578'000 Franken an die Pensionskasse und für sonstige Vorsorgeleistungen gezahlt. Zusätzlich zur Gesamtvergütung zahlte Roche 556'000 Franken an die AHV. Was später einmal ausgezahlt wird, kann nur schwer vorhergesagt werden – darüber dürfen die Pensionskassen per Gesetz auch keine Auskunft erteilen.

Der zweite Top-Verdiener ist UBS-Chef Sergio Ermotti; er verdiente verdiente 2017 eine Summe von 14,2 Millionen Franken. Laut Geschäftsbericht setzte es sich aus einer fixen Vergütung von 2,8 und einer variablen Vergütung von 11,4 Millionen zusammen. Darin enthalten waren rund 261'000 Franken, welche die UBS für ihren CEO in die Pensionskasse einzahlte. Hinzu kamen 2017 schätzungsweise Sozialversicherungsbeiträge von 893'000 Franken.

Interessant dabei ist, dass Sergio Ermotti sich vor einigen Tagen zur geplanten AHV-Reform geäussert hatte. Er sagte, dass Gutverdiener wie er nicht auf die AHV angewiesen seien. Dafür könnten Mindestrenten erhöht werden.

Die Nummer drei ist Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam mit 9,7 Millionen Franken im Jahr 2017 – davon 250'000 Franken für Vorsorge und sonstigen Leistungen wie Wohnungs- und Umzugszulagen sowie Spesenpauschalen. Ob die Grossbank auch Beiträge in die AHV für ihren CEO zahlt, ist weder im Vergütungsbericht aufgeführt noch von einem Unternehmenssprecher bestätigt worden.

Unterschiedliche Rentensysteme

Da die Vergütungssysteme in Bezug auf die Renten in der Schweiz und Deutschland sehr verschieden sind, lassen sich die Rentenansprüche deutscher und Schweizer CEOs daher nur schwer vergleichen. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Altersversorgung in Deutschland anders als in der Schweiz Teil der Gesamtvergütung ist.

So erklärt auch Vergütungsexperte Stephan Hofstettler von der Beratungsfirma HCM die unterschiedlichen Rentenansprüchen deutscher und Schweizer CEOs: In Deutschland sei der Rentenaufbau ein relevanter Teil der Vergütung, während in der Schweiz die aktienbasierte Vergütung eine viel grössere Rolle spiele. So hätten Führungskräfte in Deutschland tiefere Löhne als in der Schweiz, dafür aber höhere Rentenansprüche.

Zudem habe sich dieses Verhältnis hierzulande in den letzten Jahren verschoben. Der Abfindungsskandal um den früheren ABB-Chef Percy Barnevik hatte eine allgemeine Diskussion über eine Reduzierung der Rentenansprüche von Top-Managern ausgelöst. Barnevik erhielt bei seinem Ausscheiden 2002 eine steuerbegünstigte Zahlung in sein Pensionsguthaben von 148 Millionen Franken. Dafür wurde er öffentlich so stark kritisiert, dass er später 89 Millionen Franken an ABB zurückzahlte.

«Die Philosophie hinter dieser Regelung ist eine andere als in Deutschland. In der Schweiz orientieren wir uns stärker an den USA, wo Manager auch höhere Vergütungen bekommen, aber für den Ruhestand im grösseren Ausmass selbst vorsorgen müssen,» sagt Stephan Hofstettler, Managing Partner von HCM International.

Transparente Manager-Vergütung

Ein Vergleich sei daher schwierig, sagt auch Thomas Müller von der Unternehmensberatung HKP, die jährlich die Löhne von Top-Managern in ganz Europa untersucht. Eben aus diesem Grund nehmen die Vergütungsspezialisten die Pensionsansprüche nicht in ihre Analyse auf. «Per Gesetz ist die Altersversorgung nicht Teil der Vergütung in Deutschland – trotz mittlerweile signifikanter Höhen.»

Allerdings seien deutsche Dax-Unternehmen mittlerweile Musterschüler was die Transparenz der Vergütungen angeht. Gemäss dem Deutschen Corporate Governance Kodex veröffentlichen heute fast alle der 30 Dax-Unternehmen freiwillig alle der Geschäftsleitung in einem Jahr tatsächlich zugeflossenen Vergütungselemente, einschliesslich der Nebenleistungen und Altersversorgungsansprüche.

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