1. Home
  2. People
  3. 300 Reichste
  4. Nie waren die 300 Reichsten vermögender als heute

300 Reichste 
Nie waren die 300 Reichsten vermögender als heute

Es war ein durchzogenes Jahr. Dessen ungeachtet registrieren die 300 Reichsten der Schweiz saftige Vermögenszuwächse. Zusammen besitzen sie 613 Milliarden Franken - das macht 2 Milliarden pro Kopf.

Von Stefan Lüscher
2016-11-30

Das bald ad acta gelegte Jahr 2016 war nicht wirklich dazu angetan, die Vermögen der Reichsten dieser Welt weiter anschwellen zu lassen. Zwar machten die Aktienmärkte in den USA und Grossbritannien an Boden gut, doch hielten sich die Kursgewinne in Grenzen. Schlecht gelaufen ist es dagegen an den Börsen in Deutschland, Japan und der Schweiz. Auch das Edelmetall Gold, unverändert ein wichtiger Bestandteil in den Portfolios der Reichsten, hat nach einem Zwischenspurt seit dem Sommer an Glanz eingebüsst.

Die terroristischen Anschläge in Europa haben zudem wichtigen Touristenscharen wie jenen aus China das Reisen vermiest, was wiederum die Uhren- und Schmuckhändler über deutliche Umsatzrückgänge zu spüren bekamen. An den Immobilienmärkten ist der Rausch verflogen, die grossen Wertsteigerungen gehören – zumindest vorderhand – der Vergangenheit an.

Dagegen haben sich die meisten Rohstoffpreise, vor allem jene der Industrie- und Buntmetalle, nach jahrelangem Abwärtstrend deutlich zu erholen vermocht. Und gerade im Rohstoffgeschäft wurden in den letzten zwei Dekaden riesige Vermögen angehäuft. Im Kunstmarkt, einem weiteren wichtigen Quell frischen Reichtums, steigen die Preise nicht mehr derart explosiv wie früher, als auch Investoren auf den fahrenden Zug aufsprangen und die tiefen Zinsen für einen Vermögensaufbau in Kunst nutzten.

Jeder Fünfte ist noch vermögender

Das durchzogene Jahr hat bei den 300 Reichsten der Schweiz dennoch kaum negative Spuren hinterlassen. Zwar registrierten 25 Personen oder Familien einen Rückgang ihres Vermögens. Auf der Gewinnerseite stehen 68 Reichste, denen «Bilanz» zum Teil deutliche Zuwächse zuordnen konnte. Also mehr als jeder Fünfte ist noch vermögender geworden.

Mitte November wurden die letzten Anpassungen bei den Berechnungen vorgenommen; zu diesem Zeitpunkt stellte sich das Gesamtvermögen der 300 Reichsten in der Schweiz auf 613'475 Millionen Franken. Gegenüber 2015 entspricht dies einer Zunahme von 3,1 Prozent respektive einem Plus von nicht weniger als 18,6 Milliarden Franken.

2045 Millionen Pro-Kopf

Noch nie waren die Superreichen in unserem Land reicher als heute. Das Pro-Kopf-Vermögen der 300 Reichsten stellt sich auf 2045 Millionen. Die Kapitalakkumulation ist ein globales Phänomen, in der Schweiz ist dieser Trend noch ausgeprägter. 1989 hat «Bilanz» erstmals dem heimischen Reichtum den Puls gefühlt. Die 100 Personen, die damals erfasst wurden, besassen zusammen 66 Milliarden Franken, was einem durchschnittlichen Vermögen von 660 Millionen entsprach. Über die letzten 28 Jahre hat sich das Durchschnittsvermögen also mehr als verdreifacht.

Dass solch gewaltige Summen in den Händen einiger weniger gerade in Politikerkreisen Begehrlichkeiten wecken und
Forderungen nach zusätzlicher fiskalischer Abschöpfung laut werden, beispielsweise über Erbschaftssteuern, kann nicht verwundern. Dabei geht vergessen, dass die grosse Mehrheit der 300 Reichsten ihre Vermögen in Unternehmen stecken haben und diese oft von Generation zu Generation weitergereicht werden.

Doch auch die meisten der Reichsten ohne eigene Unternehmen halten ihr Geld im Wirtschaftskreislauf, sei es als Investoren, Immobilienbesitzer, Kunsthändler oder Modeschöpfer. Zusammen sorgen die 300 Reichsten in der Schweiz für Hunderttausende von Arbeitsplätzen. Das Geld verprassen oder den Reichtum protzig zur Schau stellen, das ist beileibe nicht die Art des Schweizer Geldadels.

135 der 300 Reichsten sind Milliardäre

Weit mehr als jeder dritte der 300 Reichsten, nämlich deren 135, ist Milliardär. Dabei überwiegt fremdländisches Schaffen; 76 Milliardäre sind aus dem Ausland in die Schweiz zugezogen, einige schon vor Jahrzehnten. Die Credit Suisse zählt in ihrem «Billionaire Census» weltweit insgesamt 2473 Personen mit einem Vermögen von mehr als einer Milliarde. Demnach lebt jeder 18. Milliardär in der Schweiz. Wie auch sonst Ausländer unser Land als Steuer- und Wohnsitz bevorzugen; fast jeder zweite der 300 Reichsten ist ein Wahlschweizer.

Für einen Platz unter den zehn Reichsten der Schweiz braucht es ein Mindestvermögen von 10 Milliarden Franken. Für einmal weisen die Top Ten bei der Vermögensvermehrung eine unterdurchschnittliche Entwicklung auf: Zusammen kontrollieren sie 183 Milliarden Franken, das entspricht gegenüber 2015 einem Zuwachs von 3 Milliarden.

Familie Kamprad ist einsame Spitze

Seit Jahren und mit grossem Abstand belegt die Familie Kamprad die Spitze. Der Patron Ingvar Kamprad (90) ist zwar nach Schweden zurückgekehrt, doch seine drei Söhne, im Waadtland aufgewachsen, besitzen den roten Pass mit dem weissen Kreuz. Ihr Familienunternehmen, der Welt grösster Möbelhändler Ikea, ist eine Goldgrube sondergleichen. 2015 stieg der Gewinn um sechs Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Im Vergleich mit börsenkotierten Möbelfirmen kommt Ikea auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 40 Milliarden.

Ikea ist zwar der werthaltigste, aber bei weitem nicht einzige Vermögensteil der Kamprads. Konzernweit kommen Dutzende weiterer Firmen dazu. Wie auch dicke Reserven, vom Senior und Firmengründer fast liebevoll «Sparstrümpfe» genannt. Ein Beispiel: In einem Papier der Muttergesellschaft Ingka Holding werden die «überschüssigen liquiden Mittel» mit 15,3 Milliarden Euro beziffert. Und die Eigenkapitalquote, dies nur nebenbei, stellt sich auf 70 Prozent. Unter dem Grundsatz «Lieber zu tief als zu hoch» wird das Vermögen der Kamprads auf 45 bis 46 Milliarden Franken geschätzt.

Jorge Lemann mit einer Milliarde weniger

Auf Rang zwei steht mit geschätzten 27 bis 28 Milliarden der Brasilien-Schweizer Jorge Lemann. Sein Vermögen schmolz um eine Milliarde; beim von ihm zur globalen Nummer eins aufgeschäumten Bierkonzern AB InBev brach im dritten Quartal der Gewinn ein, die Aktien stürzten ab.

Keine Veränderung ebenso auf Platz drei, obwohl die Familien Hoffmann und Oeri als Nachkommen der Gründerfamilie mit ihrem (stimmenmässig) beherrschenden Paket am Basler Pharmakonzern Roche wegen sinkender Kurse 2 Milliarden Franken verloren und damit zu den Hauptverlierern zählen.

1 Milliarde eingebüsst hat auch die weit verzweigte Textilsippe Brenninkmeijer, die mit 15 bis 16 Milliarden auf Platz vier liegt. Im klassischen Bekleidungsgeschäft, in dem ihre Ladenkette C&A tätig ist, reissen Internetanbieter wie Amazon oder Zalando Löcher in die Umsätze.

Viktor Vekselberg mit unbekannten Investments

Auf den hinteren Rängen dagegen gab es ungewohnte Verschiebungen. 2015 aus den Top Ten gerutscht, ist Viktor Vekselberg in diesem Jahr wieder zurück. Der Grossinvestor hat gleich 4 Milliarden Franken zugelegt und wird neu auf 12 bis 13 Milliarden Franken geschätzt.

Nicht weil der 59-Jährige reicher geworden wäre – im Gegenteil verlor seine Beteiligungsgesellschaft Renova weitere 300 Millionen Dollar. Doch der in Moskau und Zug lebende Russe hat «Bilanz» erstmals eine Liste seiner Beteiligungen vorgelegt. Und da lassen sich in seinem Heimatland Investments ausmachen, die vorher nicht oder nicht in diesem Ausmass bekannt waren, beispielsweise Regionalflughäfen, Minen und Metallschmelzen sowie anderes mehr.

2 Milliarden mehr für Familien Schindler und Bonnard

Um tatsächliche 2 Milliarden reicher geworden sind dafür die Familien Schindler und Bonnard, die mit 10 bis 11 Milliarden neu auf Rang neun figurieren. Das Geschäft des von Mehrheitsaktionär und VR-Präsident Alfred Schindler (67) beaufsichtigten Lift- und Rolltreppenherstellers aus der Zentralschweiz läuft gut, die Aktien haben seit Mitte Januar ein Fünftel an Wert zugelegt.

Aus der Gruppe der zehn Reichsten herausgefallen sind dagegen Telekommunikations-Unternehmer Patrick Drahi (53) sowie Fürst Hans-Adam von und zu Liechtenstein (71).

Blocher-Vermögen um 25 Prozent gewachsen

Zu den weiteren Aufsteigern, wenn auch nicht in die Top Ten, gehört die Familie des SVP-Haudegens Christoph Blocher (76). Auch in diesem Fall spielt die Börse die Hauptrolle; die Aktien der Ems-Chemie schossen im Jahresvergleich um 25 Prozent in die Höhe. Die drei Schwestern Rahel und Miriam Blocher sowie Magdalena Martullo-Blocher halten die Mehrheit.

Ebenfalls um 2 Milliarden reicher geworden ist Ivan Glasenberg (59), CEO und Grossaktionär von Glencore. Der Baarer Rohstoffkonzern profitiert von der Erholung der Rohstoffpreise, der forcierte Abbau der Schulden kommt bei den Börsianern ebenfalls gut an. Die in London kotierten Aktien haben sich im Wert verdreifacht. Die Pfundschwäche hat zwar einen Teil der Gewinne wieder ausradiert, doch auch in Schweizer Franken blieb ein schöner Zuwachs übrig. So auch für weitere Glencore-Boys wie die Händler Aristotelis Mistakidis (53) und Daniel Maté (53), die je 900 Millionen Franken gewannen.

Katerstimmung im Luxusbereich

Im Geschäft mit Uhren, Schmuck und Luxusgütern dagegen herrscht Katerstimmung. Der unter Kaufunlust der Konsumenten leidende Markt in China sowie das Ausbleiben der Touristen in Europa wegen der Terrorangst drücken auf Umsatz und Gewinn. Gerade die Uhrenindustrie leidet und da speziell der weltgrösste Exponent Swatch Group. So hat das Unternehmen gut ein Fünftel seines Börsenwerts verloren, die Beteiligung der Familie Hayek schmolz um 1,25 Milliarden.

Unter die Räder gekommen ist auch das Vermögen von Johann Rupert; sein Anteil am Luxusgüterkonzern Richemont ist 750 Millionen Franken weniger wert.

13 neue Reichste

Auch in diesem Jahr präsentiert «Bilanz» einen ganzen Strauss an neuen Namen. Diesmal sind es 13 neue Reichste, die mindestens auf ein Vermögen von 100 Millionen Franken geschätzt wurden. So viel ist nötig, um Eingang in die 300er-Liste zu finden. Zusammen bringen die 13 Neueinsteiger 8,3 Milliarden auf die Waage.

Der Reichste der Neuen heisst Alexandre Van Damme (54). Der höchst öffentlichkeitsscheue Belgier, der vor Monaten von Brüssel an den Genfersee gezogen ist, vertritt im Verwaltungsrat des Biergiganten AB InBev die Interessen seiner Familie. Die Van Dammes sind eine belgische Bierdynastie, die ihren Betrieb vor Jahren an AB InBev verkauft hat.

Einen weltberühmten Namen trägt Marina Picasso. Die Enkelin des Jahrhundertmalers Pablo Picasso hat von ihrem Grossvater mehrere hundert Gemälde und Tausende von Zeichnungen geerbt – geschätzter Wert: 1,5 bis 2 Milliarden Franken. Dennoch findet die 66-Jährige keine freundlichen Worte für den Künstler, nennt ihn einen «Vampir» oder einen «Virus, der die ganze Familie zerfressen hat». Picassos Enkelin, die in einem Genfer Vorort lebt, verkauft laufend Bilder und setzt die daraus gelösten Finanzmittel für Wohlfahrtsprojekte in Asien ein.

Gleich vier neue Reichste aus der Immobilienbranche

Die jüngere Generation vertritt der 36-jährige Niklas Östberg. Der ETH-Absolvent der Ingenieurwissenschaften mit schwedischen Wurzeln und Wohnsitz an der Goldküste legte die Basis für sein Vermögen von 100 bis 150 Millionen Franken als Gründer von Delivery Hero mit Hauptsitz in Berlin. In 33 Ländern werden über diese Internetplattform jährlich mehr als 3 Milliarden Euro Umsatz mit Essensbestellungen abgewickelt.

Spannend auch das Tätigkeitsfeld des Neulings Beat Zaugg: Er ist mit seinem im Freiburgischen domizilierten Velo- und Sportartikelunternehmen Scott zu Wohlstand gekommen.

Neu dabei ist auch Leda Braga (49), die sich mit ihrem Hedge Fund Systematica Investments als Ausnahmeerscheinung in einer sonst von Männern dominierten Branche etabliert hat.

Am stärksten vertreten unter den Neuen ist die Immobilienbranche mit gleich vier Namen. Der Walliser Stéphane Bonvin (49) mit seiner Investis sowie der Deutsche Ralph Winter (53) mit der Corestate Capital Group haben in diesem Jahr mit dem Going public ihre Vermögenverhältnisse offengelegt.

13 Reichste wurden gestrichen

Wenn 13 neue Namen in der Liste aufscheinen, muss die gleiche Anzahl Personen weichen, denn «Bilanz» hält seit vielen Jahren an der Obergrenze von 300 fest. In seinem 74. Lebensjahr verstorben ist Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell. Als Chef des gleichnamigen Schreibwarenkonzerns wurde der Wahlschweizer vor Jahresfrist mit einem Vermögen von 450 bis 500 Millionen Franken geführt. Seine Witwe Gräfin Mary Elizabeth Hogan (65) ist Amerikanerin, und von seinen Kindern lebt keines in der Schweiz.

Auch Heinz Georg Baus ist gestorben, und zwar im Alter von 82 Jahren. Seine Kinder logieren ebenfalls im Ausland. Der Gründer der Baumarktkette Bauhaus mit Sitz im bernischen Belp wurde mit 4 bis 4,5 Milliarden auf der Liste geführt.

Mit Phil Collins (65) ist ein berühmter Name dem Rotstift zum Opfer gefallen. Der einstige Sänger und Schlagzeuger der Band Genesis ist vor gut einem Jahr nach Miami gezogen, wo auch seine neue alte Liebe, die Ex-Frau und Waadtländerin Orianne Collins, mit ihren beiden Söhnen lebt. Der Rockstar hat sein Haus in Féchy VD und das Chalet in Les Diablerets VS behalten und kehrt von Zeit zu Zeit in die Schweiz zurück, wo er nach eigenem Bekunden seinen Frieden gefunden hat.

Obwalden verliert einen der besten Steuerzahler

Aus der Schweiz weggezogen sind ebenfalls die Familie Macaluso sowie Modeschöpfer Daniel Hechter (78).

Seine Zelte in Engelberg OW abgebrochen hat im Weiteren der Russe Dmitry Yakubovskiy (53). Die Krise in seinem Heimatland habe ihm und seinen Geschäften zugesetzt, heisst es aus dem Umfeld des Oligarchen. Deshalb wolle er seine umfangreichen Infrastrukturprojekte vor Ort, sprich in Moskau, leiten. Damit hat Obwalden einen seiner besten Steuerzahler verloren. Möglicherweise nur vorübergehend, denn der dreifache Vater hat die Niederlassungsbewilligung lediglich deponiert.

Sehen Sie in der Bildergalerie unten, wer die Reichsten der Kantone sind:

 

 

Anzeige

Die wichtigsten Zahlen und Fakten zu den Reichsten 2016

Gesamtvermögen der 300 Reichsten
Entwicklung der Vermögen
Zahlreiche Milliardäre
Gesamtvermögen der 300 Reichsten
Entwicklung der Vermögen
Zahlreiche Milliardäre
Gesamtvermögen der 300 Reichsten
1|3
Gesamtvermögen der 300 Reichsten: 613 Milliarden Franken. Die 300 Reichsten waren noch nie so reich wie heute. Jeder...