1. Home
  2. People
  3. 300 Reichste
  4. Die wohlhabendsten Deutschen in der Schweiz

Ausländer 
Die wohlhabendsten Deutschen in der Schweiz

Vor allem die Superreichen mit deutschen Wurzeln haben viel zum Vermögensschub bei den Reichsten in der Schweiz beigetragen. Denn jeder Fünfte der 300 Reichsten ist Deutscher.

Von Walter Pellinghausen und Stefan Lüscher
28.11.2013, Aktualisiert vor 13 Stunden

Die Börsenhausse, steigende Immobilienpreise, die hohe Nachfrage nach Uhren und Schmuck sowie der Boom an den Kunstmärkten haben das Vermögen der 300 Reichsten in der Schweiz in diesem Jahr kräftig anschwellen lassen. Zusammen besitzen sie 564 Milliarden Franken, wie das Wirtschaftsmagazin BILANZ in der zum 25. Mal präsentierten Rangliste vorrechnet. Das ist neuer Rekord. Umgelegt auf jeden der 300 Reichsten, entspricht dies 1880 Millionen Franken.

Beinahe jeder zweite der 300 Reichsten ist aus dem Ausland in die Schweiz gezogen. Vor allem aus Deutschland wurde über die letzten Jahrzehnte eine regelrechte Einwanderungswelle schwerreicher Bürger registriert. Davon haben es knapp 60 in die Liste der 300 geschafft. Diese Reichsten mit deutschen Wurzeln besitzen zusammen ein Vermögen von 110 Milliarden Franken, 30 davon sind Milliardäre.

Tausende von Arbeitsplätzen

Lange nicht alle Wahlschweizer aus Deutschland wollen in der Alpenrepublik einfach nur ihren Reichtum geniessen; viele betätigen sich unternehmerisch und haben oft Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen. Und ein grosser Teil hat sich einbürgern lassen, verzichtet damit auf eine bevorzugte Behandlung bei den Steuern. Die Allerreichsten in Helvetien mit deutschen Wurzeln sind Nachkommen der münsterländischen Textilhändler Clemens & August Brenninkmeyer. Doch die Teilhaber der Modekette C & A besitzen schon seit Generationen die niederländische Staatsangehörigkeit. Albert Brenninkmeijer, amtierender Chef von C & A Schweiz, ist seit dem Vorjahr mit einer Cousine von König Wilhelm-Alexander vermählt.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Reichenrangliste der Schweiz liefern sich zwei urdeutsche Milliardäre: Der Hamburger Logistik-Unternehmer und HSV-Fan Klaus-Michael Kühne (76) und Bayerns Adeliger August von Finck (83). In der neuesten Ausgabe des Wirtschaftsmagazins BILANZ hat Hanseat Kühne mit 7,5 Milliarden Franken Vermögen die Nase knapp vorn, gehört zu den zehn Reichsten der Schweiz. Die Von-Finck-Sippe zählt ein paar Millionen Franken weniger und gehört in diesem Spätherbst zu einer Minderheit, nämlich zu den Superreichen mit einem „nur“ stabilen Kassenstand.

Alles Müller oder was!

Die meisten Deutschen mit Wohnsitz zwischen dem Schweizer Ufer des Bodensees und dem Genfersee haben nämlich ihre Besitzstände ausbauen können. Zu den Gewinnern gehören neben dem Bauhaus-Handelsmilliardär Heinz-Georg Baus (79) oder dem Adam-Opel-Nachkommen Georg von Opel (47) mal wieder die Baumaschinen- und Kranspezialisten um die Geschwister Willi (66) und Isolde Liebherr (64). Die Familienfirma ist längst auch dem breiten Publikum bekannt als Hersteller von Millionen Kühlgeräten für den Hausgebrauch.

Deren Bekanntheitsgrad wird von anderen Wahlschweizern übertroffen. Der Molkereimeister Theo Müller (73) zum Beispiel («Alles Müller oder was?») feierte gerade seinen zehnten Jahrestag als Bewohner und Steuerzahler am Zürichsee, kokettierte während des Bundestagswahlkampfes zeitweise angesäuert gar mit einem Wechsel seines deutschen gegen einen Schweizer Pass. Das dürfte sich – erst einmal – erledigt haben. Denn Müllers Schweizer Modell sollte ja nur greifen, «wenn der frühere Kommunist Trittin Finanzminister wird». Zumindest für die nächsten vier Jahre dürfte das ausgeschlossen sein.

Wechsel zum roten Pass

Andere Urdeutsche haben sich längst still und leise für den roten Pass mit weissem Schweizerkreuz entschieden. Mit Luitpold von Finck (42) beispielsweise bemüht sich derzeit auch der dritte Sohn des früheren Münchner Bankiers und Grossgrundbesitzers August von Finck um das sogenannte Bürgerrecht der Schweiz. Die beiden älteren Brüder, Stammhalter August Francois (45) und Maximilian Rudolf von Finck (44) haben den Schweizer Pass längst schon, wobei der mittlere Spross Maximilian (Max) von Finck im Vorjahr am Zürichsee ausdrücklich ohne seine gerade frisch angetraute Gattin Ana Paula (33) eingebürgert wurde. Dem brasilianischen Topmodell, früher liiert mit dem Rolling-Stones Gitarristen Ron Wood, fehlte der vorgeschriebene helvetische Wohnsitz.

Selbst vermeintlich urdeutsche Dynastien sind längst durchmischt. Etliche Erben des Wella-Haarkosmetikkonzerns um die Seniorchefin Erika Pohl-Ströher (94) haben sich ebenso einbürgern lassen wie schon der selige Baron Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza (1921- 2002), dessen Stammhalter Heinrich Georg Thyssen-Bornemisza mit Schweizerpass aus dem Steuerparadies Monaco das Milliardenvermögen mehrt.

Ab in die Steueroasen

Dass allerdings kein Pass dieser Welt dessen Inhaber bindet, beweist derzeit Witwe Renata Jacobs. Gemeinsam mit ihrem 2008 verstorbenen Gemahl Klaus J. Jacobs (1936- 2008) war sie in der Reichsten-Enklave Küsnacht bei Zürich zur Schweizerin gemacht worden. Wenig später zog das Neuschweizer Paar um nach England. Denn auch auf der britischen Insel gibt es Steuerrabatte für Ausländer, also auch für Schweizer.

Irgendwo auf der weiten Welt findet sich für findige Sparer allerdings immer noch ein Fleckchen, wo die Finanzbeamten noch gnädiger sind als in Britannien oder der Schweiz. Weshalb Witwe Renata Jacobs kürzlich wieder den amtlichen Wohnort gewechselt hat, wird nicht mitgeteilt. In amtlichen Schweizer Registern wird die ewige 39-Jährige jedenfalls mit neuer Residenz geführt in Sliema, einem Städtchen an der Nordostküste der Mittelmeerinsel Malta.

Nun ist der Sohn am Drücker

Aus den Trümmern der einst zweitgrössten, inzwischen insolventen Baumarktkette Praktiker schneidet sich gerade Deutschlands erfolgreichster Heimwerkermarkt-Betreiber Heinz Georg Baus (79) jene 24 Filet-Filialen der Marke Max Bahr heraus, die in sein eigenes Imperium unter dem Dach mit Namen Bauhaus passen. Aus Schriesheim im Rhein-Neckar-Kreis war der gelernte Glaser Baus schon vor Jahrzehnten in die Schweiz ausgezogen, um von dort erst Deutschland und dann ganz Europa mit seinen Bauhaus-Fachcentren zu erobern. Persönlich agiert der Vater von drei Kindern wie ein Phantom. Fotos gibt es von Baus praktisch nicht. Aus dem Schweizer Steuersparkanton Zug dirigiert inzwischen auch Sohn Bernd Baus (48) an der Seite des Gründers eine Gruppe mit schätzungsweise gut fünf Milliarden Euro Umsatz.

Alles zu den 300 Reichsten der Schweiz finden Sie im grossen Sonderheft der BILANZ - jetzt am Kiosk!

Anzeige