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Alexandre Zeller: Der Leisesprecher

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Alexandre Zeller, Präsident des Börsenbetreibers SIX Group, wirkt eher im ­Stillen. Die Wirren um seinen alten Arbeitgeber HSBC Schweiz verfolgt er aus der Ferne.

Von Ueli Kneubühler
03.03.2015

Als in den vergangenen Wochen ein Mediensturm über den Schweizer Ableger der britisch-asiatischen Bank HSBC fegte, da war Alexandre Zeller (54) froh, dass er heute Präsident der Börsenbetreiberin SIX Group ist und nicht mehr Chef der Genfer Bank. Die Fragen muss nun sein Nachfolger Franco Morra beantworten.

Ausgelöst hatte den Sturm Hervé Falciani. Der ehemalige HSBC-Informatiker hatte 2007 Daten gestohlen und dem französischen Fiskus übergeben. Die Auswertung zeigte, dass Kunden der HSBC in Genf in Steuerhinterziehung, Terrorfinanzierung, Drogen- und Waffenhandel involviert waren.

Zeller war zwischen 2008 und 2012 HSBC-Chef. Zum aktuellen Fall will er sich nur so weit äussern, dass man damals gefundene Einzelfälle umgehend gemeldet habe. Allerdings verstieg er sich 2009 gegenüber Journalisten zur Aussage, dass er sich keinerlei Sorgen mache, «dass wir in unserer Bank irgendeinen Fall von Geldwäscherei haben». Zeller hatte damals auch anderes zu tun mit der Fusion zweier HSBC-Schweiz-Töchter.

Der Börsenpräsident ist die Ruhe in Person und ein sanftmütiger Redner. Und während bei vielen Unternehmen nach der Aufhebung des Mindestkurses der Angstschweiss ausbrach, konnte sich Zeller die Hände reiben. Die Börsenbetreiberin SIX verzeichnete am Tag der Aufhebung einen Rekordumsatz.

Die Freunde

Bankiers, Staatssekretäre oder Piloten: In seiner langen Karriere hat Zeller viele Personen getroffen, aus denen Freunde wurden. Einer davon ist der heutige Nespresso-Chef Jean-Marc Duvoisin. Mit ihm hat er in Lausanne studiert. Skitouren unternimmt er mit André Borschberg, Pilot in Bertrand Piccards Solarflugzeug Solar Impulse.

Auch militärisch gibt es enge Bande. Ex-Korpskommandant Jean Abt war der beste Freund von Zellers Vater und in der Armee auch einmal sein Vorgesetzter. Zeller war Gebirgsgrenadier im Rang eines Hauptmanns. Eng sind die Drähte zu Jacques de Watteville, Staatssekretär für ­internationale Finanzfragen. «Wir treffen uns beim Start-up Swiss Fresh Water von de Wattevilles Bruder», sagt Zeller. Das Jungunternehmen ist in der Wasserreinigung beziehungsweise Wasseraufbereitung tätig.

Und natürlich haben sich während der langjährigen Karriere in der Finanzindustrie Freundschaften entwickelt. So pflegt er mit Evelyne Thalmann eine enge Freundschaft. Das einstige Direktions­mitglied der Credit Suisse hat sich vor langer Zeit in der Strategieberatung selbständig gemacht. Gut sind die Drähte auch zu Olivier Steimer, seit zwölf Jahren Präsident der Waadtländer Kantonalbank (BCV). Zeller und Steimer haben im selben Jahr bei der BCV begonnen. Die Wege von Julius-Bär-Chef Boris Collardi und Zeller kreuzten sich bei der CS, wo beide zu Beginn ihrer Karriere viele Jahre verbrachten.

Die Gegenspieler

Zeller ist ein angenehmer Zeitgenosse. In seinem Umfeld heisst es, er habe keine wirklichen Feinde, sondern eher Konkurrenten. Einer von ihnen ist Albert Michel. Der heutige Präsident der Freiburger Kantonalbank war bis 2011 Präsident der Generaldirektion und Zellers «liebster Konkurrent», wie er sagt. Zeller selbst war von 2002 bis 2008 Chef der Waadtländer Kantonalbank (BCV).

Ein Konkurrent ist auch Martin Scholl, Chef der Zürcher Kantonalbank. Konkurrent auf dem Börsenparkett ist der Schweizer Chef der Deutschen Börse, Reto Francioni. Im Mai 2015 wird dieser vom früheren UBS-Investmentbank-Chef Carsten Kengeter abgelöst. Mit dem deutschen Handelsplatz verbindet die Schweizer Börse eine lange Liaison. Eine Fusion der zwei Börsen war jahrelang ein Dauerthema. Noch vor Zellers Antritt verkauften die Schweizer ihren 50-Prozent-Anteil an der Terminbörse Eurex an die Deutschen.

Eine ambivalente Beziehung hatte Zeller zu Oswald Grübel. «Die Arbeit mit ihm war nicht immer einfach, aber sie hat mich weitergebracht», so Zeller. Kaum wurde Grübel auf den CS-Chefsessel befördert, verliess Zeller die Bank in Richtung BCV.

Die Banker-Connection

Ein gutes Verhältnis hat der Romand Zeller mit seinem Genfer Kollegen Patrick Odier, Präsident der Bankiervereinigung. Zeller ist VR bei Lombard Odier. Er lotste in seiner Zeit als Chef von HSBC Suisse Franco Morra nach Genf. Der Ex-Schweiz-Chef der UBS stieg als Private-Banking-Chef bei der HSBC Suisse ein und ist heute deren CEO. Eng zusammengearbeitet hat Zeller dort auch mit VR Carlo Lombardini. In seiner Funktion als SIX-Group-Präsident hat Zeller viel mit Bankern zu tun. Schliesslich gehört die Börse den Banken. So ist etwa der designierte Raiffeisen-Chef Patrik Gisel im VR. UBS-Vertreterin ist Sabine Keller-Busse, für die CS nimmt Romeo Lacher Einsitz. 

Die Karriere

Zellers Gesellenstück war die Sanierung der maroden Waadtländer Kantonalbank (BCV). 2002 wurde er, von der Credit Suisse kommend, CEO der zweitgrössten Kantonalbank und blieb bis 2008 an Bord. Seither ist er mit Ständerat und BCV-Verwaltungsrat Luc Recordon (Grüne) eng verbunden. Zeller, der in Lausanne BWL studierte und in Harvard ein Advanced-Management-Programm durchlief, strebte eine Karriere als Hotelier an. Doch der Stagiaire verbrannte sich an der Hotelfachschule die Hand und landete im Spital.

So verschlug es ihn zu Nestlé, wo er auf seinen Studienfreund und heutigen Nespresso-Chef Jean-Marc Duvoisin traf. Aus seiner Zeit bei der Credit Suisse, wo er ab 1987 bis zum Geschäftsleiter und Chef des Private Bankings Schweiz aufstieg, ist ihm der ehemalige Generaldirektor Klaus Jenny in Erinnerung. Mit dem heutigen SNB-Direktionsmitglied Jean- Pierre Danthine vertrat er in seiner Zeit als HSBC-Suisse-Chef die Interessen des Genfer Finanzplatzes im lokalen Bankenverband. Seit 2013 ist er Präsident der SIX Group mit Urs Rüegsegger als CEO. Zudem sitzt er in den Verwaltungsräten von Maus Frères (Manor) mit Chef Didier Maus und von Kudelski mit Patron André Kudelsski.

Die Familie

Das 50-Prozent-Pensum als SIX-Präsident und die anderen Mandate lassen Zeller genug Freiraum, um seinen Hobbys nachzugehen. Er ist ein Skitouren-Fan. Zweimal geriet er in jugendlichen Jahren in eine Lawine. Auf einer Skitour in Gstaad blieb er zwölf Minuten bedeckt, bevor er von den Kollegen gerettet werden konnte. Auch mit Steigeisen und Kletterseil ist er vertraut. Seine Partnerin Maria-Chrystina Cuendet, ehemalige Richterin und Stadträtin in Pully VD, ist heute Stiftungsrätin bei Heks (Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz). Die beiden sind seit 10 Jahren zusammen. Die Söhne stammen aus einer früheren Beziehung. Sie studieren derzeit in St. Gallen und Kyoto.

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